Schachen-Rod: supra schache:rode

Historischer Beleg aus Allendorf  
Gemeinde
Greifenstein
Landkreis
Lahn-Dill-Kreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Schachen-Rod

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1331

Quelle

Fürstliches Archiv Braunfels, Kl. Altenberg, Urkunden LV.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rod

Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st.N.F.‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Die zahlreichen Belege weisen eine Fülle von sprachlichen Varianten auf. Neben den häufigen /ro:t, rot/-Formen sind es vor allem /rö:de/-Formen. Soweit sie als Sg. fem. identifizierbar sind, gehen sie auf eine Nebenform von mhd. riute zurück, in der der Stammvokal gekürzt uns zu /ö/ gesenkt ist, um dann durch die Dehnung in offener Silbe zu /rö:de/ zu werden. /rö:de/ kann aber auch Plural zu Rod sein und konkurrieiert dann mit der Pluralform auf /-er/: Röder, mundartlich oft zu /re:rer/ entrundet und weiter zu /ri:rer/ gehoben. Rod-Formen erscheinen häufiger mit Senkung zu /a/ (Rad). Bei mündlichen /u:/-Formen wurde in der Regel angenommen, dass sie zu rot gehören, womit Vermengung ohnehin leicht möglich ist. Für den /d/-Laut kommt neben regelmäßigem Rhotazismus zu /r/ gelegentlich Lamdbazismus zu /l/ vor (Röder Loch in Odenhausen (Rabenau)). - In diesem wie in einigen andern Fällen ist nicht auszuschließen, dass die Namen an SiedlungsN Rod erinnern, über die aber nichts weiter bekannt ist.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rod

Zu ahd. rot, rod, mhd. riute st. N. ‚Rodung, durch Rodung urbar gemachtes Stück Land‘. Der FlN Rod ist in vielen Varianten im ganzen Untersuchungsgebiet dicht und früh (13./ 14. Jh.) belegt. Formen mit Langvokal (in historischen Belegen oft durch Dehnungs-tii gekennzeichnet: roidtr) stehen neben solchen mit Vokalkürze; das /o/ erscheint vereinzelt zu /u/ gehoben, daneben häufig zu /ɑ/ gesenkt (Rad ), besonders im Nordosten des Untersuchungsgebiets. Neben der vorherrschenden Diminutivform Rödchen gibt es im südlichen Untersuchungsgebiet die mit dem Suffix -el gebildete Form Rödel, bei den Pluralformen überwiegt die Form Röder. Auch hier zeigt sich starke Varianz im Bereich des Vokalismus, die in einzelnen Fällen zu Umdeutungen und Verballhornungen geführt hat: Rädchen, Rädel, Rodel, Riedel, Rüdel, Rudel; Räder, Roder, Rieder, Rüder. Die Abgrenzung von Rod gegen rot (und den FamN Rot, Roth) ist - vor allem in den historischen Belegen - nicht immer zweifelsfrei möglich.

Schachen

Aus ahd. scahho ‚Landzunge, Bergvorsprung‘ hat sich mhd. schache sw. M. ‚einzeln stehendes Waldstück, Vorsaum eines Waldes‘ entwickelt. Die Namen beziehen sich oft auch auf ins Feld stoßende Waldzungen. Das Wort ist in dieser Bedeutung nicht mehr gebräuchlich; die südhess. Sonderbedeutung ‚feuchter Wiesengrund‘, war, soweit erkennbar, nirgendwo namengebendes Motiv. Schachert(s) liegt wohl *schach(en)-hart zu Grunde; bei schecher gruebe (Auerbach), auch bei schechters gruben (Ueberau) (?), kann mhd. schæchære st. M. ‚Räuber‘ oder - wahrscheinlicher - die im Pfälzischen belegte Bedeutung ‚Abdecker, Schinder‘ Grundlage des Namens sein, sodass es sich dann um Schindgruben (s. d.) handelte. Schächerlache in Hähnlein ist hingegen von Schachhof abgeleitet1.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Schachen m. / Zunge f.

1A

Schachen geht auf ahd. scahho ‚Vorgebirg, Landzunge‘ (DWB 14 [VIII], 1958), mhd. schache sw.m. ‚einzeln stehendes Waldstück oder Vorsaum eines Waldes‘ (Lexer 2, 622) zurück. Als Wort ist Schachen, auch umgelautet Schechen, in oberdt. Dialekten gebräuchlich; in mitteldt. ist es untergegangen (DWB ebd.; SchwäbWb 5, 640; Buck 230; Weigand/Hirt 2, 662f.; Dittmaier 257). Auch in hessischen FlN scheint durchweg die Bedeutung ,Waldzunge, einzeln stehendes Waldstück‘ zugrunde zu liegen (vgl. Bach 2 § 362).

1B

Zunge, zu ahd. zunga, st.sw.f. ‚Zunge, Rede, Sprache‘ (Schützeichel 249), mhd. zunge st.sw.f. (Lexer 3, 1178) bezeichnet in FlN als Formname ‚ein zungenförmig sich in ein anderes vorschiebendes Geländestück‘ (Dittmaier 356), ist in dieser Bedeutung auch als Wort belegt (DWB 32 [XVI], 605) und als ,Landzunge‘ „uralt“ (Kluge/Mitzka 892). Da meist nicht zu entscheiden ist, ob die Form des Flurstücks oder die Geländeform die namengebende Eigenschaft aufwies, besteht nur eine schwache Beziehung zum Sachbezug von Schachen (sofern es sich nämlich um eine Waldzunge handelt), eine stärkere zu → Horn, Gehren, Keil, Spieß (K. 80, 62-65).

Die unverschobene Form /tuŋe/ (WaldWb 106) begegnet im niederdt. Sprachgebiet Hessens auch gelegentlich in FlN.

2A

Die Ein- und Ausgrenzung ist bis auf Einzelfälle unproblematisch. Die umgelautete Form Schechen scheint nur in dem unsicheren Beleg A: Schächtalswiese - D: /ʃeçdlsvi:ze/ (64l9c5 Hetzbach ODW) (oder zu FamN?) vorzuliegen. Zu „Schachgraben“ als Teilbezeichnung des Darmbachs bei Darmstadt vgl. Knöpp 14.

Die beiden Streubelege in 5121d2 Willingshausen SEK (D: //) und 4725b2 Abterode WMK (A: Schacherland) sind aufgenommen, wenngleich der letztere auch zu schachern i. S. von ,er- (ver-)schachertes Land‘ gehören könnte.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 68

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Schachen-Rod: supra schache:rode (Allendorf)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/53657_supra-schache-rode> (aufgerufen am 04.11.2026)

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