See-Anwender: großen See Anw:
Beleg
Standard-Flurname
See-Anwender
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1790
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 20/1.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anwender
Anwender und Anwand gehen zurück auf ahd. anawant, anawanta, mhd. anwande, anwende st. F. ‚Grenze, Grenzstreifen (die Stelle, an der der Pflug wendet)‘ und mhd. anwender st. M. ‚angrenzender Acker‘. So wie sich bei Gewann die ursprüngliche Bedeutung des Wendens auf das zwischen den Wendestellen liegende Feld ausweitete, so erweiterten Anwender und Anwand ihre Geltung ebenfalls auf den angrenzenden Acker. Es handelt sich bei diesen Formen um Substantivbildungen zum Verb ahd. anawenten, mhd. anewenden sw. V. ‚legen an‘. Angewann ist als Kreuzung zwischen Gewann und Anwand/Anwender aufzufassen. Die verschiedenen Sachbezüge auf Pflugwendestellen, besonders die Aspekte des Nachbarrechts, lassen sich aus den FlN nicht mehr eindeutig herauslesen.
See
Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer heutigen landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s.d.) (Garbenteich).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anwender
Anwender und Anwand gehen zurück auf ahd. anawant, anawanta, mhd. anwande, anawant, anwende st. F. ‚Grenze, Grenzstreifen (die Stelle, an der der Pflug wendet)‘ und mhd. anwender st. M. ‚angrenzender Acker‘. So wie sich bei Gewann die ursprüngliche Bedeutung des Wendens auf das zwischen den Wendestellen liegende Feld ausweitete, so erweiterten Anwender und Anwand ihre Geltung ebenfalls auf den angrenzenden Acker. Es handelt sich bei all diesen Formen um Substantivbildungen zum Verb ahd. anawenten, mhd. anewenden sw. V. ‚legen an‘. Seit dem 14. Jh. treten in den südhess. FlN mit gleicher Bedeutung noch Angewender und Angewand hinzu, die, wie die häufigen Varianten Angewann und Angewend verdeutlichen, als Kreuzung zwischen Gewann und Anwand/Anwender aufzufassen sind. Die verschiedenen Sachbezüge auf Pflugwendestellen, angrenzende Äcker, aber auch „verschiedene, beieinanderliegende Aspekte des Nachbarrechts bei Überfahrts-, Wege- und Grenzrechten“
See
Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s. d.).
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Anwender m.; Anwand f.; Angewann f.
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Von den zahlreichen Wort- und Namensynonymen, die die Pflugwendestelle bezeichnen, werden hier die Haupttypen zusammengenommen, in deren sprachlicher Form die Vorstellung des ‚(Pflug-)Wendens‘ noch enthalten ist und die sich deshalb eng an Gewann/Gewende (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 7) anschließen. Zu den Namenentsprechungen Anthaupt und Vorrat → Hessischer Flurnamenatlas, Karte 9.
Anwender und Anwand gehen zurück auf ahd. anauant, anauuanta f. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 455f.)‚ mhd. anwande, anwant, anwende st.f. ‚Grenze, Grenzstreifen (die Stelle, wo der Pflug wendet)‘, anwender st.m. ‚angrenzender Acker‘ (Lexer 1, 85). So wie sich bei Gewann die Bedeutung auf das zwischen den Wendestellen liegende Feld ausweitete, so erweiterten Anwand/Anwender wie Angewann ihre semantische Geltung auf den angrenzenden Acker, auf dem der Pflug gewendet werden durfte (Vollmann 40; Dittmaier 15). Der vom Wortbildungstyp im Mhd. noch nachvollziehbare Bedeutungsunterschied zwischen anwende f. und anwender m. verwischt sich so aus Sachgründen (vgl. DWB 1 [I], 513f.‚ 518). Der Ursprung von Anwand, aber auch der umgelauteten /e/-Formen (Anwand, Anwender), liegt wohl im oberrheinischen Raum. Die Bezeichnungen verbreiteten sich rheinabwärts im West- und Ostmitteldt. und reichten bis ins Niederdt. (Schmidt-Wiegand 1983, 256f.; HSS K. 7 und Textband 103f.). Sie sind zum „Rechtswort im Sinne eines besonderen Kulturwortschatzes geworden“, weil „dank der semantischen Differenzierungen, die Anwand/Anwende im Laufe seiner Geschichte erfuhr, … sich mit seiner Hilfe verschiedene, beieinanderliegende Aspekte des Nachbarrechts bei Überfahrts-, Wege- und Grenzrechten ausdrücken ließen“ (Schmidt-Wiegand 1983, 259f.; vgl. DRWb l, 774-777; HRG 1, 191f.).
Während Vilmar 15 Anwand und Anwender als synonym beschreibt („Anwender … was anwand, ein Acker auf dessen lange (breite) Seite andere Aecker mit der schmalen Seite (Stirnseite) stoßen.“), hebt Crecelius 37 für Anwand die Eigenschaft ‚Ackergrenze, Rand eines Ackerfeldes‘ hervor. Auch KehreinWb 47 betont die Bedeutungsgleichheit der beiden Wörter, zu denen er auch Ang(e)wann zählt. Das WaldWb 4, 6 gibt für das Waldeckische anewant f. als ‚die beiden Kopfenden des Ackers‘ und anwenger m. als ‚Acker, an welchen mehrere Kopfenden andrer Äcker stoßen‘ an. Synonymie von Anwand, Angewann und Anwender nimmt auch das SHessWb 1, 249, 309 an.
Von den hessischen FlN her können mögliche Unterschiede in den Sachbezügen nicht entschieden werden. Verglichen werden kann hingegen mit den Bezeichnungen für die Pflugwende im Wortgebrauch (H. Christmann; DWA IV ‚Pflugwende‘). Die Verhältnisse, wie sie die Wortatlaskarte zeigt, sind auch in Hessen außerordentlich differenziert. Gliedert man ganz grob, so gilt heute: In Nordhessen herrscht Anewand vor, in Osthessen Anwender. Im mittleren Hessen überwiegt Vorrat, Forrer, das nach Westen zu von einem schmalen Ende-Gebiet abgelöst wird, während Westhessen vom Taunus bis ins Lahn-Dill-Gebiet Gewann haben. In Südhessen herrscht im östlichen Teil Vorende, im westlichen Teil Anthaupt vor.
In den FlN finden sich nur die hier und in →K. 9 wiedergegebenen Namen häufiger wieder. Auf die Wiedergabe seltener oder sehr unsicher zu identifizierender FlN mußte verzichtet werden.
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Es wurden nur die Namen aufgenommen, deren mündliche bzw. amtliche Form mit hinreichender Sicherheit zu einer der drei Hauptvarianten zu stellen sind. Da die Bezeichnungen für die Pflugwende dazu neigen, außerordentlich stark „zersprochen“ zu werden, gibt es vermutlich noch eine Reihe von Belegen, deren Zugehörigkeit zum Typ nicht festgestellt werden konnte.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 8
Seien m. f.; Siegen m.
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Die Namen der oder die Seie(n) (meist der Seien, die Seie) und der Siegen gehören etymologisch und in der Sachbedeutung zusammen. Beide gehen auf germ. *sîhwan zurück, wobei durch grammatischen Wechsel Kluge/Mitzka 699) einerseits ahd. sîhan ,(heraus) seihen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîhen ‚trans. seihen, intrans. tröpfelnd durch etwas sickern, fließen‘ (Lexer 2, 919), andererseits ahd. sîgan, sîgen ‚sinken, wanken, sich neigen, sich niedersenken; herabfließen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîgen (Lexer 2, 916) entstehen. Die daraus gebildeten Substantivierungen mhd. sîhe st.sw.f. und sîgen st. n. ‚das Sinken, das Tröpfeln, Fließen‘ (Lexer 2, 919, 917) beziehen sich in FlN auf eine ‚Vertiefung auf dem Felde, wohin das Regenwasser seinen allmählichen Ablauf nimmt, Vertiefung, tiefere Stelle der Flur überhaupt‘ (Vilmar 383; ähnlich Kehrein Wb 374) und entsprechen deshalb in der Sache nicht immer Seife(n) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 120), wie Dittmaier 287, 29l angibt.
Aus den Angaben bei Kehrein ebd. geht nicht klar hervor, ob Seich f., Seihen m. in Nassau im 19. Jh. noch als Wort bekannt war; Vilmar ebd. hingegen berichtet, daß Siegen im „nördlichen Niederhessen“ noch verstanden, aber als Wort nicht mehr verwendet werde (vgl. Arnold 516). Heute ist hier nur noch vereinzelt ein Siegplatz ‚nasse Stelle im Acker‘ belegt (HNassWb 3, 597; vgl. ebd. 558). Gleicher etymologischer Herkunft und in FlN von Siegen kaum zu trennen ist der, das Siech, Sich, Sech u. ä. bzw. unverschoben nd. Siek, Sik, Sege ‚feuchte Niederung, feuchte sumpfige Stelle‘ (Bach 2 § 309), mnd. sîk (sieck, zyk) m.n. ‚wasserhaltiger Grund, sumpfige Niederung, Tümpel‘ (Lasch/Borchling 3, 230). Schließlich scheint es in hessischen FlN noch eine /(e)l/-Ableitung zu den Hauptvarianten zu geben, so daß auch Namen wie Seiel, Seigel, Segel, Sichel u.ä. hierher gestellt werden.
Durch Monophthongierung und Diphthongierung, durch Spirantisierung des /g/ und verschiedenartige Kontrahierungen entsteht dialektal eine Fülle von Nebenvarianten zu den beiden Hauptvarianten des Namentyps.
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Während die Identifizierung der Hauptvarianten Seie(n) und Siegen ziemlich unproblematisch ist, ist die Ein- und Ausgrenzung der seltener vorkommenden Varianten mit großen Unsicherheiten behaftet, so daß nur eine erste Annäherung an die tatsächliche Verbreitung der Seie(n)-Siegen-Namen in Hessen erfolgen kann, die durch Realproben und historische Belege im einzelnen gesichert werden müßte. Das gilt besonders
l. für die gesamte Gruppe der Namen mit der vermuteten /(e)l/-Ableitung, für die bisher außer durch Kombinationstypen nur gelegentlich eine Sachbestätigung gefunden werden konnte (Henn 1977, 75 für 4925c1 Sontra WMK);
2. für das Vorkommen der Nebenvarianten als BT von FlN, wo zahlreiche Vermengungen mit anderen Namen vorliegen. So sind die Secken-‚ Sicken-Belege aufgenommen, obwohl sie sicher z. T. auf PN (Förstemann 1, 1317ff.), im Einzelfall vielleicht auch auf mnd. segge ,Riedgras‘ (Bach 2 § 323) zurückgehen. Ausgesondert wurden nur die Belege für den „Siegbach“ (links zur Dill) und für die Wüstung „Seckbach“ (in 5219d2 Wittelsberg MBK: 831/850 „Sigibach“; Reuling 1979, 282).
3. Der mehrfach belegte FlN Sechling gehört nicht hierher: ,Gebund, Garbe‘ (Crecelius 785; HNassWb 3, 589).
Unberücksichtigt blieben auch Belege mit genitivischem /-s/ im BT wie Sichels-‚ Siegels-‚ weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen PN oder FamN zurückgehen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 119
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„See-Anwender: großen See Anw: (Bürgel)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/52707_grossen-see-anw> (aufgerufen am 05.11.2026)
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