Lei-Halde: im Laienhelg:

Historischer Beleg aus Mittelheim  
Gemeinde
Oestrich-Winkel
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Lei-Halde

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1699/1700

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 102, Akten Nr. 488.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Halde

Zu ahd. halda, mhd. halde, helde sw. st. F. ‚Bergabhang‘. Die Namen beziehen sich auf Flurstücke in Hanglage. Durch Dehnung oder Umlautung des Stammvokals und Assimilation der nachfolgenden Konsonantenverbindung /ld/ > /ll/ ist ein breites Spektrum von Namenvarianten entstanden, wobei oft eine Umdeutung zu Hölle eine Rolle spielt: Hahl, Halle, Helde, Helle, Heil, Höhle, Hölle.

Lei

Es handelt es sich um einen östlichen Randbeleg der im Rheinland sehr häufigen Namen. Sie gehen auf mhd. leie, lei st. F. ‚Fels, Stein‘, ein Wort unklarer, vermutlich galloromanischer Herkunft zurück. Im Nassauischen bezeichnet Lei ‚Fels‘ allgemein (Kehrein), so auch in Ober-Kleen.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Halde

Zu ahd. halda, mhd. halde, helde sw. st. F. ‚Bergabhang‘. Die Namen beziehen sich auf Flurstücke in Hanglage. Durch Dehnung oder Umlautung des Stammvokals und Assimilation der nachfolgenden Konsonantenverbindung /ld/ > /ll/ ist ein breites Spektrum von Namenvarianten entstanden: Hahl, Halle, Helde, Helle, Heil, Hille, Höhle, Hölle, Holde, Hülle, Hulle. Lokale Umdeutungen besonders der Varianten Höhle und Hölle waren damit in vielen Fällen verknüpft. In Nieder-Modau/Ober-Ramstadt erfolgte eine Umdeutung, da es sich nach den historischen Formen um ein *Hagel-Kreuz ‚Kreuz, das zur Erinnerung an einen Hagelschlag (?) errichtet wurde‘ handelt. Die Grenzflur Da/Bessungen liegt an einem Hang. Es ist aber von den Belegen her unklar, ob es sich um ein Diminutiv zu Halde oder Höhle handelt oder ob frühe Umdeutung zu heilig (s. d.) stattgefunden hat1. Die Hahlwage in Zell (BGS) liegt oberhalb des Hahn ( Hain, s. d.) als ebene Fläche, sodass der FlN wohl Dissimilation von /n/ > /l/ erfahren hat und als ‚waagrechte Fläche des Hains‘ zu verstehen ist.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Lei f.

1

Lei, mhd. leie, lei st.f., *auch leige, asächs. lêia ‚Fels, Stein‘ (Lexer 1, 1866) mit unklarer (Weigand-Hirt 2, 43), wohl galloromanischer Herkunft (Frings 216; Kluge/Mitzka 432), ist hauptsächlich im westdt. Sprachraum verbreitet (DWB 12 [VI], 681; Wallner 44f.; Post 110f.). Während Lei sich im Rheinland hauptsächlich auf Schiefergestein bezieht (Dittmaier 184), bezeichnet das Wort im Nassauischen auch ,Fels‘ überhaupt (KehreinWb 261). Im 19. Jh. ist „Leie fem., gewöhnlich Lêe, auch Lêde gesprochen,... nur in Oberhessen bekannt, selbst hier nicht allgemein üblich“ (Vilmar 244). Belegt sind die Verwendungen von Lei(e) für ,Schiefer‘, ‚Fels‘, besonders für die Schiefertafel des Schülers (HNassWb 2, 104; SHessWb 4, 270 und K. IV 22; Stroh 23).

2

Die dialektalen monophthongischen Varianten sind kaum einzugrenzen wie das von Vilmar angegebene /le:e/‚ da Vermengung mit Loh (K. 123) bestehen kann. Nach Struktur- und Kombinationstyp zu urteilen, läßt sich kein einziger hessischer /le:/- Name o. ä. sicher zu Lei stellen. Vereinzelt scheint allerdings Monophthongierung zu /la:/ vorzukommen. Vermengung mit apokopiertem /lei/ < Leite (K. 86) ist wegen der verschiedenen Verbreitungsgebiete bis auf den Grenzfall „Schmitter Lei“ in 5420c4 Sellnrod VBK auszuschließen. Unberücksichtigt bleiben (mit einer Ausnahme) die wenigen mask./neutr. Namen, die alle außerhalb des Hauptverbreitungsgebietes liegen und eher zu Loh oder Lehen gehören.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 99

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Lei-Halde: im Laienhelg: (Mittelheim)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/487761_im-laienhelg> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

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