Stein-Knatz: AUF DEM STEINKNATZ
Weitere Belege
- am steingnatz
Staatsarchiv Marburg, Steuerkataster, 1747
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Stein
Die Namen verweisen - in sehr unterschiedlicher Weise - allgemein auf das Material Stein, ahd. mhd. stein st. M. In historischen Belegen zeigt sich öfter Monophthongierung zu /e:/. (1) Die Namen beziehen sich großenteils auf natürliche Steinvorkommen, sei es die steinige Bodenbeschaffenheit, seien es auffällige Steinvorkommen. Genutzt und abgebaut werden Steine für Bauzwecke in Steinbrüchen, die meist Steingrube oder Steinkaute genannt werden. Größere natürliche Steinansammlungen, besonders an Hängen, heißen Steinrück(en), Steinritz, Steinrutsche. Steinige Hügel heißen Steinbühl, ein FlN, der oft sehr verschliffen als Steimel u. ä. erscheint. Auf die Probleme, die mit der agrarkulturellen Nutzung steinigen Bodens verbunden sind, weisen z. B. Namen wie Steinacker und Steinfeld hin. (2) Die zweite große Gruppe der Stein-FlN bezieht sich auf meist einzelne Steine, die als natürliche Erscheinung markant hervortretend oder durch menschliche Tätigkeit aufgestellt und bearbeitet bestimmte Aspekte der bäuerlichen Kultur repräsentieren. Das sind vor allem solche der kommunikativen Orientierung und der Begrenzungen (z. B. die Marksteine), soweit sie nicht als historische Relikte zu verstehen sind wie das Steinmal, die Steinkammer, der heilige Stein oder die langen Steine. (3) Schließlich gibt es die Gruppe der kulturellen Objekte aus Stein wie die Steinstraßen und Steinbrücken u. ä. An Steinfurten wurde das Durchqueren des Gewässers durch Steine ermöglicht.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Grind m. (n. ?) / Grien m./n. / Knatz m.
- 1A
Grind, ahd. grind, grint (Graff 4, 330), mhd. grint st.m. (Lexer 1, 1087) hat neben der nhd. Bedeutung ‚Schorf, Ausschlag‘ die ältere Bedeutung ‚Sand, Kies‘, die nach DWB 9 [IV, I, 6), 368 außerhalb des Niederfränkischen „nur in Spuren zu belegen“ ist. Das Verhältnis zu oberdt. Grind m. ,Kopf‘ ist unklar (DWB ebd.; Kluge/ Mitzka 271; Weigand/Hirt 1, 769; SchwäbWb 3, 839). Im Wortgebrauch herrscht in Hessen die Bedeutung ‚Schorf, Ausschlag‘, auch ‚Krätze‘ (Crecelius 437) vor, aber auch die Bedeutung ‚Kopf‘ ist nicht unbekannt (KehreinWb 174; SHessWb 2, 1466; WaldWb 41).
In hessischen FlN bezieht sich Grind meist auf ‚Kies, Sand‘ (Vilmar 137); vereinzelt bezeichnet der Name auch Bergkuppen (Einzelnachweise bei Stroh 9f.; Arnold 49); zu mhd. grinte sw.m. ‚Bergrücken‘ (Lexer 1, 1086).
- 1B
Grien „‚Sand, Kies‘; ein vorzugsweise alem. Wort, das erst in mhd. Zeit erscheint; selten im Md. als grîn und im Mnd. als grên“ (DWB 9 [IV, I, 6], 262); mhd. grien ‚Kiessand, sandiges Ufer‘ (Lexer 1, 1080). Als Wort ist Grien in Hessen heute unbekannt. Der FlN, „besonders häufig dem Oberrhein entlang“ (Buck 90; vgl. Zink 82f.‚ BadWb 2, 471), aber auch in den Rheinlanden nicht selten (Dittmaier 93), bezieht sich in Hessen wie dort auf sandig-kiesige Bodenbeschaffenheit (SHessWb 2, 1462; Stroh 8ff.).
- 1C
Knatz ist herzuleiten von mhd. gnaz st.m. ‚Schorf, Ausschlag‘ (Lexer 1, 1041), das seit dem ausgehenden 13. Jh. belegt und „ursprünglich wohl ein md. Wort (ist), das sich weithin über das nd. Sprachgebiet verbreitete. ... Das Ausgangsgebiet (vermutlich Hessen und Thüringen) kennt gnatz nur als Mask.“ (DWB 8 [IV, I, 5], 625; vgl. Hertel 108). Das mit ahd. gnîtan ‚reiben‘ etymologisch verbundene Wort (Weigand/Hirt 1, 746) ist bei Estor 1409 als „gnatz auf dem kopf, vom grinde flüsend“ für Hessen belegt. Vilmar 131, der die Bedeutungen ‚Krätze; Grind, besonders Kopfgrind; schmutziger Geiz‘ angibt, weist darauf hin, daß Gnatz im Hessischen im Anlaut mit stimmlosem Verschlußlaut /k/ gesprochen werde; diese Form ist auch meist in den FlN belegt.
Der in den gängigen Namenbüchern nirgendwo erwähnte FlN Knatz, Plur. Knätze scheint sich bildlich auf die sandig-kiesige- ,grindige‘ Beschaffenheit des Bodens zu beziehen, oft wohl auf der Kuppe größerer oder kleinerer Bodenerhebungen, wofür die vorherrschende Präpositionalfügung auf dem Knatz einerseits und der als einziger häufiger vorkommende Kombinationstyp Steinknatz andererseits sprechen. Das bei Leineweber 36 vereinzelt belegte Adjektiv knatzig in bezug auf ‚feuchte Stelle in der Wiese‘ ist deshalb eher mit Knatsch ‚Schmutz‘ zu verbinden. In Thüringen bezeichnet das Wort Gnatz neben ,Grind‘ allerdings auch ‚schweren, tonigen, unfruchtbaren Boden‘ (K. Spangenberg briefl.).
- 2A
Die Identifizierung der Grind- und Grien-Namen ist mit zahlreichen Unsicherheiten belastet. Wegen der phonetischen Ähnlichkeit, vor allem wegen des dialektal möglichen /d/- Ausfalls bei /grind/, lassen sich die rezenten Belege nur selten eindeutig sprachhistorisch einem der beiden Namentypen mit Bestimmtheit zuordnen, zumal Umdeutungen in historischen Belegreihen mehrfach bezeugt sind (Vilmar ebd.; Stroh ebd.; vgl. Dittmaier 93f.).
Deshalb kann im wesentlichen nur unterschieden werden, ob eine /d/-haltige rezente Form vorliegt oder nicht, wobei die /d/losen Belege in der Masse allerdings - schon wegen der vorherrschenden Vokallänge - zu /gri:n/ zu stellen sind.
Die Abgrenzungsprobleme gegen andere Namentypen sind vielfältig:
1. Grind vermengt sich im Plural und Diminutiv mit dem sehr häufigen FlN Grund (/grine, grinçe/ ; vgl. Ott 174), so daß diese Belege nicht berücksichtigt wurden.
2. Grien ist schwer von grün zu trennen, zumal der Name offensichtlich mehrfach in diese Bedeutung umgedeutet wurde (vgl. Arntz 15). Es wurde so verfahren, daß nur grün als Simplex oder GT als umgedeutetes /gri:n/ gewertet und deshalb aufgenommen wurden, obwohl im Einzelfall ein substantiviertes Grün ‚grüner Platz‘ (Dittmaier 95; Buck 91) nicht auszuschließen ist.
3. Die diphthongierte Form Grein, Krein (< mitteldt. /gri:n/) wurde aufgenommen, wenn die Herkunft von einem Besitzernamen (so in 5120b3 Gleimenhain VBK „Greinheinerswiese“) oder der zentralhessischen grün-Form mit steigendem Diphthong (/groin/) unwahrscheinlich ist. Entscheidend sind hier also nur die Grind- und Grien-Namen, die von der rezenten Form her mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den Namentypen gehören.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 102
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Stein-Knatz: AUF DEM STEINKNATZ (Wendershausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/445554_auf-dem-steinknatz> (aufgerufen am 03.11.2026)
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