Bitze-See: AM BITZENSEE [ɒm 'bɪdsə,seː]
Weitere Belege
- 19. Jahrhundert, kopial 20. Jahrhundert: Bitzsee
Staatsarchiv Darmstadt, O 61, Buxbaum. Konv. 1.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bitze
Zu ahd. bizûna st.w. F. ‚eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st. F. ‚Baumgarten‘. Daneben steht die seltenere Variante Betzen M. (N.?), die ahd. bizûni, mhd. bizûne, bîzune st. N. fortsetzt. Vergleichbar den Beunden beziehen sich Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes und Sonderrecht unterliegendes Sonderland. Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein. Unsicher sind nur wenige Belege, die mit Pfütze (s.d.) vermischt oder umgedeutet worden sind.
See
Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer heutigen landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s.d.) (Garbenteich).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bitze
Zu ahd. bizûna st. sw. F. ‚eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st. F. ‚Baumgarten‘. Daneben steht die in Südhessen nur noch resthaft bezeugte Variante Betzen M. (N.?), die ahd. bizûni, mhd. bizûne, bîziune st. N. fortsetzt. Vergleichbar den Beunden beziehen sich Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes und Sonderrecht unterliegendes Sonderland. Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein. Unsicher sind nur wenige Belege, die mit Pfütze vermischt oder umgedeutet worden sind.
See
Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s. d.).
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Bitze f.
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Der FlN Bitze geht auf ahd. bizûna st.sw.? f. ,Beizaun, eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st.f. ‚Baumgarten‘ zurück; gleichbedeutendes Betzen m. (n.?) auf ahd. bizûni st.n., mhd. bi-ziune, bi-zûne st.n. (Karg-Gasterstädt/Frings l, 1163f.; Lexer 1, 288, 293). Als Wort bezogen sich also Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes, damit gehegtes und Sonderrechten unterliegendes Sonderland, vergleichbar den Beunden (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15). Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein, da sich im Hessischen als Hauptbedeutung von Bitze ,Baumgarten‘ entwickelte (Vilmar 38f.; Crecelius 168; DWB 2 [II], 58); so auch im Rheinland, wo jedoch das Bedeutungsspektrum von ,Grasgarten, fette Wiese unterhalb des Dorfes‘ über ‚(gutes) Ackerland‘ bis zu ‚schlechtem Boden‘ reicht (RheinWb 1, 729f.; Dittmaier 30 und K. 7b; Westphal l33ff.; Bach 2 § 658). Auch KehreinWb 79 hebt die Bedeutung ,Grasgarten, Wiesenort beim Hause, gewöhnlich mit einem Zaun umgeben; übh. Krautfeld‘ für das Nassauische hervor (vgl. SHessWb 1, 880). Als Wort ist Bitze in Hessen längst untergegangen.
Bitzen gibt es hauptsächlich im Westmitteldt., ohne daß es sich ausschließlich um „ein westmd. Wort“ handelt (Kluge/Mitzka 80), denn der Name ist auch im Oberdt. verbreitet (Buck 29; vgl. SchwäbWb l, 1146f.; Kunze 173-175; Oeller 72).
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Schwierigkeiten gibt es sowohl bei der Abgrenzung der beiden 2 Hauptvarianten Bitze und Betzen gegeneinander wie gegenüber ähnlich lautenden anderen Namen.
l. Da im BT flektiertes und im Stammvokal gesenktes Bitze (> Betzen-) mit der Variante Betzen zusammenfällt, kann bei diesen Namen nicht entschieden werden, welche Variante ursprünglich zugrunde lag. Entschieden wurde in diesen Fällen zugunsten von Bitze, weil Betzen insgesamt in Hessen die seltenere Nebenvariante ist.
2. Das Hauptproblem besteht in der Abgrenzung gegenüber dialektal /peds, pids/ ,Pfütze‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110). Zwar scheint die Minimalunterscheidung im Anlaut zwischen /b/ und /p/ in der Regel hinreichendes Trennungskriterium zu sein: Die Zuordnung wurde deshalb danach entschieden. Aber gelegentlich sind historische Übergänge vom einem Namen zum anderen nachweisbar (z. B. für 5017a2 Biedenkopf MBK vgl. Fuhr; für 5517c7 Lang-Göns GIE vgl. Hofmann = HFB 29, 60), so daß insgesamt eine gewisse Unsicherheit bestehen bleibt, ob nicht eine Reihe Bitzen in das als Wort bis heute gebräuchliche Pitze u.ä. umgedeutet wurden.
3. Ausgesondert wurden Namen wie Betzenloch‚ Betzenkammer u. ä.‚ die sich auf ein Gefängnis beziehen (vgl. SHessWb 1, 754f.) sowie Namen, deren Betzen-BT mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen PN zurückzuführen ist wie z. B. „Betzenrode“. Unberücksichtigt blieben schließlich -el-Formen (z. B. „Betzelgarten“), die wohl, wenn nicht aus einem Besitzernamen entstanden, als Formnamen mit hess. Betzel ‚Mütze, Haube‘ (KehreinWb 74; Vilmar 35; Crecelius 155; SHessWb l, 753) zusammenhängen. Auszusondern ist schließlich der „Betzelbirnbaum“ (6117b1 Pfungstadt DAD), dessen Name sich „auf eine Art Winterbirne“ (Crecelius 155) bezieht.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 11
Seien m. f.; Siegen m.
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Die Namen der oder die Seie(n) (meist der Seien, die Seie) und der Siegen gehören etymologisch und in der Sachbedeutung zusammen. Beide gehen auf germ. *sîhwan zurück, wobei durch grammatischen Wechsel Kluge/Mitzka 699) einerseits ahd. sîhan ,(heraus) seihen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîhen ‚trans. seihen, intrans. tröpfelnd durch etwas sickern, fließen‘ (Lexer 2, 919), andererseits ahd. sîgan, sîgen ‚sinken, wanken, sich neigen, sich niedersenken; herabfließen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîgen (Lexer 2, 916) entstehen. Die daraus gebildeten Substantivierungen mhd. sîhe st.sw.f. und sîgen st. n. ‚das Sinken, das Tröpfeln, Fließen‘ (Lexer 2, 919, 917) beziehen sich in FlN auf eine ‚Vertiefung auf dem Felde, wohin das Regenwasser seinen allmählichen Ablauf nimmt, Vertiefung, tiefere Stelle der Flur überhaupt‘ (Vilmar 383; ähnlich Kehrein Wb 374) und entsprechen deshalb in der Sache nicht immer Seife(n) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 120), wie Dittmaier 287, 29l angibt.
Aus den Angaben bei Kehrein ebd. geht nicht klar hervor, ob Seich f., Seihen m. in Nassau im 19. Jh. noch als Wort bekannt war; Vilmar ebd. hingegen berichtet, daß Siegen im „nördlichen Niederhessen“ noch verstanden, aber als Wort nicht mehr verwendet werde (vgl. Arnold 516). Heute ist hier nur noch vereinzelt ein Siegplatz ‚nasse Stelle im Acker‘ belegt (HNassWb 3, 597; vgl. ebd. 558). Gleicher etymologischer Herkunft und in FlN von Siegen kaum zu trennen ist der, das Siech, Sich, Sech u. ä. bzw. unverschoben nd. Siek, Sik, Sege ‚feuchte Niederung, feuchte sumpfige Stelle‘ (Bach 2 § 309), mnd. sîk (sieck, zyk) m.n. ‚wasserhaltiger Grund, sumpfige Niederung, Tümpel‘ (Lasch/Borchling 3, 230). Schließlich scheint es in hessischen FlN noch eine /(e)l/-Ableitung zu den Hauptvarianten zu geben, so daß auch Namen wie Seiel, Seigel, Segel, Sichel u.ä. hierher gestellt werden.
Durch Monophthongierung und Diphthongierung, durch Spirantisierung des /g/ und verschiedenartige Kontrahierungen entsteht dialektal eine Fülle von Nebenvarianten zu den beiden Hauptvarianten des Namentyps.
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Während die Identifizierung der Hauptvarianten Seie(n) und Siegen ziemlich unproblematisch ist, ist die Ein- und Ausgrenzung der seltener vorkommenden Varianten mit großen Unsicherheiten behaftet, so daß nur eine erste Annäherung an die tatsächliche Verbreitung der Seie(n)-Siegen-Namen in Hessen erfolgen kann, die durch Realproben und historische Belege im einzelnen gesichert werden müßte. Das gilt besonders
l. für die gesamte Gruppe der Namen mit der vermuteten /(e)l/-Ableitung, für die bisher außer durch Kombinationstypen nur gelegentlich eine Sachbestätigung gefunden werden konnte (Henn 1977, 75 für 4925c1 Sontra WMK);
2. für das Vorkommen der Nebenvarianten als BT von FlN, wo zahlreiche Vermengungen mit anderen Namen vorliegen. So sind die Secken-‚ Sicken-Belege aufgenommen, obwohl sie sicher z. T. auf PN (Förstemann 1, 1317ff.), im Einzelfall vielleicht auch auf mnd. segge ,Riedgras‘ (Bach 2 § 323) zurückgehen. Ausgesondert wurden nur die Belege für den „Siegbach“ (links zur Dill) und für die Wüstung „Seckbach“ (in 5219d2 Wittelsberg MBK: 831/850 „Sigibach“; Reuling 1979, 282).
3. Der mehrfach belegte FlN Sechling gehört nicht hierher: ,Gebund, Garbe‘ (Crecelius 785; HNassWb 3, 589).
Unberücksichtigt blieben auch Belege mit genitivischem /-s/ im BT wie Sichels-‚ Siegels-‚ weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen PN oder FamN zurückgehen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 119
Nachnutzung
Rechtehinweise
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Bitze-See: AM BITZENSEE (Münster)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/420036_am-bitzensee> (aufgerufen am 04.11.2026)
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