Anwender-Bette: auf den anwaendersbetten
Beleg
Standard-Flurname
Anwender-Bette
Belegort
Belegtyp
historisch
Quelle
Staatsarchiv Marburg Bestand Kat. I Nr. Bischhausen Kreis Eschwege D 2 · Anzeige im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anwender
Anwender und Anwand gehen zurück auf ahd. anawant, anawanta, mhd. anwande, anwende st. F. ‚Grenze, Grenzstreifen (die Stelle, an der der Pflug wendet)‘ und mhd. anwender st. M. ‚angrenzender Acker‘. So wie sich bei Gewann die ursprüngliche Bedeutung des Wendens auf das zwischen den Wendestellen liegende Feld ausweitete, so erweiterten Anwender und Anwand ihre Geltung ebenfalls auf den angrenzenden Acker. Es handelt sich bei diesen Formen um Substantivbildungen zum Verb ahd. anawenten, mhd. anewenden sw. V. ‚legen an‘. Angewann ist als Kreuzung zwischen Gewann und Anwand/Anwender aufzufassen. Die verschiedenen Sachbezüge auf Pflugwendestellen, besonders die Aspekte des Nachbarrechts, lassen sich aus den FlN nicht mehr eindeutig herauslesen.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anwender
Anwender und Anwand gehen zurück auf ahd. anawant, anawanta, mhd. anwande, anawant, anwende st. F. ‚Grenze, Grenzstreifen (die Stelle, an der der Pflug wendet)‘ und mhd. anwender st. M. ‚angrenzender Acker‘. So wie sich bei Gewann die ursprüngliche Bedeutung des Wendens auf das zwischen den Wendestellen liegende Feld ausweitete, so erweiterten Anwender und Anwand ihre Geltung ebenfalls auf den angrenzenden Acker. Es handelt sich bei all diesen Formen um Substantivbildungen zum Verb ahd. anawenten, mhd. anewenden sw. V. ‚legen an‘. Seit dem 14. Jh. treten in den südhess. FlN mit gleicher Bedeutung noch Angewender und Angewand hinzu, die, wie die häufigen Varianten Angewann und Angewend verdeutlichen, als Kreuzung zwischen Gewann und Anwand/Anwender aufzufassen sind. Die verschiedenen Sachbezüge auf Pflugwendestellen, angrenzende Äcker, aber auch „verschiedene, beieinanderliegende Aspekte des Nachbarrechts bei Überfahrts-, Wege- und Grenzrechten“
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Anwender m.; Anwand f.; Angewann f.
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Von den zahlreichen Wort- und Namensynonymen, die die Pflugwendestelle bezeichnen, werden hier die Haupttypen zusammengenommen, in deren sprachlicher Form die Vorstellung des ‚(Pflug-)Wendens‘ noch enthalten ist und die sich deshalb eng an Gewann/Gewende (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 7) anschließen. Zu den Namenentsprechungen Anthaupt und Vorrat → Hessischer Flurnamenatlas, Karte 9.
Anwender und Anwand gehen zurück auf ahd. anauant, anauuanta f. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 455f.)‚ mhd. anwande, anwant, anwende st.f. ‚Grenze, Grenzstreifen (die Stelle, wo der Pflug wendet)‘, anwender st.m. ‚angrenzender Acker‘ (Lexer 1, 85). So wie sich bei Gewann die Bedeutung auf das zwischen den Wendestellen liegende Feld ausweitete, so erweiterten Anwand/Anwender wie Angewann ihre semantische Geltung auf den angrenzenden Acker, auf dem der Pflug gewendet werden durfte (Vollmann 40; Dittmaier 15). Der vom Wortbildungstyp im Mhd. noch nachvollziehbare Bedeutungsunterschied zwischen anwende f. und anwender m. verwischt sich so aus Sachgründen (vgl. DWB 1 [I], 513f.‚ 518). Der Ursprung von Anwand, aber auch der umgelauteten /e/-Formen (Anwand, Anwender), liegt wohl im oberrheinischen Raum. Die Bezeichnungen verbreiteten sich rheinabwärts im West- und Ostmitteldt. und reichten bis ins Niederdt. (Schmidt-Wiegand 1983, 256f.; HSS K. 7 und Textband 103f.). Sie sind zum „Rechtswort im Sinne eines besonderen Kulturwortschatzes geworden“, weil „dank der semantischen Differenzierungen, die Anwand/Anwende im Laufe seiner Geschichte erfuhr, … sich mit seiner Hilfe verschiedene, beieinanderliegende Aspekte des Nachbarrechts bei Überfahrts-, Wege- und Grenzrechten ausdrücken ließen“ (Schmidt-Wiegand 1983, 259f.; vgl. DRWb l, 774-777; HRG 1, 191f.).
Während Vilmar 15 Anwand und Anwender als synonym beschreibt („Anwender … was anwand, ein Acker auf dessen lange (breite) Seite andere Aecker mit der schmalen Seite (Stirnseite) stoßen.“), hebt Crecelius 37 für Anwand die Eigenschaft ‚Ackergrenze, Rand eines Ackerfeldes‘ hervor. Auch KehreinWb 47 betont die Bedeutungsgleichheit der beiden Wörter, zu denen er auch Ang(e)wann zählt. Das WaldWb 4, 6 gibt für das Waldeckische anewant f. als ‚die beiden Kopfenden des Ackers‘ und anwenger m. als ‚Acker, an welchen mehrere Kopfenden andrer Äcker stoßen‘ an. Synonymie von Anwand, Angewann und Anwender nimmt auch das SHessWb 1, 249, 309 an.
Von den hessischen FlN her können mögliche Unterschiede in den Sachbezügen nicht entschieden werden. Verglichen werden kann hingegen mit den Bezeichnungen für die Pflugwende im Wortgebrauch (H. Christmann; DWA IV ‚Pflugwende‘). Die Verhältnisse, wie sie die Wortatlaskarte zeigt, sind auch in Hessen außerordentlich differenziert. Gliedert man ganz grob, so gilt heute: In Nordhessen herrscht Anewand vor, in Osthessen Anwender. Im mittleren Hessen überwiegt Vorrat, Forrer, das nach Westen zu von einem schmalen Ende-Gebiet abgelöst wird, während Westhessen vom Taunus bis ins Lahn-Dill-Gebiet Gewann haben. In Südhessen herrscht im östlichen Teil Vorende, im westlichen Teil Anthaupt vor.
In den FlN finden sich nur die hier und in →K. 9 wiedergegebenen Namen häufiger wieder. Auf die Wiedergabe seltener oder sehr unsicher zu identifizierender FlN mußte verzichtet werden.
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Es wurden nur die Namen aufgenommen, deren mündliche bzw. amtliche Form mit hinreichender Sicherheit zu einer der drei Hauptvarianten zu stellen sind. Da die Bezeichnungen für die Pflugwende dazu neigen, außerordentlich stark „zersprochen“ zu werden, gibt es vermutlich noch eine Reihe von Belegen, deren Zugehörigkeit zum Typ nicht festgestellt werden konnte.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 8
Bett n.f. / Beet n.f.
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Der in Hessen häufige FlN geht mit seinen beiden Hauptvarianten auf ahd. betti u. ä. st.n. ‚Lager, Bett‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 935ff.), auch ,Beet‘, mhd. bette, bet(t) st.n.‚ auch ,Feld-‚ Gartenbeet‘ (Lexer 1, 242) zurück. Die Wörter Beet und Bett haben also die gleiche Ausgangsform und wurden erst frühnhd. geschieden, wobei Beet wohl aus dem apokopierten mhd. bet entstanden ist (Weigand/Hirt 1, 176f.). „Die schriftsprachliche Scheidung von Beet und Bett scheint aus Mitteldeutschland zu stammen.“ (Kluge/Mitzka 59; vgl. DWB 1 [I], 1245). Daraus ergibt sich die Frage, ob die heutige Verteilung von Bett und Beet in hessischen FlN etwas zur Erhellung dieses (verhältnismäßig unklaren) sprachgeschichtlichen Befunds beitragen kann.
Als Wörter sind Beet und Bett in Hessen mit dem standardsprachlichen Bedeutungsunterschied natürlich allgemein gebräuchlich (SHessWb 1, 646, 738ff.). Als Maßeinheit von ¼ Juchart (DRWb 1, 1364) ist Bett/ Beet in Hessen nicht belegt.
In FlN beziehen sich Beet und Bett gleichermaßen auf ,Acker-, Gartenbeet‘ (Crecelius 154), nach H. Jäger 32f. auch auf Einheiten der Hochäcker. Von der Mitte nach Norden fortschreitend, tritt eine in den Wörterbüchern nicht belegte fem. Genusvariante die bette häufiger auf (ein historischer Beleg dafür E. 14. Jh.: Dittmaier 27). Es gibt jedoch keine sprachlichen und sachlichen Anhaltspunkte, daß diese fem. Form zu dem im nordöstlichen Niedersachsen vorkommenden die Beete ‚sumpfige Weide‘ gehört (Scheuermann 27; Hessmann 193f.).
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1. Abgrenzungsschwierigkeiten gegenüber Bett ,Bett‘ ergeben sich nicht, da Bett in dieser Bedeutung charakteristische Kombinationstypen (Bettzieche u. ä.) aufweist. Nicht berücksichtigt wurden Bett-FlN in der Bedeutung ,Bach-‚ Flußbett‘ (z. B. „Ohmbett“ 5118b4 Ginseldorf MBK), auch nicht die unsicheren Wasserbett, Flutbett.
2. Bei der Beet-Variante kann mhd. bëte ,Abgabe‘ (Lexer 1, 235) insbesondere bei Vorkommen im BT vorliegen. Sichere sprachliche Abgrenzungskriterien gibt es nicht; die Zahl der Zweifelsfälle ist aber gering und betrifft hauptsächlich die wenigen südhessischen Beet-Belege. Batten-(BD)-Namen wurden nicht aufgenommen, da nur ein Belegort (5426d2 Hilders FUL) im osthessischen Gebiet der Senkung /e/ > /a/ liegt.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 49
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Anwender-Bette: auf den anwaendersbetten (Bischhausen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/413884_auf-den-anwaendersbetten> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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