Vogel-Anger: am vogelsanger
Beleg
Standard-Flurname
Vogel-Anger
Belegort
Belegtyp
historisch
Quelle
Staatsarchiv Marburg, Flurbuch, um 1750
Weitere Belege
- Vogel-Anger
- vogelsang
s. (Verweis)
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anger
Anger, ahd. angar, mhd. anger st. M. F. setzt germ. *angra, wohl ‚Grasland‘, voraus. Das Bedeutungsspektrum erweitert sich dann zu ‚mit Buschwerk bestandenes Land, Ackerland, Versammlungsstätte, Marktplatz‘. Vielfach bezog sich die Bezeichnung auf eingefriedetes, haus- und dorfnahes Wiesengelände mit Allmende-Merkmalen. Als Wort nur noch gebräuchlich in Schindanger.
Vogel
Zu ahd. fogal, mhd. vogel st. M. ‚Vogel‘. Die Flurstücke sind nach dem häufigen Vorkommen von Vögeln benannt. Vorherrschend sind Namen, die sich auf die Jagd von Vögeln beziehen, wie etwa Vogelhütte ‚Hütte, in die sich der Vogelfänger verkriecht‘ und vor allem Vogelherd ‚Platz für den Vogelfang‘, mhd. vogelhert st. M. Die große Bedeutung des Vogelfangs im Mittelalter hat bei Vogelherd vermutlich zu einer Umdeutung der ursprünglichen Wortbedeutung geführt, denn im GT -herd steckt wohl ein im Schweizerdt. noch erhaltenes Wort herd ‚Erde, Boden‘. Dies wirft aber auch ein Licht auf den häufigen FlN Vogel(ge)sang, die oft als Bezeichnung für ein durch Abbrennen gerodetes Landstück gedeutet werden und dann zu mhd. sengen sw.V. ‚brennen‘ gehören (Dittmaier), teils aber zu mhd. sanc, gesanc st. M.N. ‚Gesang‘ gestellt werden und dann Orte bezeichneten, an denen viele singende Vögel vorkommen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass auch die Vogelsang-Namen z.T. das Ergebnis etymologischer Umdeutung sind und auf älteres *Vogelsand zurückzuführen sind, das auch als FlN häufiger belegt ist. - Vogelbärbchen ist eine Sagenfigur in Weickartshain.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Anger
Anger, ahd. angar, mhd. anger st. M. F. setzt germ. *angra, wohl ‚Grasland‘, voraus. Das Bedeutungsspektrum erweitert sich dann zu ‚mit Buschwerk bestandenes Land, Ackerland, Versammlungsstätte, Marktplatz‘
Vogel
Zu ahd. fogal, mhd. vogel st. M. ‚Vogel‘. Das Wort kommt nur als BT von Komposita bzw. im Diminutiv Vögelchen, mhd. vogelîn st. N., vor. Die Flurstücke sind nach dem häufigen Vorkommen von Vögeln benannt. Vorherrschend sind Namen, die sich auf die Jagd von Vögeln beziehen, wie etwa Vogelhaus, ahd. fogelhûs, mhd. vogelhûs st. N. ‚Vogelbauer, Käfig‘ und Vogelhütte ‚Hütte, in die sich der Vogelfänger verkriecht‘, Vogelrute ‚Leimrute zum Vogelfang‘, Vogelschneise ‚durch den Wald gehauener Weg für Vogelfänger‘ und vor allem Vogelherd ‚Platz für den Vogelfang‘, mhd. vogelhert st. M. Die große Bedeutung des Vogelfangs im Mittelalter hat bei Vogelherd vermutlich zu einer Umdeutung der ursprünglichen Wortbedeutung geführt, denn im GT -herd steckt wohl ein im Schweizerdt. noch erhaltenes Wort herd ‚Erde, Boden‘. Damit stellt sich das Wort zu Vogelsberg oder Vogelweide, ahd. fogalweide ‚Futterplatz für Vögel‘, mhd. vogelweide st. F. ‚Ort, wo wildes Geflügel zu wieden pflegt‘, die sich auf das Vorkommen von Vögeln beziehen. Dies wirft aber auch ein Licht auf den häufigen FlN Vogelsang bzw. die jüngeren Vogelgesang-Namen, die teils als Bezeichnung für ein durch Abbrennen gerodetes Landstück gedeutet werden und dann zu mhd. sengen sw. V. ‚brennen‘ gehörten
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Anger m.
- 1
Anger geht auf ahd. angar (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 518), 1 mhd. anger st.m. (f.) (Lexer 1, 70) zurück und bezeichnet wohl ursprünglich ,ungepflügtes, wildgrünes Grasland‘ (Kluge/ Mitzka 22; Weigand/Hirt 1, 61), erweiterte dann aber das Bedeutungsspektrum in ‚Grasland, Weideland, auch (Markt) Platz, Richtplatz, Abdeckerei‘ (Bach 2 § 367) und bezog sich vielfach auf eingefriedetes Grasland, meist in Ortsnähe (Vollmann 43; Keinath 99f.; Dittmaier 13), das deshalb zu einer Sonderflur mit Allmende-Merkmalen werden konnte. Anger ist „ein aus der älteren Schicht der Flurverfassung stammendes, haus- und dorfnahes Wiesengelände, das meist aus der Zelgenwirtschaft ausgegliedert bleibt, öfters umzäunt und für Gemeinschaftszwecke benutzt wird. In sekundären Funktionen in den inneren Dorfbereich einbezogen und der inneren Allmende zugeteilt, kann der Anger zum Dorfzentrum werden.“ (Bader 3, 118f.; vgl. DRWb 1, 644).
Anger ist in Hessen nur in Namen erhalten (SHessWb 1, 248). Auch im Oberdt. ist das Wort untergegangen, während im Niederdt. Anger neben dem Dorfplatz heute vornehmlich gemeines Weideland bezeichnet (NSächsWb 1, 356), mnd. anger (Lasch/Borchling 1, 87), in Westfalen dagegen „wahrscheinlich immer nur FlN“ ist (WestfWb 1, 168). In Mittelhessen hat das Merkmal der Ortsnähe, im Unterschied zum nordhessischen Belegraum, anscheinend keinen Einfluß gehabt (Ott 92-94 für 5819b1 Klein-Auheim MKK.
Als Kombinationstyp wird Pfingstanger hervorgehoben, „die gemeinostfälische Bezeichnung … für eine Weidefläche, die bis Pfingsten gehegt, an den Pfingstfeiertagen als Festplatz für bäuerliche Wettkämpfe genutzt und erst dann nacheinander den Pferden, Kühen und anderen Haustieren zum Abweiden freigegeben wurde.“ (Flechsig 1959b, 48f.; für die Pfalz: E. Christmann 1965, 96-112). Vgl. den Kombinationstyp Schindanger (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 47).
- 2
Vermischung mit anderen Namen ist fast völlig auszuschließen; Herleitung von gleichlautendem mhd. anger st.f. ‚Frohne‘ (Lexer 1, 71) kommt höchstens bei „Angerland“ 4825c5 Eltmannshausen WMK in Frage.
Unsicher ist, ob alle Anger-Namen erfaßt sind. Nicht aufgenommen sind die wenigen Enger-Namen, weil es keine sicheren Hinweise darauf gibt, daß Anger in Hessen auch umgelautet vorkommt. Berücksichtigt sind hingegen die Angel-Namen, eine Nebenform mit Dissimilation /r/ > /l/, als Simplex und als GT, soweit der Kombinationstyp dies zuließ (vgl. Wiesenthal = HFB 12, 52 für 5620a2 Glauberg WET; ein historisch belegter Wechsel bei Ramge 1967, 61).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 29
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Vogel-Anger: am vogelsanger (Günsterode)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/334337_am-vogelsanger> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/334337