Stade-Pfuhl: DER STADEPFUHL [dr stoarepoul]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Pfuhl
Zu ahd. pfuol, mhd. phuol st. M. ‚Pfuhl, Sumpf, Suhle‘. Wie nhd. Pfuhl zumeist eine Bezeichnung für Wasserlachen und kleinere stehende Gewässer. In Verbindung mit -acker, -wiese weisen die Namen allgemein auf feuchte Bodenverhältnisse hin. Dabei geht die mundartliche Variante /poul/ auf monophthongiertes /uo/ in mhd. phuol zurück (mit weitergehender Diphthongierung /u:/ > /ou/).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Pfuhl
Zu ahd. pfuol, mhd. phuol st. M. ‚Pfuhl, Sumpf, Suhle‘. Wie nhd. Pfuhl zumeist eine Bezeichnung für Wasserlachen und kleinere stehende Gewässer. Daneben steht in Südhessen auch die Bedeutung ‚Jauche, Jauchetümpel‘. Die FlN sind aber fast immer auf die ursprünglichere Bedeutung bezogen. In Verbindung etwa mit -acker, -wiese weisen die Namen allgemein auf feuchte Bodenverhältnisse hin. Dabei geht die mundartliche Variante Pu(h)l auf monophthongiertes /uo/ in mhd. phuol zurück (mit weiter gehender Senkung zu Po(h)l). Für den Namen in Seeheim wird Herkunft aus einem PN Pühler, Püler vermutet
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Pfuhl m.
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Der Pfuhl, ahd. pful (Graff 3, 332) und pfuol (Weigand/Hirt 2, 417; Kluge/Mitzka 547), mhd. phuol st.m., Pl. phüele; md. phûl (Lexer 1, 268), mnd. pôl, pûl m. (Schiller/Lübben 3, 359) bezeichnet „im eigentlichen Sinne eine größere tiefere Pfütze“ (DWB 13 [VII], 1804). Für den Sprachgebrauch in Hessen stellt v. Pfister 212 fest: „In Niederhessen und südlich des Maines Puel, im Buchenlande Pôl, in den Lahngauen und der Wetterau Poul, gilt der Ausdruck meistens nicht sowol in schriftsprachlicher Bedeutung als ‚Sumpf, Lache, Pfütze‘, sondern eigens für die Jauche vom Viehe, wofür in nördlichem Lande doch mehr Adelsudde herschet.“ Das wird durch die Bedeutungsangaben in den rezenten hessischen Wörterbüchern gestützt (SHessWb 1, 813f.; HNassWb 2, 625; WaldWb (poul) 82), wenngleich heute südlich der Linie Biedenkopf-Staufenberg-Lauterbach-Gersfeld für ‚Jauche‘ Pfudel vorherrscht (HNassWb 3, 861f. und K. 31). In den hessischen FlN geht Pfuhl offensichtlich fast immer auf die ursprüngliche Bedeutung ‚Lache, Pfütze, kleiner Teich‘ (Dittmaier 228; Buck 206) zurück.
Die verschiedenen dialektalen Varianten von Pfuhl gehen aus von mhd. phuol, das teils zu /pu:l/, /po:l/, in Nordhessen stellenweise /pü:l/, monophthongiert wurde, teils in steigenden Diphthong [poul‚ paol] überging. Daneben gab es eine bereits mittelalterliche Nebenform mit kurzem Stammvokal /u/ am Mittelrhein und in der Wetterau (Weigand/ Hirt ebd.), die sich in heutigem mundartlichen /pul/, /pol/ erhalten hat. Außerdem kommt die Dialektvariante /pun/‚ /poin/ vor, deren /n/ entweder als Dissimilation oder aus dem Sg.Dat. zu erklären ist, falls neben dem in der Regel stark flektierten Pfuhl noch eine schwach reflektierte Nebenform anzusetzen ist: dafür sprechen Belege wie /em pi:len/ in 4722a2 Großenritte KSK u. a. (vgl. DWB 13 [VII], 1805). Auch die gelegentlich als FlN vorkommende Form Pudel (vgl. KehreinWb 313) ist vermutlich aus Pfuhl entstanden, indem älterem *pfuel ein /d/ eingeschoben wurde (DWB 13 [VII], 1804; Kluge/Mitzka ebd.; vgl. dagegen Dittmaier 236).
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Identifizierungsschwierigkeiten ergeben sich vor allem bei der Variante /paul/, weil sie z. T. gleichlautend mit dem PN Paul ist. Belege mit /paul/ u. ä. als Simplex und GT wurden deshalb aufgenommen, /paul(s)-/ als BT hingegen nicht.
Im Bereich des Limes kann sich /po:l/ im Einzelfall auch auf den „Pfahlgraben“ beziehen. Vereinzelt scheint auch der Volksname der „Polen“ namengebend gewesen zu sein (z.B. „bei den toten Polen“ 4323a1 Gieselwerder KSK u. a.). Bei /poil/-Formen könnte gelegentlich /boil/ ‚Bühl‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 71) zugrunde liegen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111
Staden m. (n.), Stede f.
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Stad, Staden, ahd. stad st.m. ‚Ufer, Gestade‘ (Schützeichel 181) mit einer Nebenform stado (Graff 6, 643), aus der mhd. stade sw.m. neben regulärem stat st.m.n. (Lexer 2, 1127, 1143) entstand, ist als Wort heute nur im Oberdt. gebräuchlich, war früher auch im Mitteldt. und Niederdt. (mnd. stâde n., Lasch/Borchling 406) verbreitet und ist durch den Einfluß Luthers heute standardsprachlich durch das ursprünglich aus dem Niederdt. stammende Wort Ufer (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 84) ersetzt (DWB 17 [X, II, 1], 415; Kluge/Mitzka 254). Im Hessischen scheint - nach dem Zeugnis der FlN und der vereinzelten Wörterbuchnachweise - das schwach flektierende Staden als Mask. vorgeherrscht zu haben. E. Alberus hat sowohl stad wie staden (DWB ebd.). Vilmar 394 verzeichnet Staden m. als „jetzt schwerlich mehr üblich“; KehreinWb 386 kennzeichnet den Staden als „veraltet“, und das HNassWb 3, 721 nennt Staden m. „vereinzelt für ,Ufer‘“ und ‚Wasser, Bach, Flüßchen‘. Das WaldWb 173 schließlich führt als ausgestorben ein stade von 1741 an. Immerhin zeigen diese spärlichen Belege, daß Staden in Hessen bis weit in die Neuzeit bekannt gewesen sein muß.
Keinerlei Hinweis findet sich auf eine umgelautete Nebenform Stede, die es nach Ausweis zahlreicher FlN aber hier gegeben haben muß. Eine umgelautete fem. Nebenform stedi f. gab es bereits im Ahd. (Braune/Eggers § 216 A.4), wenn auch „in seltenen Belegen“. Diese erscheint anscheinend auch häufiger - jedoch bis zur Unkenntlichkeit mit ahd. stad st.f. ‚Ort, Stätte‘ vermengt - in Siedlungsnamen (Bach 2 § 110 u. ö.; vgl. Arnold 346-351). Das in FlN nördlich der mittelhessischen Namenscheide häufig auftretende Simplex die Stede (/ʃde:de, ʃde:re, ʃdi:de, ʃdi:re/; häufiger auch mit Kurzvokal) und der davon abgeleitete häufige Kombinationstyp Stedenrain u. ä. erlauben keine Zweifel, daß die umgelautete Variante hier verbreitet war, sogar gegen Staden vorherrschte. Einen entsprechenden Sachzusammenhang stellt Henn 1977, 79f. dar. Danz 344 stellt für die Vorkommen im Kreis Eisenach fest, daß die Namen an ‚steil ansteigenden Flurteilen‘ oder einem ‚kleinen Abhang‘ haften. An eine Verbindung mit thüring. Stete f. ‚schmaler Weg zwischen Gärten‘ (Hertel 235) ist wohl nicht zu denken, obwohl ähnliche Bedeutungen für Staden im Rheinischen bekannt sind (RheinWb 8, 491; vgl. Dittmaier 297).
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Die Eingrenzung der Stad(en)-Namen ist unproblematisch. Hingegen ist eine einigermaßen vollständige Erfassung der Stede-Namen unmöglich, weil Stede im Genus und oft auch phonologisch mit Stätte ‚Ort, Stätte‘ zusammenfällt. Das sicherste Unterscheidungskriterium ist die Vokalquantität: Stede hat vorwiegend Langvokal, Stätte, von einigen Gebieten abgesehen, meist Kurzvokal. Um die Minimalmenge der sicheren Stede-Belege herauszufinden, wurden deshalb nur gesicherte fem. Belege mit Langvokal aufgenommen, sofern der Kombinationstyp nicht die Zugehörigkeit zu Stätte nahelegte. Umgekehrt kann aber die Zugehörigkeit zu Stede bei den Kombinationstypen Stederain und Stedebach unbeschadet der Vokallänge als sicher angenommen werden. Annähernd die Hälfte der Stede-verdächtigen Namen fielen so aus. Weitere Nachweise wären über die Realprobe und historische Belege zu erbringen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 85
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Stade-Pfuhl: DER STADEPFUHL (Wehrda)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/313944_der-stadepfuhl> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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