Eller-Meste: Eller-Meste
Weitere Belege
- die ellernmasta
Staatsarchiv Marburg Bestand Kat. I Nr. Emsdorf C 11
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Eller
Eller steht als hessische Variante neben nhd. Erle (Alnus glutinosa) und geht auf ahd. elira ‚Erle‘ zurück.
Meste
Mhd. meste sw. F. ‚ein Fruchtmaß‘, in Hessen gebräuchlich und 25-40 Pfund fassend.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Eller
Eller und Ellen stehen als lokale Varianten neben nhd. Erle (Alnus glutinosa) und gehen auf ahd. elira und elina, mhd. erle sw. F. ‚Erle‘ zurück. Daneben steht Ellert als Kollektivbildung. In Erzhausen liegt eher der FamN Eller vor, in Sickenhofen erfolgte Umdeutung aus Eulensee.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Eller f. / Irre f.
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Die Eller ist zunächst eine Nebenform zum Baumnamen Erle, der aus ahd. erila durch Konsonantenumstellung von älterem elira (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 265, 396f.) entstanden ist und zu heutigem Eller geführt hat (Kluge/Mitzka 172; DWB 3 [III], 416; Dittmaier 64). Als Wort scheint EIler als Bezeichnung für die ‚Erle‘ in Hessen südlich des Mains nicht verbreitet gewesen zu sein, da sich ein Eller-Gebiet erst im westlichen Rheinhessen abzeichnet (SHessWb 2, 252 und K. II 21); nördlich des Mains scheinen Erle und EIler zu konkurrieren (KehreinWb 127).
In hessischen FlN bezeichnet Eller jedoch sehr häufig ,ödliegendes Land‘ und wird von dieser Bedeutung in älteren hessischen Quellen auch als Wort verwendet (vgl. z. B. FrankfWb 3027; Raven 386).
Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß dieses Eller etymologisch von Eller ,Erle‘ abzuleiten ist, wie allgemein angenommen wird, so daß die Verödung mit dem Wurzelausschlag der Erlenbäume (Buck 12l) zusammenhinge. Die Eller-Namen scheinen zwar meist an feuchtem Gelände zu haften, wo Erlenbewuchs möglich war, oder „offene unbebaute Stellen im Wald oder auf ehemaligem Waldboden“ (Braun 1954, 73) zu bezeichnen. Aber in historischen Belegen seit dem 14. Jh. kommt der Name mehrfach als Eldern, Elder vor (Großkopf 1980, 8; Ott 137). Der bisher älteste betrifft 5818c2 Bergen-Enkheim FFM: 1320 „unam elderam dictam hobegarte super fontem dictum Hamersyn“ (Böhmer-Lau 2, 124). Dies stimmt mit dem von Buck 6 genannten Aldern, Altern, Eldern, Eltern, Ellern, Öllern ,Ödung, Wüstland, ungebautes Gelände‘ in Form und Bedeutung überein. Dessen Etymologie ist ungeklärt; das /d/ ist aber sicher nicht sekundär zwischen den Liquiden /l/ und /r/ entstanden, wie dial. aldr ,Erle‘ im Eichsfeld (E. Müller 1966, 68).
Durch die Assimilierung von /-ld/ > /-ll-/ haben sich in Hessen beide Ableitungen vermischt und sind im rezenten Namenbestand formal nicht zu trennen.
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Die Irre als Wort und Name hat sich mit einer Sonderbedeutung aus ahd. erda st.sw.f. (Schützeichel 43), mhd. ërde st.sw.f. ‚Erde, allgem. u. zwar: bebautes u. bewohntes Land‘ (Lexer 1, 620) entwickelt und entspricht deshalb nicht mehr voll der nhd. Bedeutung von Erde. In Südhessen bezeichnet das Wort ‚brachliegendes, auch ungepflegtes Ackerland, auch Wingert oder Waldstück, überhaupt Ödland, das bestenfalls noch als Weide genutzt wird‘ (SHessWb 2, 239). Wort und Name sind dialektal teils als /er/, teils als /ir/ (manchmal auch mit Vokallänge belegt, wobei die /i/-Formen historisch seit dem 16. Jh. häufig belegt sind, die Hebung /e/ > /i/ damit eine lautliche Widerspiegelung der Bedeutungsveränderung darstellt. Ursache muß der amtliche Namengebrauch gewesen sein, da es im Dialekt keine Grundlage für eine Hebung /e/ > /i/ gibt.
Als Wort scheint Irre heute nur noch im Odenwald gebräuchlich zu sein.
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Standardform in Hessen ist /eler/‚ häufig im Plural: /eler(e)n/, wobei die Pluralform in der Endung zu /elen/ verschliffen sein kann. Die letztere Form deckt sich mit Ellen-Namen verschiedenartiger Herkunft (z. B. <mhd. elne ,Elle‘; Lexer 1, 54l), wobei insbesondere die Belege mit Ellen- als BT höchst fraglich sind, während die Simplex- und GT-Belege nach dem Strukturtyp offenbar meist zu Eller gehören. Deshalb wurden nur diese (-)/elen/ berücksichtigt. Von den Eller-Namen wurden natürlich Namen wie Ellervater, Ellermutter, Ellerheite als Bezeichnungen für ,Großeltern‘ (vgl. zu letzterem WaldWb 134) ausgesondert. Auch mögliche Kollektive wie Ellerich, Ellerts u.ä. blieben unberücksichtigt (zu Eller ,Erle‘).
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Es ist schwierig, die Irre-Namen mit der Bedeutung ,Brach-, Ödland‘ von den allgemeinen Erde-Namen zu trennen, weil die Dialektformen gewöhnlich zusammenfallen. Zur Ausgrenzung wurden deshalb die Kombinationstypen herangezogen und alle Namen, die auf die Farbe (z. B. Weißerde, Roterde), die Bodenart (z. B. Leimenerde) o.ä. Bezug nehmen, ausgeschieden. Die verbleibenden Simplex- und GT-Vorkommen gehören alle ziemlich zuverlässig zu Irre.
Bei Irre als BT gibt es jedoch kein sicheres Kriterium, welcher Bedeutungsaspekt namengebend war. Neben Irre und Erde kommt hier auch mhd. irre st.f. ‚Irrtum, Verirrung‘ (Lexer 1, 1451; vgl. Hänse 80) in Betracht, wobei (sich) irren im Hessischen auch ,zanken‘ bedeutet (Vilmar 187). Ob die mehrfach belegten Irrgärten ‚Labyrinthe‘ waren oder nicht, kann ohne nähere Kenntnis der Örtlichkeit nicht entschieden werden. Wegen der hohen Unsicherheit wurden alle Namen mit Irr- als BT ausgeschieden, obwohl darunter sicher auch einige echte Irre-Namen sind, jedenfalls soweit sie in Südhessen liegen. Die kartierten Namen stellen damit nur die einigermaßen sichere Teilmenge der vorkommenden Irren dar.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 33
Satel f. (m./n.) / Meste f. / Metze f.
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Das Wort Satel, ahd. sâtila sw.f. ‚(Getreide-)Maß‘ (Schützeichel 159),mhd. sâtel, sâtele st.m.n. ‚ein bestimmtes Ackermaß‘ (Lexer 2, 613), wird - trotz Bedenken - meist von mlat. satellum, einem Diminutiv zu lat. satum ,Gesätes‘ abgeleitet (DWB 14 [VIII], 1809; Weigand/Hirt 2, 653; Post 119). Alternativ wird eine Ableitung zu dt. Saat erwogen (Müller/Frings 451ff.; Vollmann 41). Als Ackermaß bedeutet es ursprünglich ‚soviel man mit einer Sattel Getreide besäen kann‘ (Kluge/Mitzka 626). Als Wort ist Satel noch heute in hessischen und thüringischen Dialekten lebendig (HNassWb 3, 2f.; Vilmar 338; Crecelius 709; KehreinWb 335; Bech XVIIIf.; ThürWb 5, 368), aber auch im west- und südwestdt. Sprachraum (Post ebd.). Die Größe einer Satel betrug „etwa ¼ Morgen“ (Kehrein ebd.), im Eichsfeld war eine Satel doppelt so breit wie eine Rute und halb so breit wie ein → Gelänge (K. 55) (E. Müller 1966, 62). Im 19. Jh. scheint aber die Vorstellung des Ackermaßes abgelöst zu sein zugunsten der Vorstellung ‚schmale Ackerstreifen, die durch aufgeworfene Furchen voneinander getrennt sind‘ (Vilmar ebd.), so breit wie bei einem Gang die Saat gestreut wird.
Die FlN beziehen sich deshalb entweder auf das den Grundstücken ursprünglich zugrunde liegende Ackermaß (Dittmaier 256) oder auf die Bewirtschaftung in schmalen Ackerstreifen allgemein. In hessischen FlN ist Satel meist fem., hat fast immer Kurzvokal und tritt oft im Plural als Sateln u.ä. auf. Eine umgelautete Nebenform Setel ist belegt.
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Die Meste, mhd. mëste sw.f. (Lexer 1, 2123), gehört etymologisch vermutlich zu messen (Weigand/Hirt 2, 173; so auch Vilmar 269; Crecelius 590; anders DWB 12 [VI], 2134, das Meste von → Mast (K. 37) ableitet). Die Verbreitung des Worts ist auf das Mitteldt. beschränkt; es bezeichnet im Westmitteldt. vorwiegend ein Fruchtmaß von ⅛ Malter, d. h. regional verschieden 25-40 Pfund, im Ostmitteldt. hingegen verschiedene Arten von Behältern (DWB ebd.; ThürWb 4, 617f.), aber auch im Siegerland ein Maßgefäß (SiegWb 170f. mit Abb.; Reichmann Abb. 16). Im Hessischen ist oder war Meste als Fruchtmaß weit verbreitet und reicht südlich bis knapp über den Main (HNassWb 2, 3l7f.; WaldWb 71, 160; SHessWb 4, 643). KehreinWb 278 nennt das Wort als „rheinisch nicht gebräuchlich, wohl aber westerwäldisch“.
In hessischen FlN bezieht sich Meste in der Regel auf die Grundstücksgröße und gibt die Menge Mesten an, die zur Bestellung des Landes an Saatgetreide benötigt werden.
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Die Metze, ahd. mezzo m. (Graff 2, 898), mhd. metze, mezze sw.m. (Lexer 1, 2127), etymologisch ebenfalls mit messen verwandt (Kluge/Mitzka 477), ist - wie Meste - ein Trockenmaß, und zwar ½ Meste oder 1/16 Malter, d. h. auch wieder in regionaler Verschiedenheit 8-20 Pfund umfassend. Das Wort ist im deutschen Sprachraum weit verbreitet; im Oberdt. mask., im Mittel- und Niederdt. meist fem. (DWB 12 [VI], 2152). In Hessen kommt die Metze als Maßeinheit vorwiegend im Nordosten und Osten, aber historisch auch im Waldeckischen und in Südhessen vor (Vilmar 269; HNassWb 2, 318f.; WaldWb 160; SHessWb 4, 645); bei Alberus Metz.
In FlN bezieht sich Metze auf die Grundstücksgröße, für die eine Metze Saat benötigt wird, woraus vereinzelt wohl sogar ein Feldmaß von 4 ar geworden ist (HNassWb ebd.).
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Eine Reihe möglicher Vermengungen macht die sichere Identifizierung vieler Satel-Namen problematisch:
1. Vermengung mit nhd. Sattel m. mag vereinzelt vorliegen und könnte nur durch eine Sachprobe entschieden werden. Doch scheint Sattel nur ganz vereinzelt in hessischen FlN vorzukommen (z. B. „Sattelrück“), so daß hier nur wenige, vom Kombinationstyp her klare Fälle auszusondern waren.
2. Vereinzelt könnte Vermengung mit Sodel f. ,Wassergraben, Quelle, Sumpf‘ vorliegen (→ Sod K. 115).
3. Am unsichersten sind die kontrahierten Belege (/sal‚ sol/ u.ä.), weil diese Formen auch auf Sal ‚Herrenland‘ und Sohl ‚Lache u.ä.‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 116) zurückgehen können. Hier wurde aufgrund der amtlichen Form Sattel o. ä. unter Berücksichtigung des Kombinationstyps entschieden.
- 2B
Von Mist-Namen (dial. gesenkt oft /mesd/) ist Meste als GT leicht durch das fem. Genus zu unterscheiden, als BT durch den Kombinationstyp. Fraglich ist nur „Mestgarten“ in 5120a1 Stadtallendorf MBK. In der Hugenottensiedlung 4918b1 Wiesenfeld WFK wird amtliches Meste mündlich durch /
/ wiedergegeben. - 2C
Wo Metze(n) als BT erscheint, liegt offensichtlich sehr oft der PN oder FamN zugrunde. Deshalb blieben diese recht häufigen, aber diffus gestreuten Belege außer Betracht, und es verblieben nur die wenigen mit Metze als Simplex oder GT gebildeten FlN.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 54
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„Eller-Meste: Eller-Meste (Emsdorf)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/275687_eller-meste> (aufgerufen am 04.11.2026)
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