Leide-Beete: LEITERBEETE
Deutungen
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Bett n.f. / Beet n.f.
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Der in Hessen häufige FlN geht mit seinen beiden Hauptvarianten auf ahd. betti u. ä. st.n. ‚Lager, Bett‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 935ff.), auch ,Beet‘, mhd. bette, bet(t) st.n.‚ auch ,Feld-‚ Gartenbeet‘ (Lexer 1, 242) zurück. Die Wörter Beet und Bett haben also die gleiche Ausgangsform und wurden erst frühnhd. geschieden, wobei Beet wohl aus dem apokopierten mhd. bet entstanden ist (Weigand/Hirt 1, 176f.). „Die schriftsprachliche Scheidung von Beet und Bett scheint aus Mitteldeutschland zu stammen.“ (Kluge/Mitzka 59; vgl. DWB 1 [I], 1245). Daraus ergibt sich die Frage, ob die heutige Verteilung von Bett und Beet in hessischen FlN etwas zur Erhellung dieses (verhältnismäßig unklaren) sprachgeschichtlichen Befunds beitragen kann.
Als Wörter sind Beet und Bett in Hessen mit dem standardsprachlichen Bedeutungsunterschied natürlich allgemein gebräuchlich (SHessWb 1, 646, 738ff.). Als Maßeinheit von ¼ Juchart (DRWb 1, 1364) ist Bett/ Beet in Hessen nicht belegt.
In FlN beziehen sich Beet und Bett gleichermaßen auf ,Acker-, Gartenbeet‘ (Crecelius 154), nach H. Jäger 32f. auch auf Einheiten der Hochäcker. Von der Mitte nach Norden fortschreitend, tritt eine in den Wörterbüchern nicht belegte fem. Genusvariante die bette häufiger auf (ein historischer Beleg dafür E. 14. Jh.: Dittmaier 27). Es gibt jedoch keine sprachlichen und sachlichen Anhaltspunkte, daß diese fem. Form zu dem im nordöstlichen Niedersachsen vorkommenden die Beete ‚sumpfige Weide‘ gehört (Scheuermann 27; Hessmann 193f.).
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1. Abgrenzungsschwierigkeiten gegenüber Bett ,Bett‘ ergeben sich nicht, da Bett in dieser Bedeutung charakteristische Kombinationstypen (Bettzieche u. ä.) aufweist. Nicht berücksichtigt wurden Bett-FlN in der Bedeutung ,Bach-‚ Flußbett‘ (z. B. „Ohmbett“ 5118b4 Ginseldorf MBK), auch nicht die unsicheren Wasserbett, Flutbett.
2. Bei der Beet-Variante kann mhd. bëte ,Abgabe‘ (Lexer 1, 235) insbesondere bei Vorkommen im BT vorliegen. Sichere sprachliche Abgrenzungskriterien gibt es nicht; die Zahl der Zweifelsfälle ist aber gering und betrifft hauptsächlich die wenigen südhessischen Beet-Belege. Batten-(BD)-Namen wurden nicht aufgenommen, da nur ein Belegort (5426d2 Hilders FUL) im osthessischen Gebiet der Senkung /e/ > /a/ liegt.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 49
Leite, Liete f.
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Leite, ahd. lîta sw.f. (Schützeichel 115), mhd. lîte sw.f. (Lexer 1, 1939), mnd. lît f. (Lasch/Borchling 2, 833), bezeichnet als Wort und als Name einen Bergabhang, eine Halde und ist etymologisch mit lehnen verwandt (Weigand/Hirt 2, 52; Kluge/Mitzka 435). „Das Wort hat sich heute noch im bairischen und fränkischen Sprachgebiete erhalten“ (DWB 12 [VI], 728; vgl. Valtavuo 122f.). In Hessen ist das Wort verschwunden (HNassWb 2, 117), war aber bis in den Beginn des 19. Jh.s. „wenigstens noch hier und da“ lebendig (Vilmar 251; vgl. Arnold 34l; Crecelius 555).
Im hessischen Monophthonggebiet lautet die Standardform /li:de/- Liede, manchmal zu /le:de/ gesenkt und beides oft gekürzt: /lid(e), led(e)/. Mitunter weisen die mündlichen Formen von Leite und Liete Rundung zu /loid(e)/ und /lü(:)d(e)/ auf. Sehr verbreitet in allen Varianten ist der Rhotazismus /d/ > /r/.
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Die Identifizierung der Hauptmasse der Namen ist unproblematisch. Vermengungen können im Einzelfall bei einigen Varianten vorliegen:
l. Bei Leit- als BT kann Herleitung von leiten vorliegen. Ausgeschieden wurden Leitgraben u.ä.; unsicher sind Typen wie Leithecke, Leitacker u.ä., die jedoch in der Regel aufgenommen sind. Das betrifft vor allem auch den Wetterauer Einzelbeleg „Leitweide“ in 5818c4 Niederdorfelden MKK.
2. Bei monophthongischen Belegen kann vereinzelt Vermengung mit Lager (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 42) und Lett(en) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 105) vorliegen, bei der /e:/-Variante wohl höchstens am Nordrand mit ostfäl. Legde, Lede, < mnd. lêgede ,liegengelassenes Land‘ (Flechsig 1959 b, 49; Lasch/Borchling 2, 769; DWB 12 [VI], 537).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 86
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Leide-Beete: LEITERBEETE (Stadtallendorf)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/260817_leiterbeete> (aufgerufen am 04.11.2026)
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