Käs-Delle: im Keßen Dalle

Historischer Beleg aus Erlenbach  
Gemeinde
Fürth
Landkreis
Bergstraße
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Käs-Delle

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1488

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 69/1.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Delle

Zu spätmhd. telle ‚Schlucht‘, frühnhd. dälle, delle ‚(leichte) Vertiefung, Bodensenke, Tal‘. Die FlN verweisen vor allem auf kleine, flache Bodensenken, Talmulden, auch auf Hohlwege und feuchte, teilweise sumpfige Mulden in Acker und Wiese. - In Bettenhausen hat eine Umdeutung aus *Dinen- stattgefunden. Der BT geht dann vermutlich auf den FrauenN Dina, Dine zurück, einer Kurzform zu Christine u.ä., der im Raum zu dieser Zeit mehrfach historisch belegt ist.

Käs

An eine Herleitung von gallorom. *casinus ‚Eiche‘ aus lat. casanus ist im Untersuchungsgebiet nicht zu denken. Vielmehr liegt nach den Kombinationstypen in der Regel ahd. kâsi, mhd. kaese ‚Käse‘ zu Grunde. Benennungsmotiv war dann vermutlich eine Käseabgabe, die auf den Grundstücken lastete oder -bildlich- eine käseartig schmierige Bodenbeschaffenheit. - Der Kässtein in Leihgestern ist eher nach der Form eines Käselaibes benannt. Darauf verweisen vor allem die frühen Belege. Durch den Umlaut des Stammvokals sind die Belege in späterer Zeit unter den Einfluss von mhd. kæse st. M. ‚Käse‘ geraten, was vielfach zu Umdeutungen geführt hat.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Delle

Zu spätmhd. telle ‚Schlucht‘, fnhd. dälle, delle ‚(leichte) Vertiefung, Bodensenke, Tal‘. In Südhessen gilt daneben auch die Bedeutung ‚Senke, in der sich Wasser sammelt, nasse Stelle im Acker, in der Wiese und im Wald‘. Die FlN verweisen vor allem auf kleine, flache Bodensenken, Talmulden, auch auf Hohlwege und feuchte, teilweise sumpfige Mulden in Acker und Wiese. Als dialektale Standardformen erscheinen Dell(e) und mit Rundung des Stammvokals Döll(e). Tellig ist eine Adjektivableitung zum Substantiv Delle, für die eine Bedeutung ‚mit Dellen versehen, voll von Dellen‘ anzusetzen ist.

Käs

Einige Namen gehen auf gallorom. *cassinus ‚Eiche‘ aus lat. casanus zurück. Darauf verweisen vor allem die frühen Belege aus Lorsch, die mit dem GT -au gebildet sind. Hier ist der Name auch als SN beim Seehof bezeugt, aber auch die anderen Kessen-Formen gehören hierher1. Durch den Umlaut des Stammvokals sind die Belege in späterer Zeit unter den Einfluss von mhd. kæse st. M. ‚Käse‘ geraten, was vielfach zu Umdeutungen geführt hat. In den eher seltenen Fällen, wo der Name auch ursprünglich zu ahd. kâsi, mhd. kæse st. M. gehört, ist an Abgaben zu denken, die in Form von Käse entrichtet werden mussten. Danach, wenn nicht auf einem BesitzerN beruhend, können die Käsemühlen in Bieber und Mühlheim am Main benannt sein.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Delle f.

1

Aus germ. *daljô (²DWB 2, 612), mhd. telle sw.f. ,Schlucht‘ (Lexer 2, 1418), frühnhd. dälle, dell(e) mit der allgemeinen Bedeutung ,(leichte) Vertiefung, Bodensenke im Gelände, Tal‘ (²DWB ebd.; Weigand/Hirt 2, 1036; Kluge/Mitzka 126) sind die hessischen Delle-FlN abzuleiten.

Als Wort ist Delle in Hessen sehr geläufig. Die Grundbedeutung variiert dabei zwischen ‚kleine Vertiefung, kleines Tal, talartig tiefliegender Teil einer Gemarkung, flache Senke‘ (Crecelius 245; KehreinWb 109; Vilmar 69; SHessWb 1, 1331; WaldWb 18). In Südhessen ergibt sich noch die spezielle Bedeutung ‚Senke, in der sich Wasser sammelt, nasse Stelle im Acker, in der Wiese und im Wald‘ (SHessWb ebd.).

Auch außerhalb Hessens ist das mitteldeutsche Wort Delle häufig belegt: Im Rheinland z. B. als ‚kleine Mulde in Acker und Wiese, etwas sumpfig‘ (RheinWb 1, 1226).

Im Hessischen ist Delle „sehr häufig Eigenname von Feldplätzen“ (Vilmar ebd.; vgl. KehreinNb 397ff.). Der Name verweist dabei sowohl auf ‚flache, kleine Bodensenken, Talmulden‘ als auch auf ‚Hohlwege‘ und ‚teilweise sumpfige, kleine Mulden in Acker und Wiese‘ (SHessWb ebd.; Dittmaier 49; vgl. Knöpp 20; E. Christmann 1965, 250; Zink 139f.).

2

Die wenigen /da:l/-Formen wurden nicht aufgenommen, da sie wahrscheinlich zu Tal gehören. Im Osthessischen, in dem mhd. /ë/ zu offenem /a/ gesenkt wird, tritt keine Dehnung zu /a:/ ein, so daß auch hier die Delle-Formen sicher zu erkennen sind.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 90

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Käs-Delle: im Keßen Dalle (Erlenbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/195000_im-kessen-dalle> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/195000