Pferd-Schind: Zwischen ...und dem perdschinder
Beleg
Standard-Flurname
Pferd-Schind
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1576
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 157/1.
Weitere Belege
- 1576: der pferds Schiener gnat [Acker]
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 157/1., fol. 89 - 1576: im perdschinder [Acker]
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 157/1., fol. 83
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch
Pferd
Zu ahd. pfarifrit, mhd. pherfrit, phert st. N. ‚Pferd‘, einer Entlehnung aus mittellat. paraveredus ‚Beipferd zum Postpferd‘. In FlN meist in Verbindung mit Plätzen, die als Pferdeweide benutzt wurden. Es ist erstaunlich, wie häufig der Name seit der frühen Neuzeit belegt vorkommt, da der Untersuchungsraum zum Gaul-Gebiet gehört (s.d.).
Schind
Den Namen liegt das starke Verb schinden, ahd. skinten, skinden, mhd. schinden, schinten ‚enthäuten, schälen‘ bzw. die davon abgeleitete Tätigkeitsbezeichnung Schinder ‚Abdecker‘, mhd. schinder st. M. ‚Rindenschäler, Schlächter; Straßenräuber‘ zu Grunde. Der bei weitem vorherrschende Sachbezug in mittelhess. FlN ist die Abdeckerei, sind besonders die Orte, wo das tote Vieh bearbeitet und die Tierreste und Kadaver vergraben wurden. Ein Bezug zur Tätigkeit des Rindenschälens ist nirgends nachweisbar. Sprachlich weisen viele Schind-Namen Assimilation /nd/ > /n/ auf. - Der FlN Schind(e)gaul bezieht sich auf schwer zu bearbeitende Landstücke, auf denen das Pferd ‚geschunden‘ werden musste. Das namengebende Motiv für Schindbock ist unklar; es sei denn, es handle sich um eine Kürzung von Schindelbock ‚Holzgestell zum Zuschneiden der Schindel‘.
Südhessisches Flurnamenbuch
Pferd
Zu ahd. pfarifrit, mhd. pherfrit, phert st. N. ‚Pferd‘, einer Entlehnung aus mittellat. paraveredus ‚Beipferd zum Postpferd‘. In FlN meist in Verbindung mit Plätzen, die als Pferdeweide benutzt wurden, gelegentlich auch, wie in Lorsch, mit Häusern, die an solche Orte angrenzen. In Lindenfels liegt Umdeutung aus dem FamN Faut, Vogt vor. Die mündlichen Formen (Füllen in Groß-Rohrheim, Gaul in Mörlenbach und Weiher) zeigen, wie ungebräuchlich Pferd in der Mundart gegenüber Gaul (s. d.) ist.
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Pferd-Schind: Zwischen ...und dem perdschinder (Reimenrod)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/155863_zwischen-und-dem-perdschinder> (aufgerufen am 29.11.2025)
Kurzform der URL für Druckwerke
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