Biege-Wiese: die Biegen wiesse

Historischer Beleg aus Nieder-Ofleiden  
Gemeinde
Homberg (Ohm)
Landkreis
Vogelsbergkreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Biege-Wiese

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1587

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 178/3.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Biege

Im FlN sind zwei historische Sprachvarianten zusammengeflossen mhd. biege st. F. ‚Beugung, Neigung‘ und das nur als sw. M. bezeugte ahd. biogo ‚Biegung, Krümmung, Bogen‘. Die Substantive sind vom Verb ahd. biogan, mhd. biegen st.V. ‚biegen, beugen, krümmen‘ abgeleitet. Die Namen benennen meist Flurstücke an Gewässerkrümmungen; gelegentlich aber auch an Weg- oder Geländekrümmungen. Der Name erscheint oft stark kontrahiert als /bi:(n)/, so dass Vermengungen mit Bien (s.d.) u.a. nicht ausgeschlossen ist: Die Bienhecke in Ettingshausen beispielsweise liegt über der Krümmung des Äschersbachs an der Kolbenmühle.

Wiese

Zu ahd. wisa, mhd. wise sw. st. F. ‚Wiese‘. In FlN zeigt sich die allgemeine Bedeutung ‚zu mähende (kultivierte) Grünfläche‘.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Wiese

Zu ahd. wisa, mhd. wise sw. st. F. ‚Wiese‘. In FlN zeigt sich die allgemeine Bedeutung ‚zu mähende (kultivierte) Grünlandfläche‘. Neben das Simplex und die zahlreichen Komposita treten die Diminutivformen Wieschen, Wießgen und Wiesel. Die zusammengehörigen Belege aus Auerbach und Bensheim zeigen einen zersprochenen Namen, dessen Zugehörigkeit zu Wiese im BT unsicher ist. Den ältesten Belegen aus Rüsselsheim liegt ein FamN Wiese zu Grunde.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Biegen m.n.f.

1

Im FlN Biegen haben sich zwei historische Sprachvarianten vermengt: Die erst mhd. belegten femininen Formen biege st.f. ‚Beugung, Neigung‘ (Lexer 1, 266; DWB 1 [1], 1814) und biuge st.f. ,Krümme, Biegung‘ (Lexer 1, 288) und die maskuline Form ahd. biogo, sw.m. ‚Biegung, Krümmung‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1080). Alle Substantive sind von biegen abgeleitet.

Als Wort ist Biegen in Hessen unbekannt (Vilmar 35), außer als Biege f. ‚kurze Strebe im Fachwerk‘ und ,Knie-biege‘ (SHessWb 1, 827). Für ,Biegung‘ gilt dialektal Krümme (SHessWb 1, 828; 2, 1875), vereinzelt Beuge f. (SHessWb 1, 755; vgl. SchwäbWb 1, 979).

Als FlN ist Biegen „der sehr häufig vorkommende Eigenname von Flurstücken, namentlich von Wiesen, welche an der Krümmung eines Flußes belegen sind“ (Vilmar 35; so auch Crecelius 159; Knöpp l8). Namengebend kann aber auch die Krümmung eines Weges, eines Rains o. ä. sein (Buck 25; Vollmann 56; Dittmaier 27), so in 5323a4 Üllershausen VBK (Hotz = HFB 1, 41) eine „starke Straßenkrümmung“. Der FlN tritt in den drei Genera auf.

2

Die Identifizierung der Biegen-Namen bereitet bei einigen wenigen Grenzfällen der Vermischung mit Bicke ,Bach‘ in Waldeck Schwierigkeiten: gekürzte Formen /bi:/, /be:/ fallen formal mit den gekürzten Formen von Beune (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15) zusammen; Biegen kann vereinzelt in Bück u. ä. verborgen sein (so in 5620b2 Dudenrod WET, vgl. Corvinus = HFB 22, 43).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 97

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Biege-Wiese: die Biegen wiesse (Nieder-Ofleiden)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/145247_die-biegen-wiesse> (aufgerufen am 04.11.2026)

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