Binse-Berg: Am Benzeberg
Beleg
Standard-Flurname
Binse-Berg
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
19. Jahrhundert
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, O 61, Buxbaum. Konv. 1. · Anzeige im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Berg
Zu ahd. berg, mhd. berc st. M. Als Simplex steht Berg für markante Bodenerhebungen in der Gemeinde. Im Übrigen können sehr unterschiedliche Höhen mit Berg benannt werden.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Berg
Zu ahd. berg, mhd. berc st. M. Als Simplex steht Berg für eine markante Bodenerhebung in der Gemeinde oder gelegentlich auch spezieller für einen Weinberg.
Binse
Zu ahd. binuz st. M., mhd binez, binz st. M. sw. F. ‚Binse‘ (Juncus, Scirpus). Die Pflanzenbezeichnung ist aus dem Plural der historischen Formen gebildet. Die Variante Bense, Benz entsteht dabei durch Senkung des Stammvokals /i/ /e/. Ob die Binsen-, Binselberge hierher gehören, ist unsicher. Der Name Binselberg in Radheim und Raibach müsste dann eine Diminutivform sein, oder er gehört zum PN Benzilo.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Binse f. / Rausch m.; Risch m.
- 1A
Die Binse, ahd. binuz, st.m. ‚Binse‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1074), mhd. bineʒ, binʒ st.m. sw.f. (Lexer 1, 279) als Pflanzenname ist aus dem Plural der ahd. mhd. Formen gebildet (Kluge/Mitzka 78) und bezieht sich in FlN auf diesen Pflanzenbewuchs (Dittmaier 29).
In Hessen ist Binse mundartlich offenbar nur in Südhessen gebräuchlich (SHessWb 1, 857), ist dort meist gesenkt und zu /e:/ gedehnt. In FlN tritt häufiger als Kollektivum Binsich, Bensich auf.
- 1B
Der Rausch, auch Rauschen, kann nur mit Bedenken als Synonym für Binse hinzugenommen werden. Denn einmal werden mit Rausch sehr verschiedene Pflanzen bezeichnet (‚Binse, Mäusedorn, Brüsch, Preiselbeerstaude‘: Kluge/Mitzka 587; vgl. DWB l4 [VIII], 305); zum anderen ist eine sichere Trennung von Wörtern und Namen, die mit nhd. rauschen zusammenhängen wie z.B. die Rausche ,Zitterpappel‘ (DWB ebd.; vgl. Dittmaier 241) nicht möglich. So leitet auch KehreinNb 525 nassauische FlN Rauschen, Reuschen als ,dichtstehendes Buchengebüsch, von dem rauschenden Laub‘ ab (und verweist alternativ auf Rusch ,Rüster‘; vgl. HNassWb 2, 791). Nach Struktur und Verbreitung scheinen sich die meisten einschlägigen hessischen FlN aber auf Binsenvorkommen zu beziehen. Der Name geht dann auf mhd. rusch, rusche sw.f. ,Binse, Brüsch‘ (Lexer 2, 555) zurück, dem ein mnd. risch, risk (Schiller/Lübben 3, 487f.) entspricht. Letzteres ist in Waldeck als Risch und Riske noch sprachüblich (WaldWb 85; Vilmar 328; HNassWb 2, 873; DWB l4 [VIII], 1041), während Rusch, Rausch o.ä. als Wort in Hessen nicht nachzuweisen ist. Die diphthongierten Formen Rausch(en)‚ Räusch(en) sind vermutlich durch umdeutende Anlehnung an rauschen entstanden. Im Vogelsberg tritt der Name mehrfach als Bergname auf, so daß ein Zusammenhang mit (Stein-) Rausch nicht auszuschließen ist (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 98; vgl. Dittmaier 24l, 300ff.). Die gerundeten Rüschen-FlN könnten im Einzelfall zu dial. resch ,rauh, steil‘ gehören (Vilmar 324f., 327f.).
- 2B
Bei Rausch(en)- als BT ist nicht entscheidbar, ob der Name 2B sich von nhd. rauschen herleitet, was offensichtlich vielfach der Fall ist (z. B. Rauschenbach), oder nicht. Um den sicheren Mindestbestand von Rausch, Risch ,Binse‘ einzugrenzen, wurden nur Simplex- und GT-Belege berücksichtigt, obwohl auch die BT-Belege der monophthongischen Formen mit Sicherheit zugehörig sind.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 127
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Binse-Berg: Am Benzeberg (Groß-Gumpen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/136958_am-benzeberg> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/136958