Burg Eppstein

Die Lage von Eppstein, Burg im Orthofoto
Basisdaten
Die hoch über der Stadt thronende Burgruine war einst der Stammsitz der mächtigen Herren von Eppstein. Sie hielten Stadt und Burg zum Teil als Reichslehen, zur anderen Hälfte als Lehen des Kurfürstentums Mainz. Erwähnt wurde die Anlage, die mehrfach befestigt und ausgebaut wurde, erstmals 1122. Nach der Aufteilung des Hauses Eppstein in zwei Linien in 1433 blieb die Burg Residenz der älteren Eppstein-Münzenberger Familie. Sie verkauften einen Burgteil an die Landgrafen von Hessen, während die andere Hälfte im Besitz der Kurfürsten von Mainz blieb. 1803 fiel die Anlage an das Herzogtum Nassau, wurde an privat verkauft und zum Teil abgebrochen. Erst durch die Burgenbegeisterung der Romantik im 19. Jahrhunderts blieben die Ruinen erhalten.
Historische Namensformen
- Ebbensten, de (1122) (Mainzer Urkundenbuch 1, S. 498)
- castrum Epenstein (1124) [Nassauisches Urkundenbuch 1,1, S. 101, Nr. 172, Digitalisat]
- Ebbenstein (1137) [Mainzer Urkundenbuch 1, S. 536-537, Nr. 616]
- castrum Eppenstein (1204) [Nassauisches Urkundenbuch 1,2, S. 225-226, Nr. 309, Digitalisat]
- Burgfrieden zu Eppstein (1433) [Zitat nach Archivregest HHStAW, 331, I a 1]
Ortstyp
Burg
Lagebezug
7 km nordöstlich von Hofheim am Taunus
Lage
Auf einem Bergsporn in der Stadt Eppstein im südlichen Taunus am Zusammenfluss mehrerer Bäche
Geschichte
Burggeschichte
Knappe (S.474) erläutert, dass die Burg vermutlich schon um 926 durch den Gaugrafen Eberhard II. aus dem Geschlecht der Konradiner errichtet wurde. Erstmals wurde die Burg Eppstein 1122 erwähnt, war Reichsbesitz und wurde zur Hälfte durch Kaiser Heinrich V. 1124 dem Erzbistum Mainz geschenkt. Seit dem späten 12. Jh. verwalteten sie die Grafen von Hainhausen für den Erzbischof und hielten die andere Hälfte als Reichslehen. Das Grafengeschlecht nannte sich fortan nach der Burg von Eppstein und waren als mainzische Lehnsnehmer Burgherrn. Bis zur Teilung des Hauses Eppstein 1433 blieb die Burg der Stammsitz. Die Befestigung lag direkt an der Kreuzung zweier Verkehrswege im Vortaunus und sicherte so den Einfluss der Familie.
Nach ihrer Aufteilung bezog eine Linie als Residenz Burg Königstein, während die Eppstein-Münzenberger weiterhin auf Burg Eppsteinblieben. 1492 verkaufte Gottfried (IX.) von Eppstein die Westhälfte der Burg an den hessischen Landgrafen Wilhelm II., sodass der Linie Eppstein-Münzenberg nur die Osthälfte als mainzisches Lehen sowie der Gemeinschaftsbereich (Bergfried, die zwei Brunnen, Kapelle, Innenhof sowie die beiden Aufgänge der Burg) verblieben. Die Burg wurde Amtssitz der Herrschaft Eppstein.
Nach einem schweren Brand um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurden Gebäude in der Kernburg erneuert. 1507 trat Eppstein-Münzenberg seine Osthälfte an Eppstein-Königstein ab. 1535 erlosch mit dem Tod Eberhards IV. das Haus Eppstein (1522 war mit Gottfried bereits die Linie Eppstein-Königstein ausgestorben). Die Osthälfte kam als Erbe an die Grafen von Stolberg. Nach dem Tod des hessischen Landgrafen Philipp (1567) und der Vierteilung der Landgrafschaft fiel der hessische Westteil an Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg. 1581 besetzten kurmainzische Truppen die Osthälfte der Burg wegen Streitigkeiten der Stolberger Erbschaft. Kurmainz zog die Burghälfte als heimgefallenes Lehen ein.
Im Dreißigjährigen Krieg erfolgten zahlreiche Besitzwechsel der Burg. 1620 zwangen kaiserliche Truppen die in protestantischen Diensten stehenden Verteidigungstruppen nach zweitägiger Belagerung zur Aufgabe. Dem auf katholischer Seite stehenden Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt wurde vom Reichshofrat der hessische Anteil zugesprochen. Die Osthälfte wurde wieder von kurmainzischen Beamten besetzt, nachdem diese bei Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges vertrieben worden waren. 1631 wurde die Burg von schwedischen Truppen besetzt und den Grafen von Stolberg übergeben. 1635 erfolgte die Rückeroberung durch kaiserliche Truppen, 1640 eine erneute Eroberung der Burg durch protestantische Truppen und die baldige Rückeroberung durch Kurmainz. 1648 wurde die Anlage von französischen Truppen besetzt. Im Westfälischen Frieden (1648) wurde die Osthälfte der Burg Kurmainz und die Westhälfte der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zugesprochen. Die hessen- darmstädtische Burghälfte war im 17. Jahrhundert zumeist verpfändet. Fortan blieb die Burg bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im geteilten Besitz von Hessen und Kurmainz.
1803 fiel dir Burg an Nassau-Usingen (seit 1806 Herzogtum Nassau) und war während der französischen Revolutionskriege zeitweise Sitz des preußischen Generalstabs (1794/95), später französisches Lazarett (1796 und 1813 während der Befreiungskriege). 1819/23 ging die Burganlage in privaten Besitz über. Lediglich die katholische Kirche und der Nachbarbau blieben in nassauischer Staatsbesitz und fielen 1866 an Preußen.
1869 erwarb Fürst Otto von Stolberg-Wernigerode die ruinöse Burg, 1929 ging sie an die Gemeinde Eppstein.
Funktion
Stammsitz der Herren von Eppstein. Unter Kurmainz (seit 1581) Kellerei und (Amtsvogtei); unter den Landgrafen von Hessen seit 1492 zeitweise Amtssitz und Kellerei der Herrschaft Eppstein.
Bau und Baugeschichte
Baugeschichte
Vermutliche Errichtung im 11. Jahrhundert; nach dem Brand Mitte des 14. Jahrhunderts Wiederaufbau der Burg, jedoch nicht mehr im romanischen, sondern im gotischen Stil; Abbruch des alten quadratischen Bergfriedes, Neubau eines höheren rund geformten Turmes; Palas nun mit vier steinernen Stockwerken mit einem Zugang zum Bergfried; im 14./15. Jahrhundert neue Gebäude in der Kernburg, wie das dreigeschossige Kelterhaus in der Osthälfte; umfangreiche Baumaßnahmen in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts: Bau der nördlichen Zwinger mit Türmen und Errichtung des Westtores; um 1492-1509 Errichtung des landgräflichen Küchenbaus im Innenhof der Kernburg; 1535 und 1577 Zerstörung der gemeinschaftlichen Kapelle durch die Stolberger; neues Tor (1601-1604) durch Kurmainz , das den Innenhof vom sog. "Mainzer Hof", der östlichen Kernburg; Errichtung des Südzwingers durch Landgraf Moritz.
Nach 1803 (Besitz des Hauses Nassau) Abbruch der westlichen Burghälfte, weiterer Zerfall im 19. Jahrhundert. Seit 1960 Sicherungsarbeiten durch die Gemeinde.
Baubeschreibung
Von der ältesten Burganlage sind nur wenige Reste vorhanden. Auch der Bergfried aus dem 14./15. Jahrhundert steht auf Mauern eines älteren Turme. Er ist rund 25 m hoch und hat einen Durchmesser von 7 Metern. Die Kernburg hat insgesamt eine unregelmäßig rechteckige Form und lässt sich in eine West- und Osthälfte gliedern. Die verschiedenen Besitzer der Anlage bauten ihre Teile unterschiedlich aus. Im Westen der Kernburg liegt der viergeschossige Palas (16 x 12 m), im südlichen Innenhof die Burgkapelle. Im Osten befindet sich der ehemals mainzische Teil der Burg, ebenfalls mit einem Innenhof. Das Burgzentrum ist im Süden, Westen und Norden durch zahlreiche Zwinger unterschiedlicher Größe umschlossen, die Ostseite durch einen 12-15 m breiten Halsgraben gesichert (12./13. Jh.).
Denkmaltopographie
Burgtyp
Bautyp
Ringmauerburg
Rechtstyp
Stammsitz
Funktionstyp
Adelssitz; Amtssitz
Nachweise
Literatur
- Schäfer, Herren von Eppstein
- Knappe, Burgen in Hessen, S. 474-476
- Bethke, Main-Taunus-Land, S. 47-53
- Picard, Art. Eppstein, in: Höfe und Residenzen 15. 4, 1, S. 384-386
- Picard, Eppstein im Taunus
- Sante, Historische Stätten Hessen (1967), S. 108-110
- Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen II S. 218-219
- Michael Nitz u. a., Main-Taunus-Kreis (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland; Kulturdenkmäler in Hessen), Wiesbaden 2003), S. 118-120, 133-135.
- Ferdinand Luthmer, Die Bau- und Kunstdenkmäler des östlichen Taunus (Die Bau- und kunstdenkmäler des Regierungsbezorks Wiesbaden Band II), Frankfurt am Main 1905, S. 127-130
- Thomas Biller, Burgen im Taunus und im Rheingau. Ein Führer zu Geschichte und Architektur, Regensburg 2008, S. 141-144.
- Christian Ottersbach, Frankfurt & Rhein-Main. Burgen und Schlösser in und um Aschaffenburg, Darmstsdt, Mainz, Taunus und Wetterau (Burgen - Schlösser - Herrensitze Band 4), Petersberg 2010, S. 106 f.
- Ingrid Krupp, Burgen und Schlösser in Hessen-Nassau, Würzburg 1987, S. 263-272.
- Bertold Picard, Burg Eppstein im Taunus, Eppstein 1986².
- Franz Burkhard, Burgruine Eppstein im Taunus, in: Der Burgwart 6 (1904/05), S. 57-61, 69 f.
- Bertold Picard in Fundberichte aus Hessen 41/1 (2001), S. 368.
- Bertold Picard in Fundberichte aus Hessen 31/2 (1991), S. 430.
GND-Nummer
EBIDAT
Siehe auch
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Orte
Personen
Quellen und Materialien
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Burg Eppstein“, in: Burgen, Schlösser, Herrenhäuser <https://lagis.hessen.de/de/orte/burgen-schloesser-herrenhaeuser/alle-eintraege/14755_burg-eppstein> (aufgerufen am 30.10.2026)
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