Beerfelden · Pfarrkirche

Erbach, Schloss. Blick in die Einhard-Kapelle mit dem Beerfeldener Fenster. Aquatinta. Georg L. Kress von Kressenstein, 1832.
Katalogdaten
Gegenwärtiger Bestand
In der Ostwand des nach Westen ausgerichteten klassizistischen Kirchenbaues befindet sich im mittleren Fenster der oberen Fensterreihe (OST I) eine zwölf Felder umfassende Darstellung der Kreuzigung Christi aus dem frühen 16. Jahrhundert (Textabb. 30, Fig. 7, Abb. 9–11), die zur Ausstattung der im Jahr 1810 abgebrannten mittelalterlichen Pfarrkirche von Beerfelden gehört hatte, aber schon 1804 – zusammen mit zwei Wappenscheiben – in den Besitz der Grafen zu Erbach-Erbach gelangt war. Während die Kreuzigungsdarstellung im Jahr 1848 nach Beerfelden zurückgegeben worden ist und mit ihrer neugotischen Rahmung den auffälligsten Schmuck der um 1899/1900 mit einer Ornamentverglasung aus der Heidelberger Glasmalerei-Anstalt Heinrich Beiler versehenen Kirche bildet1, waren die Wappenscheiben nachweislich in gräflichem Besitz verblieben. Aus überlieferungsgeschichtlichen Gründen sind sie mit jenen beiden Rundscheiben im Fenster III des Rittersaals im Erbacher Schloss zu identifizieren (Abb. 7f.), die bislang in die Stadtkirche Michelstadt lokalisiert worden sind. Als abgewanderte Scheiben werden sie hier im Anhang behandelt (S. 87f.).
Bibliographie
Kat. Erbach 21812, S. 45 (beiläufige Erwähnung eines Fensters aus dem Chor der Kirche zu Beerfelden in der »Eginhards-Capelle« des Erbacher Schlosses); Jäger (1824), S. 9, 18 (vor dem Brand der Kirche zu Beerfelden seien »mehrere Glasmalereyen […] nach Erbach gebracht« worden; datiert das Fenster aus Beerfelden »in die Zeiten Kaiser Adolphs«); Odenwälder Zustände. Unparteiische Darstellung der neuesten Vorfälle in dem Odenwalde und ihrer Ursachen, Darmstadt 1848, S. 28–31 (zeitgenössische Schilderung der »Fenster-Unruhen« im Kirchspiel Beerfelden nach dem – von der Bevölkerung für unrechtmäßig angesehenen – Ausbau des Fensters aus der Pfarrkirche); Lotz 1863, S. 49 (Erwähnung); Schäfer 1891, S. 6, 8, Fig. 1 (kurze Zusammenfassung der Geschichte des Kreuzigungsfensters; Beschreibung mit Angaben zu Erhaltung und Farbigkeit); Diehl 1915 (ausführliche Schilderung des von 1804 bis 1821 andauernden Rechtsstreites um das Kreuzigungsfenster); Morneweg, Graf Franz zu Erbach, 1924, S. 53, 71 (beiläufige Erwähnung); Diehl 1935, S. 64f., 66 (summarischer Überblick über alle an den Fenstern der 1810 abgebrannten, 1812–1820 neu erbauten Pfarrkirche getroffenen Maßnahmen); Hotz 1953, S. 123, Anm. 79 (»Anklänge an den ›Hausbuchmeister‹-Stil«); Wentzel 21954, S. 71 (rechnet die »Kreuzgruppe« zum erweiterten Kreis der in Stil und Technik von Peter Hemmel von Andlau geprägten mittelrheinischen Werke); Wilhelm Berger, Beerfelden. Die Stadt am Berge. Aus 1000jähriger Geschichte, (Beerfelden) 1958, S. 22 (bezeichnet das Kreuzigungsfenster – ohne jeglichen Nachweis – als Stiftung der »frommen Wallfahrerin Cornelius aus der Rheinpfalz«); Renate Klauser, Das Zinsregister der Pfarrkirche St. Martin zu Beerfelden im Odenwald, in: AmrhKg 13, 1961, S. 329–348, hier S. 330 (Erwähnung); Hotz 1963, S. 32, 57f. (Würdigung als »bedeutendste Glasmalerei des Odenwaldes«; führt einzelne Motive auf Vorlagen des Meisters E.S. zurück und datiert »bald nach 1500«); Dehio Hessen 21982, S. 71 (Erwähnung mit Datierung »um 1510«); Hotz 1986, S. 62 (im Wesentlichen wie Hotz 1963); Gottfried Kiesow, Gotik in Hessen, Stuttgart 1988, S. 190 (in der historischen Darstellung fehlerhafte Würdigung mit Datierung »um 1510«); Hess 1995/96, S. 246 (Zusammenfassung der Geschichte des Kreuzigungsfensters im Hinblick auf das zweifelhafte denkmalpflegerische Engagement Graf Franz’ I. zu Erbach-Erbach); Teubner/Bonin 1998, S. 108 (Erwähnung mit Datierung »um 1510«); Christian Bitsch (u.a.), Viel Lärm um (fast) Nichts – Die Sache mit dem Beerfelder Kirchenfenster, in: »Gelurt« 2001, S. 205–209 (vorzügliche Schülerarbeit zum sog. Beerfeldener Fensterstreit; darin der Hinweis, dass zwei Wappenscheiben aus der früheren Kirche in Beerfelden nach Erbach gelangt sind, wobei der »Verbleib dieser Wappen […] ungeklärt« sei); Uli Steiger, Die Grundsteinlegungsinschrift der Martinskirche zu Beerfelden aus dem Jahr 1500, in: »Gelurt« 2001, S. 9–18, hier S. 10, 13 (äußert die Vermutung, dass die »Stiftung des [...] spätgotischen Kirchenfensters mit der Kreuzigungsgruppe um 1510 wohl auf eine Wallfahrerin« zurückgeht); Scholz, Odenwaldkreis, 2005, S. 58f., 68f., Nr. 73, 87 (lokalisiert zwei Rundscheiben mit den Wappen Erbach-Bickenbach und Werdenberg im Rittersaal des Erbacher Schlosses nach Beerfelden und geht ausführlich auf die problematische Überlieferung ihrer Inschriften ein; datiert das Kreuzigungsfenster »bald nach 1500«, da die Vorgängerkirche im Jahr »1500 begonnen und wohl spätestens 1503« fertiggestellt worden sei, dem Todesjahr des in der Inschrift der einen Wappenrundscheibe genannten Erasmus Schenk von Erbach); Dehio Hessen, II, 2008, S. 65 (Erwähnung mit Datierung »1500–03«).
Nachweise
Fußnoten
- Die Ostfassade weist im Untergeschoss außerdem zwei Betonverglasungen Heinz Hindorfs aus dem Jahr 1976 auf; Ingrid Westerhoff, Heinz Hindorf. Das glasmalerische Werk, Michelstadt 1999, S. 198, Nr. 135. ↑
Drucknachweis
Die mittelalterlichen Glasmalereien in Oppenheim, Rhein- und Südhessen / Uwe Gast unter Mitwirkung von Ivo Rauch (Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland Bd. III, 1), Berlin 2011
Nachnutzung
Rechtehinweise
Katalogdaten: Corpus Vitrearum Deutschland / Freiburg i. Br.
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Beerfelden · Pfarrkirche“, in: Mittelalterliche Glasmalereien in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/quellen-und-materialien/mittelalterliche-glasmalereien-in-hessen/alle-objekte/102-1_beerfelden-pfarrkirche> (aufgerufen am 31.05.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/cvmahessen/102-1
