Agatha Rosina von Wachenheim, geb. von Thüngen 1622 (?), Usingen

Agatha Rosina von Wachenheim, geb. von Thüngen 1622 (?), Usingen – Nr. 214
Standort
Gebäude / Areal
Usingen, Evangelische Pfarrkirche
Angaben zum Standort
War ehemals im Chor der Kirche aufgestellt.
Heutiger Aufbewahrungsort
Angaben zum Aufbewahrungsort
Ist seit längerem in die westliche Außenwand des Südseitenschiffs eingelassen.
Merkmale
Datierung
1622 (?)
Typ
Material
Erhaltung
erhalten
Größe
118 x 245 cm (B x H)
Größe der Buchstaben
(A) 2, (W) 1,5-2 cm
Beschreibung
Epitaph der Agatha Rosina von Wachenheim, geb. von Thüngen. Große Figurenplatte aus rot gestrichenem Sandstein. Das oben durch einen Kleeblattbogen abgeschlossene, eingetiefte Feld wird von dem Halbrelief der in Lebensgröße abgebildeten Verstorbenen in zeitgenössischem Gewand mit Puffärmelweste, Brusttuch und langem, gefälteltem Rock ausgefüllt. Die betend aneinandergelegten Hände sind abgewittert. Zu Häupten der Figur ist neben den Vanitassymbolen Totenschädel und Sanduhr je ein weitgehend zerstörtes Vollwappen aufgelegt. Auf den beiden Längsseiten des Denkmals sitzen in etwas kleinerem Format je acht reliefierte, ebenfalls beschädigte Vollwappen mit fallweise verstümmelten Beischriften (W), die auf kleinen querovalen Schildchen oder auf Halbkreisbögen über jedem Wappen eingehauen sind. In der Sockelzone befindet sich die querovale Schrifttafel. Von der dort befindlichen siebenzeiligen Inschrift (A) sind noch Reste vor allen Dingen links und unten erkennbar. Die Oberfläche des Denkmals ist insgesamt sehr stark abgewittert, daher ergeben sich weitgehende Verluste bei der Figur und den Wappen sowie ihren Inschriften, außerdem erschwert Steinschutzfarbe die Lesungen.
Geschlecht, Alter, Familienstand
Stand
Enthaltene Wappen
Wachenheim
Thüngen
Scharffenstein
Berg gen. Schrimpf
Bobenhausen (Babenhausen)
unkenntlich
unkenntlich
unkenntlich
Schenk von Schmidtburg
Stein zu Nassau
Dienheim
Schenk von Schweinsberg
Stockheim
Ehrenberg
Schwarzenberg
Wais von Fauerbach
Dargestellte Personen
Der Vorname AGATA ROSINA und die vorhandenen Wappen erlauben die Identifizierung der Verstorbenen mit der etwa 1572 geborenen Tochter des Melchior von Thüngen und der Philippa Agatha von Stein zu Nassau.17) Die Vollwappen auf den beiden Leisten des Denkmals geben die Ahnenprobe allerdings nicht nach den gebräuchlichen Schemata wieder, so dass sich die Abfolge der Generationen nicht ohne weiteres nachvollziehen lässt; beide Seiten präsentieren zunächst die vier väterlichen und dann die vier mütterlichen Ahnenwappen, allerdings nicht in konsequenter Reihenfolge.18)
Agatha Rosina war seit dem 1. Mai 1611 verheiratet mit Philipp Henrich (1584–1639),19) Sohn des Wolf von Wachenheim und der Apollonia Elisabeth Schenk von Schmidburg. Er war 1629–1634 nassau-saarbrückischer Amtmann zu Neuweilnau und im Stockheimer Gericht und zudem von 1611–1637 (Ober-)Amtmann in Usingen.20) Nach Bohris, der auf nicht näher belegte Kirchenbucheinträge verwies, starb Rosina Agatha erst im Jahr 1623.21) Eberhardi datierte den Grabstein zu 1622, die Leichenpredigt22) den Todesfall zu demselben Jahr, beide ohne Tagesdatum.
Inschrift
Umschrift
A A(NN)O7 162[2]8 DE[N – – – /– – –] IST DIE WOLED[– – –]9 AGATA /
ROSINA [– – –] / IM 51 IA͜R W͜ELCH͜E[– – –] / ERZEVGT MIT10 [– – –] /
SELIGLICH ENTSCHL[AFFEN DEREN11] SEL GOT EIN[E] FR[ÖLIGE12]
/ AVFERSTE[HVNG] VERLEIH[E13 AMEN]
W [– – –] [– – –]
[S]CHA͜RFFE(N)STEIN TH[– – –]
[B]OBENHAWSEN BERG
[. . ]ER[LT]AICH͜E[N]14 [– – –]
SCHENCK VON SCHMITBERG [– – –]
DIENH͜EIM15 SCHENCK VON /
SCHWEI͜NSVRG16
[STOCKHEIM]17 EH͜RNBERG
[SCHWAR]T[Z]EN/[BERG]18 [WAISS VON FAVERBACH]19
Schrift
Nachweise
Fußnoten
- Vgl. Humbracht, Stamm-Tafeln Taf. 171. Zu den von Thüngen vgl. auch Biedermann, Geschlechtsregister Rhön und Werra Taf. CCI; v. Thüngen, Haus Thüngen. ↑
- Die Reihenfolge der Wappen ist links: 1 3 7 5 / 2 4 8 6, rechts 1 5 3 (?) 7 (?) / 2 4 6 8. ↑
- Daten nach Leichenpredigt, vgl. unten Anm. 22. Eberhardi, Alte Monumenta Nr. 6 zum Grabstein in der Kirche: „Philips Henrich von Wachenheim itziger herr amptman seiner ersten hausfraw Agathe Rosina geborn von Thüngen ins chor ein schönen grabstein legen lassen (...)“. Nach Humbracht, Stamm-Tafeln Taf. 171 war sie mit Philipp Wilhelm von Wachenheim verheiratet, während ihre Schwester Anna Catharina die zweite Ehefrau Philipp Henrichs war. ↑
- Vgl. Kaethner/Kaethner, Usingen 295 Liste C1 Amtleute Nr. 13. Vgl. die Leichenpredigt unten Anm. 22. ↑
- Bohris 15. ↑
- Eberhardi, Alte Monumenta Nr. 6; Leichenpredigt in StaBi (= Institut für Stadtgeschichte) Frankfurt a. M.; vgl. auch HStAD R 21 C 1 Nachweis Philipp Henrich von Wachenheim. Leichenpredigt von 1639, vgl. Goetzenius, Leich- und Trostpredigt; Daten der Leichenpredigt in Katalog Leichenpredigten Frankfurt 100. ↑
- o klein und hochgestellt. ↑
- Bohris, Dienstbach, Fritz lasen 3. Diese Lesung entspricht nicht dem Befund am Stein, der eine 2 nahelegt. ↑
- Nach zeitüblichen Gepflogenheiten möglicherweise zu ergänzen zu WOLEDLE, WOLEHRSAME oder Varianten. DAVER(NSWERTE) Fritz, Inschriftensmlg. ↑
- Fehlt bei Fritz. ↑
- Ebenso bis EINE S[...]. ↑
- Ergänzt nach zeittypischen Gepflogenheiten. ↑
- Fritz verlas BLEI(BT). ↑
- Lesung unsicher durch Oberflächenzerstörung, [...]TERLTAICHEN Steinmetz 1930. ↑
- DIRNHEIM Steinmetz, [DIR]N͜HEIM Fritz. ↑
- Sic! SCHENCK VON SCHW...BERG Steinmetz, [SCH]ENCK VON SCHW[EI]NS[BERG] Fritz. ↑
- Ergänzt nach Steinmetz. ↑
- Steinmetz erkannte [...]ART[.]EN[....]; für Fritz war die Inschrift 1999 unleserlich. ↑
- Ergänzt nach Steinmetz. ↑
Literatur
- Bohris, Paul: Aus der Geschichte der Laurentiuskirche zu Usingen. In: Nassovia 37 (1927), S. 13–17, hier S. 15 (Name, Alter).
- Steinmetz, Ernst Georg: Corpus inscriptionum Nassoicarum. Pars specialiter: Corp. Inscript. Usingense. Hdschr. Usingen um 1930 (StaA Us, Archiv Steinmetz, H. 9); abgeschr. u. bearb. von Helmut Fritz. Masch. Usingen 2003, S. 10f., Nr. 34 (A, W).
- Dienstbach, Fritz: Die Stadtkirche in Usingen als Begräbnisstätte. In: Usinger Land Jg. 1967, H. 1 (Feb.), Sp. 49–56, hier Sp. 53 (Name, Alter).
- Fritz, Helmut: Inschriftensammlung. Privatsmlg. Typoskript Usingen 2000, Nr. 14 m. Abb. (A, W).
- Fritz, Helmut: Bemerkungen zum Manuskript des Ernst Georg Steinmetz, Corpus inscriptiorum Nassoicarum (s. dort). Originalgetreu abgeschrieben und zur Berichtigung und Ergänzung mit Fußnoten versehen. Typoskript Usingen 2003, S. 10 f., Nr. 34, Anm. 33–54 (A, W).
- Fritz, Helmut: Grabdenkmäler der Ev. Laurentiuskirche in Usingen 2010. Download aus (Stand 19,1,2015), Nr. (A, W) m. Abb.
- Fritz, Helmut: Die Evangelische Laurentiuskirche zu Usingen, „Stadt- und Hofkirche“. Großer Kirchenführer und Gemeindegeschichte. Hrsg. von der Ev. Kirchengemeinde Usingen. Usingen 2013, S. 44, Nr. 4 (A, W) m. Abb. 44.
Bearbeitung
Siehe auch
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Nachnutzung
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Agatha Rosina von Wachenheim, geb. von Thüngen 1622 (?), Usingen“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/2495_agatha-rosina-von-wachenheim-geb-von-thuengen-1622-usingen> (aufgerufen am 02.11.2026)
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