Pfarrer und Dekan Christoph Formicarius (Ameiser) 1605, Rotenburg

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Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.

Standort

Gebäude / Areal

Rotenburg, Evangelische Pfarrkirche St. Jakobi.

Angaben zum Standort

Das in Holz ausgeführte Epitaph befand sich zwischen dem Gestühl für die Geistlichen und der Kanzel über der Tür zur Sakristei.

Merkmale

Datierung

1605

Typ

Material

Erhaltung

verloren

Beschreibung

Epitaph für den Pfarrer und Dekan Christoph Formicarius (Ameiser). Die Buchstaben waren vergoldet. Sein Grab hatte Formicarius vor dem Altar erhalten.1)

Geschlecht, Alter, Familienstand

Stand

Dargestellte Personen

Die Inschrift bietet dichte Informationen zum Lebenslauf von Christoph Formicarius. Er wurde am 10.07.1552 in Schmalkalden geboren, studierte bis 1571 in Straßburg war von 1572 bis 1589 Kaplan in Kirchheim und wurde dann von Landgraf Wilhelm IV. zum Pfarrer in Friedewald ernannt, wo er von 1589 bis 1593 sein Amt versah. Auf Wunsch des Landgrafen betreute er in den Jahren 1590 bis 1593 zugleich die Schloßkapelle in Rotenburg. Von 1593 bis zu seinem Tode 1605 war er Schloßpfarrer und erster Pfarrer an der St. Jakobskirche in Rotenburg. Im Jahr 1596 wurde er zudem Stiftsdekan. Wie es auch in dem Text des Epitaphs angedeutet wird, verdankte Formicarius seine Ernennung zum Schloßpfarrer und Stiftsdekan dem Vertrauensverhältnis, das ihn mit Landgraf Moritz (1592–1627) verband.6)
Formicarius heiratete zu unbekannter Zeit seine Frau Margarete, die ihn überlebte.7) Sein Epitaph verfaßte Valentin Schöner, der von 1576 bis 1605 als erster Pfarrer und Superintendent in Ziegenhain und von 1605 bis 1611 als erster Pfarrer und Superintendent in Marburg wirkte.8) Die enge Verbindung beider zeigt sich darin, daß Formicarius im Jahr 1584 Pate eines Sohnes von Valentin Schöner wurde.9) Schöner starb am 13. August 1611 und lag in Marburg begraben.10)
Städte als quasi Handelnde und das Leben eines Menschen Bestimmende hervorzuheben geht auf das Vergilsche Grabepigramm Mantua me genuit … zurück.

Inschrift

Umschrift

A Epitaphium / reverendi doctrina pietate et virtutibus praestantissimi viri
domini Christophori Formicarii ecclesiae Rotenburgensis pastoris et decani
fidelissimi memoriae scriptum a Valentino Schonero comitatus
Ziegenhainensis2) ecclesiarum superattendente.
B Hac ego Christophorus cubo Formicarius urna,
Quem Deus ex humili vexit ad alta loco.
Clara mihi primos Schmalcaldia3) praebuit ortus,
Eduxit larga Facha4) celebris ope,
Argentina potens animum melioribus annis
Excoluit studiis et pietate meum.
Urbe sub hac coepi divinum10 spargere dogma
Necdum ierant vitae lustra quaterna meae.
His ego praeteritis in patria iura reversus
Munia mox obii sacra vacante11 Deo:
Kirchemii tria lustra duosque fideliter annos
Erudii vera religione rudes,
Inde Friedewaldum me transtulit inclitus heros
Wilhelmus princeps, Hassia cara, tuus,
Mauritius princeps annis me quinque peractis,
Mauritius populi cura salusve sui,
Praefecit sacris opibus sanxitque decanum
Templi, quod stringit flumine Fulda suo,
Qua Roteburga iacet, pulchro iussitque sacello
Arcis et aede sub hac dogma sonare Dei.
Hoc ubi bis senos annos sum munere functus,
Vita mihi spatio clauditur acta brevi.
Inservire fuit summis imisque voluptas
Inprimisque Deo cura placere fuit.
Secla bis octo ierant post incunabula Christi
Annus et in cursu praepete quintus erat
Et bis quinta dies aderat iam mensis iuli
Horaque nascentis septima lucis erat,
Quando soluta fuit mea mens a corpore, coelo
Quae fruitur coeli perfruiturque bonis.
Ad12 desiderium viduae fratrique reliqui
Et cunctis, verus quos mihi iunxit amor.
Mitiget hoc suprema dies soletur et omnes,
Quae nos aeterna iunget amicitia.

Übersetzung

(A) Epitaph zum Andenken an den ehrwürdigen, durch Lehre, Frömmigkeit und Tugenden vortrefflichsten Mann, Herrn Christoph Formicarius (Ameiser), Pastor und getreuster Dekan der Kirche von Rotenburg, geschrieben von Valentin Schonerus (Schöner), Superintendent der Kirchen der Grafschaft Ziegenhain.
(B) Ich, Christoph Formicarius ruhe in diesem Grab, den Gott von einem niedrigen Ort zu den höchsten geführt hat. Das berühmte Schmalkalden gewährte mir die ersten Anfänge und das bekannte Vacha hat mich mit reichen Mitteln erzogen. Das mächtige Straßburg hat meinen Geist in den besseren Jahren in der Wissenschaft und in der Frömmigkeit ausgebildet. In dieser Stadt begann ich, die göttliche Lehre zu verbreiten und es waren noch keine vier Lustren (20 Jahre) meines Lebens vergangen. Nachdem diese (zwanzig) überschritten waren, kehrte ich in die heimischen Verhältnisse zurück und übernahm bald von Gott gerufen die heiligen Pflichten.5) Drei Lustren und zwei Jahre (17 Jahre) habe ich getreu die Unwissenden in Kirchheim in der wahren Religion unterrichtet. Darauf hat mich dein berühmter Held, geliebtes Hessen, Fürst Wilhelm, nach Friedewald geschickt. und nachdem fünf Jahre vergangen waren, hat mich der Fürst Mauritius (Moritz) – Mauritius, die Fürsorge und das Heil seines Volkes – an die Spitze des heiligen Dienstes gestellt und er hat mich zum Dekan der Kirche ernannt, die die Fulda mit ihren Wellen streift, an der Rotenburg liegt. Und er befahl, daß ich in der schönen Burgkapelle und in dieser Kirche die Lehre Gottes verkünde. Als ich dieses Amt 12 Jahre verwaltet hatte, ist mein Leben vollbracht und wird in kurzer Zeit beschlossen. Den Höchsten und den Niedrigsten zu dienen war mein Wunsch und vor allem war es meine Sorge, Gott zu gefallen. Es waren 16 Jahrhunderte nach der Geburt Christi vergangen, das fünfte Jahr war in schnellem Lauf und es war schon der 10. Tag im Monat Juli und es war die siebte Stunde des heraufziehenden Tages, als sich meine Seele vom Körper löste, die sich am Himmel erfreut und sich an den Schätzen des Himmels labt. Aber die Sehnsucht habe ich der Witwe und dem Bruder zurückgelassen und allen, mit denen mich wahre Liebe verband. Diese Sehnsucht wird der Jüngste Tag stillen und er wird alle trösten, der uns in ewiger Zuneigung verbindet.

Kommentar

Nach Lucae.
17 elegische Distichen (B).

Nachweise

Fußnoten

  1. Lucae 37 (43) und 49 (48). ↑
  2. Hütteroth, Pfarrer 88. ↑
  3. Hütteroth, Pfarrer 89. ↑
  4. Hütteroth, Pfarrer 315. ↑
  5. Hütteroth, Pfarrer 88. Schöners gleichnamiger Sohn war 1603 im Pädagogium und 1605 in den Marburger Annalen verzeichnet, vgl. Falckenheiner, Personen- und Ortsregister 147. ↑
  6. Vgl. Stölzel, Grabinschriften 78. ↑

Literatur

Bearbeitung

Nachnutzung

Rechtehinweise

Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Pfarrer und Dekan Christoph Formicarius (Ameiser) 1605, Rotenburg“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/2287_pfarrer-und-dekan-christoph-formicarius-ameiser-1605-rotenburg> (aufgerufen am 03.11.2026)

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