Georg I. von Hessen-Darmstadt und Eleonora, geborene Herzogin von Württemberg Ende 16. - Anfang 17. Jahrhundert, Darmstadt

19378F4F-88AF-441E-BC79-64A0466C0DEA
Ortsname
Darmstadt
Landkreis
Darmstadt, Stadt
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.

Standort

Gebäude / Areal

Darmstadt, Evangelische Stadtkirche

Angaben zum Standort

Das zweigeschossige Ädikula-Epitaph aus Alabaster hängt heute an der Nordwand des Chors.

Heutiger Aufbewahrungsort

Merkmale

Datierung

Ende 16. Jahrhundert - Anfang 17. Jahrhundert

Typ

Material

Erhaltung

erhalten

Beschreibung

Das zweigeschossige Ädikula-Epitaph aus Alabaster hängt heute an der Nordwand des Chors. In dem von Säulen gerahmten Mittelfeld des Hauptgeschosses steht unter einem Rundbogen das Kreuz mit dem Corpus Christi auf einem Sockel, der mit einem Puttenkopf geschmückt ist. Der überstrichene Hintergrund zeigte ursprünglich vermutlich die Landschaft von Golgatha. Das Mittelfeld wird von zwei doppelgeschossigen Seitenteilen flankiert. In den Rahmen der unteren Teile waren vier auf Kupfer gemalte Bildnisse angebracht, die heute verloren sind. Auf ihnen waren Georg I. und Eleonora, ihr gemeinsamer Sohn Heinrich sowie Sabine, die 1599 verstorbene Tochter aus Eleonoras erster Ehe, abgebildet. Darüber befinden sich zwei Inschriftentafeln, vor denen jeweils ein Putto ruht. Beide Tafeln weisen eine senkrechte Bruchlinie auf. Die Buchstaben sind mit Goldfarbe ausgemalt. Die Verse sind zeilenweise abgesetzt. Auf den beiden äußeren Pilastern neben den Inschriftentafeln sind insgesamt sechs Wappen vorhanden. Im Obergeschoß des Epitaphs befinden sich zwei reliefierte Vollwappen. Bekrönt wird das Denkmal von der Figur des Salvators. Der Sockel zeigt in der Mitte eine leere Inschriftentafel und links und rechts davon je zwei Wappen. Im Unterhang ist eine weitere leere Kartusche vorhanden. Die ungewöhnliche Zahl von sechs Wappen auf jeder Seite, das Fehlen wichtiger Wappen der Ahnenreihen sowie die zum Teil fehlerhafte Abfolge der Wappen legen die Vermutung nahe, daß auf jeder Seite je zwei Wappen ergänzt werden müssen. Als Wappenhalter kommen die Putten auf den Seitenteilen des Hauptgeschosses mit ihren ausgebreiteten und angewinkelten Armen in Frage sowie die äußeren Obelisken, welche die Seitenteile bekrönen. Die Wappen könnten bei der 1843 erfolgten Versetzung des Epitaphs vom dritten Joch der Südseite ins erste Joch der Nordseite verlorengegangen beziehungsweise vertauscht worden sein.1) In der Wappenzeile werden deshalb die Wappen in der rekonstruierten, richtigen Reihenfolge wiedergegeben, während in den Anmerkungen der heutige Befund dokumentiert wird.2)

Geschlecht, Alter, Familienstand

Stand

Enthaltene Wappen

Hessen, Sachsen, Mecklenburg, [Polen], Württemberg, Böhmen, Pommern, [Österreich]3)#Der heutige Befund zeigt: Hessen, Mecklenburg, Württemberg, Pommern, Sachsen, Böhmen.;
Württemberg, [Brandenburg, Bayern], Münsterberg, Zweibrücken-Bitsch, Polen4)#Quadriert: 1. Polen, 2. Litauen, 3. Land Dobrzyn, 4. Österreich. Österreich, [Sagan]5)#Der heutige Befund zeigt: Württemberg, Münsterberg, Zweibrücken-Bitsch, Polen, Österreich, Pommern. Das Wappen Pommern bildet ein Problem, da es sich an keiner anderen Stelle einreihen läßt. Möglicherweise wies die Ahnenprobe hier von Anfang an einen Fehler auf..

Dargestellte Personen

Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt und seine zweite Frau Eleonora, geborene Herzogin von Württemberg
Leo Bruhns hat das Denkmal dem Bildhauer Nikolaus Dickhart zugewiesen,6) jedoch keinen Datierungsvorschlag gemacht. Da die Inschriftentafel im Sockel des Epitaphs, die wohl für die Grabinschrift Eleonoras vorgesehen war, leer blieb und Inschrift (B) den Tod Eleonoras nicht erwähnt, muß das Denkmal noch zu ihren Lebzeiten geschaffen worden sein.7) Der Anlaß könnte der Tod Georgs I. am 7. Februar 15968) und die daraufhin erfolgte Fertigstellung des Epitaphs für ihn und seine erste Frau Magdalena zur Lippe gewesen sein. Georg I. hatte seine Söhne in seinem Testament angewiesen, an diesem monumentalen Epitaph nach Eleonoras Tod auch eine Inschrift für sie anzubringen.9) Eleonora wurde zwar in einer Inschrift des Denkmals erwähnt, für die Anbringung einer eigenen Inschriftentafel blieb aber kein Platz mehr.10) Um dies auszugleichen, beschloß man offenbar, für Eleonora ein eigenes Epitaph zu errichten. Da der von Georg vorgesehene Anbringungsort der Inschrift für Eleonora an seinem Epitaph die enge Beziehung zwischen beiden dokumentieren sollte, wurde Georg nun noch einmal auf dem zweiten Epitaph verewigt. Seine Todesdaten fehlen jedoch, da diese bereits auf dem ersten Epitaph vorhanden waren. Die heute verlorenen Bildnisse der Kinder Sabine und Heinrich, die sich in den Seitenteilen befanden, bieten keinen Anhaltspunkt für eine genauere Datierung des Epitaphs. Sabine, die aus Eleonoras erster Ehe stammte, starb 1599,11) und Heinrich starb am neunten Januar 1601.12) Die Bildnisse im Epitaph für Ludwig V. zeigen jedoch, daß sowohl die lebenden als auch die verstorbenen Kinder dargestellt wurden.13)
Die Inschrift für Georg hebt seine Tätigkeit als Landesherr hervor und demonstriert damit ebenso wie das Epitaph für Magdalena und Georg das landesherrliche Selbstbewußtsein der neuen Linie Hessen-Darmstadt. Eleonoras Leben wird in ihrer Inschrift als vorbildlich dargestellt. Sie verkörpert das HOCHGEHRTE FVRSTLICH BILD schlechthin.

Sonstiges

Deutsche Reimverse.

Inschrift

Umschrift

A -- VON GOTTES GENADEN AVSSERKOHRN
GEORG FVRST IN HESSE HOCHGEBORN
ALS ER NVN AVCH HAT ETLICH ZEIT
VON GOTT ZVE ANDERN EHE BEREIT
GELEBT MACHT ER SEIN TESTAMENT
VND BSTELDT GAR WOL DAS REGIMENT
SORGT SEHR VOR DIE RELIGION
VND VOR DAS LANDES VNDERTHON
WANS ALSO SCHICKTT DIE OBRIGKEIT
SO GIEBTS IM LANDT FEIN11 RICHTIGKE(IT)
WANN OBRIGKEIT THVT GLEICH V(ND) RECHT
SO MVSS ZV FRID SEIN IEDER KNECHT
VND WANN SIE WIE EIN VATTER IST
ALSDAN NIEMAND AN HEIL GEBRIST
AVF DIESSES STARB DER FROMME FVRST
IN GOTT MIT GLAVBEN WOL GERVST
NACH DEM ER ABER SICH VERLIES
AVFS EWIG LEBEN EHR VND PREIS
AVCH AVF DER TODTEN VHRSTEND FEST
WIE SOLCHS GOTT LEHRT AVFS ALLERBE(ST)
SO LEBT NVN MEHR AVCH IEGZT DIE SELL
IN GOTTES HAND OHN ALLEN FEHLL
AM IVNGSTEN TAGK WIRDT AVFERSTAN
SEIN LEIB VND GLEICHES LEBEN HAN
B -- ELEONORA HOHER ARTH
VON HERTZOGEN GEBOREN WARD
AVS WVRTTENBERGK EIN FREWLEIN GVT
WIE VNS DAS WAPPN ZEIGEN THVT
ALS DIS FREWLEIN ZVN IAHREN KAMM
FVRST IOCHIM ERNST ZVR GEMAHL SIE NAM
EIN FVRST VON ANHALDT EHREN HOCH
WIE SEINN GEDACHTNVS LEBET NOCH
HERNACH ALS DISSER FROMME HERR
GESTORBENN WAR WIE ANDRE MEHR
WVRD DVRCH BESONDER GOTTES HANDT
DIE WITTIB BRACHT INS HESSEN LAND
ZVE LANDGRAF GORGEN HOCHGEBORN
VON GOTT ZVR GMAHLIN12 AVSSERKOHR(N)N13
SINNREICH VERSTENDIG GVTHIGK MIL(D)T
WARDS HOCHGEHRTE14 FVRSTLICH BILD
SIE PFLEGTT DES HERRN V(ND) THAT VIL GVT
IN CREVTZ V(ND) SCHWACHEIT MACHT SIE MV(T)
DIE IVNGEN HERNN V(ND) FREVWLEIN ZARTT
LIEBTT SIE ZVMAHL NACH MVTTER15 AR(T)
DEN KRANCKEN WAR SIE HVLFF VND TROST
DVRG APOTECK SIE VIELL ERLOST
GOTT WIRDT IHR GEBEN REICHEN LOHN
DIE SEHLIGKEIT VND EWIG WOHN16

Nachweise

Fußnoten

  1. Zur Veränderung der Anbringung vgl. Haupt 147. ↑
  2. Für unermüdliche Hilfe bei der Entwirrung der heraldischen Probleme sei Herrn Dr. Harald Drös, Heidelberg, herzlich gedankt. ↑
  3. Bruhns, Würzburger Bildhauer 265. Bruhns geht von einer Zusammenarbeit Dickharts mit dem Maler Gerhard von Mainz aus, während Haupt 148 annimmt, daß Dickhart hier nach der Visierung des Frankfurter Malers Philipp Uffenbach gearbeitet hat. ↑
  4. Zu Eleonora vgl. die Inschrift auf ihrem Sarg, Nr. 340. ↑
  5. Vgl. Nr. 283. ↑
  6. Diehl, Alt-Darmstadt 21. ↑
  7. Zu dem Epitaph vgl. Nr. 263. ↑
  8. Zu ihr vgl. Europ. Stammtafeln NF I, Taf. 73. ↑
  9. Vgl. zu ihm Nr. 298. ↑
  10. Vgl. Nr. 334. ↑
  11. frid Haupt. ↑
  12. Zum Gemahl ihr Haupt ↑
  13. Der Vers fehlt bei Buchner. ↑
  14. War die Hochgehrte Haupt. ↑
  15. T unter den Balken des T gestellt. ↑
  16. Die Ewigkeit und ewge Wonn Diehl. ↑

Literatur

Bearbeitung

Die Inschriften der Stadt Darmstadt und der Landkreise Darmstadt-Dieburg und Groß-Gerau. Gesammelt und bearbeitet von Sebastian Scholz (Die Deutschen Inschriften 49), 1999, S. 197-199, Nr. 296.

Siehe auch

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Orte

Quellen und Materialien

Nachnutzung

Rechtehinweise

Erschließung: Die Rechte liegen bei den Urhebern, vgl. die Angaben im Abschnitt „Bearbeitung“
Abbildung(en): siehe die Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Georg I. von Hessen-Darmstadt und Eleonora, geborene Herzogin von Württemberg Ende 16. - Anfang 17. Jahrhundert, Darmstadt“, in: Grabdenkmäler <https://lagis.hessen.de/de/personen/grabdenkmaeler/alle-eintraege/104_georg-i-von-hessen-darmstadt-und-eleonora-geborene-herzogin-von-wuerttemberg-ende-16-anfang-17-jahrhundert-darmstadt> (aufgerufen am 03.11.2026)

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Georg I. von Hessen-Darmstadt und Eleonora, geborene Herzogin von Württemberg Ende 16. - Anfang 17. Jahrhundert, Darmstadt