Burkhardsfelden

Bearbeitet von Susanne Gerschlauer  
Landkreis
Gießen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Basisdaten

Juden belegt seit

1796

Lage

35447 Reiskirchen, Ortsteil Burkhardsfelden

Rabbinat

Oberhessen

erhalten

nein

Gedenktafel vorhanden

nein

Geschichte

Seit dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts regierten die reichsunmittelbaren Herren von Buseck und die Herren von Trohe in Ganerbengemeinschaft die Gemeinden des Busecker Tales, zu denen auch Burkhardsfelden zählte.

1796/97 waren nachweislich mindestens zwei jüdische Familien in Burkhardsfelden wohnhaft1, doch waren vermutlich schon in den Jahren zuvor Juden in Burkhardsfelden angesiedelt2, da die Ortsherren eine aktive Politik der Ansiedlung von Schutzjuden betrieben. Im Jahr 1830 sind 38 Juden belegt.3 Um 1857 lebten neun jüdische Familien in Burkhardsfelden, deren Hauptbroterwerb der Vieh-, Häute- und Hausierhandel war. Die Einkommen bewegten sich am Existenzminimum.4

Bereits seit Beginn der 1840er Jahre gab es Bestrebungen, eine eigene Synagogengemeinde zu gründen5, denn die in Burkhardsfelden lebenden Juden waren der jüdischen Gemeinde Großen-Buseck angeschlossen, was offenbar zu erheblichen Unstimmigkeiten führte. 1858 wurde den Selbstständigkeitsbestrebungen der Burkhardsfelder Juden vom Großherzoglichen Ministerium des Inneren stattgegeben.6 Bis 1877 blieb die Synagogengemeinde selbstständig. Dem ersten Vorstand der neugegründeten Gemeinde gehörten im Mai 1858 Wolf Stern I, Feist Stern und Isaak Stern an; um 1864 war Joseph Löwenberg Rechner der Synagogengemeinde.

Durch Umzug in andere Gemeinden in den Jahren nach 1865 nahm die Zahl der Gemeindemitglieder in erheblichem Umfang ab. Einem vermutlich damit zusammenhängenden Antrag der Synagogengemeinde auf Auflösung wurde vom Innenministerium mit Schreiben vom 23.8.1877 stattgegeben.7

Betsaal / Synagoge

Um 1864 wird in den Quellen eine Synagoge erwähnt, bei der es sich vermutlich um einen Betraum in einem Privathaus handelte, der wahrscheinlich seit der Zulassung der Selbständigkeit 1858 genutzt wurde.8 Über Ortslage und Aussehen ist nichts überliefert.

Weitere Einrichtungen

Mikwe

Über Ortslage und Aussehen einer möglicherweise vorhanden gewesenen Mikwe ist bisher nichts bekannt.9

Schule

Bereits vor der Zulassung der Eigenständigkeit der Religionsgemeinde im Jahr 1858 war vermutlich ein angemieteter Raum für den Unterricht der Kinder in Benutzung, denn es lässt sich die Tätigkeit mehrerer Religionslehrer seit den 1837er Jahren belegen.10 Über Lage und Aussehen des Schulraumes ist nichts bekannt.

Friedhof

Die verstorbenen jüdischen Burkhardsfeldener wurden auf dem Friedhof der Gemeinde Großen-Buseck beigesetzt.

Nachweise

Fußnoten

  1. Köhler, Burkhardsfelden, S. 2; Köhler, Reiskirchen, S. 3
  2. Erwähnung eines Judenhauses 1724, in Köhler, Burkhardsfelden, S. 23, 26; Erwähnung von Beisassen/Juden 1742, in: Ortsartikel "Burkhardsfelden" in LAGIS, Historisches Ortslexikon (siehe Link oben)
  3. Köhler, Burkhardsfelden, S. 23, 26; Ortsartikel "Burkhardsfelden" in LAGIS, Historisches Ortslexikon (siehe Link oben)
  4. Köhler, Burkhardsfelden, S. 1, 7
  5. Köhler, Burkhardsfelden, S. 7
  6. Köhler, Burkhardsfelden, S. 8
  7. Köhler, Burkhardsfelden, S. 1, 8 f.
  8. Köhler, Burkhardsfelden, S. 9

Weblinks

Quellen

Literatur

Indizes

Nachnutzung

Rechtehinweise

Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Burkhardsfelden“, in: Synagogen in Hessen <https://lagis.hessen.de/de/orte/synagogen-in-hessen/alle-eintraege/83_burkhardsfelden> (aufgerufen am 29.05.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/syn/83