Kirchvers

Die Lage von Kirchvers im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
17,5 km südwestlich Marburg
Lage und Verkehrslage
Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss und teilweise lockerer Gehöftanordaung im Talgrund der Vers
Hauptkomplex der Siedlung auf dem linken Versufer
Kirche in zentraler Lage
Moderne Wohnsiedlung im Süden; nach Osten abgesetzt Fabrik
Straße Reimershausen-Krumbach im Zuge der alten Landstraße Marburg-Wetzlar, die sich südwestlich des Ortes in einen oberen und unteren Zweig gabelte
Zwei alte Amtsstraßen von Gießen durch Krofdorf bzw. Rodheim vereinigten sich früher im Ortsbereich zur Amtsstraße nach Gladenbach und Biedenkopf
Ersterwähnung
um 1130
Vorbemerkung Historische Namensformen
Bei den frühen Belegen ist unklar, ob sie Alten- oder Kirchvers zuzuordnen sind
Historische Namensformen
- Ferse (um 1130) [Gensicke, Vogtei Ebsdorf, S. 101]
- Verse, in (1197) [HStAM Bestand Urk. 18 Nr. 638; Druck: Wenck, Hessische Landesgeschichte 2,1 Urkundenbuch Nr. 90, S. 125-128, vgl. List, Spieskappel, S. 38-44]
- Virse (1333) [vgl. auch Alten-Vers]
- Kirchferse (1359) [HStAM Bestand Rechn. I Nr. 74/4]
- Kirchvers (1604)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Hardtmühle
- Kreuzmühle
- Kirchvers, Kirchvers (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
Umlegung der Flur
1934/1935
Älteste Gemarkungskarte
1803
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3472401, 5616937
UTM: 32 U 472338 5615130
WGS84: 50.687342° N, 8.608403° O
Statistik
Ortskennziffer
534013030
Flächennutzungsstatistik
- 1838 (Kasseler Acker): 757 stellbares Land, 292 Wiesen, 10 Gärten, 5 Triesche, 355 Wald
- 1885 (Hektar): 671, davon 245 Acker (= 36.51 %), 88 Wiesen (= 13.11 %), 301 Holzungen (= 44.86 %)
- 1961 (Hektar): 672, davon 301 Wald (= 44.79 %)
Einwohnerstatistik
- 1502: 16 Hausgesessene
- 1577: 43 Hausgesessene
- 1630: 2 dreispännige, 8 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 10 Einläuftige
- 1630: 26 Hausgesessene (einschließlich 3 Witwen)
- 1681: 23 Hausgesessene Mannschaften
- 1745: 190
- 1745: 3 Schneider, 2 Müller, 1 Maurer, 1 Leineweber, 1 Weißbinder, 1 Wirt, 1 Branntweinbrenner, 2 Schmiede, 1 Braumeister, 2 Zimmerleute, 5 Tagelöhner (-innen)
- 1838 (Familien): 29 Ackerbau, 11 Gewerbe, 3 Tagelöhner, 30 nutzungsberechtigte, 12 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisitzer
- 1861: 291 evangelisch-lutherische Einwohner
- 1885: 328, davon 324 evangelisch (= 98.78 %), 0 katholisch, 4 andere Christen (= 1.22 %)
- 1961 (Erwerbspersonen): 116 Land- und Forstwirtschaft, 137 Produzierendes Gewerbe, 16 Handel und Verkehr, 15 Dienstleistungen und Sonstiges
- 1961: 550, davon 475 evangelisch (= 86.36 %), 36 katholisch (= 6.55 %)
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1374: Gericht Lohra, das seit 1601 mit dem Gericht Fronhauser verbunden ist
- 1687: Amt Fronhausen
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Lohra
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Altkreis
Marburg
Gemeindeentwicklung
Zum 1.7.1974 wurde Kirchvers im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Lohra eingegliedert.
Gericht
- 1821: Justizamt Fronhausen
- 1867: Amtsgericht Fronhausen
- 1948: Amtsgericht Marburg
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- Um 1130 hat das Mainzer St. Stephansstift Gefälle aus Güterbesitz in Vers; sie sind Zubehör der Villilkation Ebsdorf, deren Einkünfte seit 1249 an die Landgrafen verpachtet sind; es handelt sich bei den Gefällen in Vers offenbar um Pachtzins aus dem sogenannten Stadelhof des Stifts, der 1271 an die von Rodheim und von Vers verpachtet ist. 1197 hat das Kloster Spieskappel Einkünfte in Höhe von 5 Schilling aus Güterbesitz in Vers. 1333 hat Adolf Zabel von Vers ein falkenstein. Burglehen in Vers. Ende 14. Jahrhundert erwerben die Riedesel das sogenannte Grabengut in Kirchvers, das 1374 noch im Besitz des Emmerich von Vers war. Vor 1393 sind die von Hatzfeld in Vers begütert; der Besitz fällt 1416 an die Riedesel; 1553 landgräflich Lehen der Riedesel. 1457 verkaufen die Zöllner dem Magister Imhof genannt Rode Güterbesitz zu Alten- und Kirchvers, der 1476 an die Marburger Kugelherren fällt. - 1494 sind dem Landgraf 3 Pflüge in Kirchvers dienstbar. Der Zehnte ist 1347 solms. Lehen der Vögte von Fronhausen; um 1365 westerburgische Lehen der Riedesel
Ortsadel
1271-1372 Zwei ehemalige Burgsitze der von Vers befinden sich am N- und S-Rand von Kirchvers
Flurnamen: im Burggarten, Herrenwiese, Küchenacker
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Pfarrei 1468 (Classen, Kirchliche Organisation S. 103)
Pfarrzugehörigkeit
1577 und später: Weipoltshausen eingepfarrt
1590 und später: Rodenbausen Vikariat
Patronat
Der Patronat war um 1365 westerburgische Lehen der von V. und der Riedesel
1462 westerburgische Lehen der von Rodenhausen
1468: von Vers
1577: von Rodenhausen
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.
Erster evangelischer Pfarrer: Volprecht (Valentin?) Fischer ca. 1538
Reformierter Bekenntniswechsel: 1605, 1624 wieder lutherisch
Kirchliche Mittelbehörden
15. Jahrhundert: Sendbezirk Lohra Dekanat Amöneburg
Kultur
Schulen
1910 einklassige Volksschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Zoll
Landzollstätte 1592
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Kirchvers, Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/9362_kirchvers> (aufgerufen am 15.04.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/9362