Neuseesen

Dorf · 205 m über NN  
Gemeinde
Witzenhausen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Siedlung

Ortstyp

Dorf

Lagebezug

4 km östlich von Witzenhausen gelegen

Lage und Verkehrslage

Langgestrecktes Straßendorf am Westrand des Eichsfelds, östlich eines flachen Talgrundes am Siesterbach, unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zum Freistaat Thüringen. Kirche in zentraler Lage an der parallel zum Bach durch den Ort in N-S-Richtung führenden L 3469 (Hansteinstraße).

Ersterwähnung

1318

Siedlungsentwicklung

1839: Fund einer vorgeschichtlichen Begräbnisstätte (Urnen und Leichenbrand). Unsicher, ob slawische (wendische) Kolonie („Neuer Sitz“), da kein Rundling.
Das Dorf lag von 1945-1990 an der innerdeutschen Grenze abseits der Durchgangsstraßen und war somit von der Teilung in besonderem Maße betroffen.

Vorbemerkung Historische Namensformen

Von Neuseesen zu unterscheiden sind die beiden Wüsten Orte Ober- und Unter-Neusesen südöstlich der Landgemeinde Uder im Landkreis Eichsfeld; vgl. hierzu Wintzingeroda-Knorr, Wüstungen, S. 704-709, Nr. 347

Historische Namensformen

Bezeichnung der Siedlung

  • Dorf (1341)

Koordinaten

Gauß-Krüger: 3564058, 5690209
UTM: 32 U 563959 5688372
WGS84: 51.343028° N, 9.918284° O

Statistik

Ortskennziffer

636016110

Flächennutzungsstatistik

  • 1318: 9 Mansen genannt
  • 1885 (Hektar): 196, davon 159 Ackerland (= 81,1 %), 3 Wiesen (= 1,53 %), 6 Holzungen (= 3,1 %)
  • 1961 (Hektar): 218, davon 58 Wald (= 26.61 %)

Einwohnerstatistik

  • 1885: 108, davon 100 evangelisch (= 92,6 %), 8 katholisch (= 7,41 %)
  • 1961: 124, davon 96 evangelisch (= 77.42 %), 28 katholisch (= 22.58 %)
  • 1970: 103 Einwohner

Diagramme

Verfassung

Verwaltungsbezirk

  • 1318: Erzstift Mainz, Amt Rusteberg
  • 1341: Erzstift Mainz, Vogteibezirk Heiligenstadt
  • 1574: Kurfürstentum Mainz, Adliges Gericht Hanstein (als Lehen der Kurfürsten von Mainz)
  • 1744: Kurfürstentum Mainz, Adliges Gericht Hanstein
  • 1803-1807: Königreich Preußen, Fürstentum Eichsfeld, Oberkreis (Bezirk Heiligenstadt)
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement des Harzes, Distrikt Heiligenstadt, Kanton Gerbershausen
  • 1815: Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Heiligenstadt
  • 1945: Groß-Hessen (sowjetische Besatzungszone), Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Eichsfeld (8. August)
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen (17. September, Wanfrieder Abkommen; vgl. Gemeindeentwicklung)
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis

Witzenhausen

Gemeindeentwicklung

Wegen der Eisenbahnlinie werden im Wanfrieder Abkommen 1945 Werleshausen und Neuseesen dem Kreis Witzenhausen in der amerikanische Besatzungszone angegliedert. Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung in die Stadtgemeinde Witzenhausen, deren Stadtteil Neuseesen wurde.

Gericht

  • Bis 1849 Zubehör des Gesamtgerichs von Hanstein
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen

Herrschaft

  • Mainz, ErzbistumDer Erzbischof von Mainz und die von Rusteberg empfangen 1318 Zinsen zu Neuseesen.
  • Mainz, Erzbistum1341: Die Gebrüder von Geisleden verkaufen dem Erzbischof von Mainz unter anderem Dorf Neuseesen.
  • 1349: Der Vormund des Mainzer Domstiftes, Dompropst Kuno von Falkenstein, verpfändet mit Zustimmung Erzbischofs Heinrich von Mainz den Gebrüdern von Hanstein unter anderem Neuseesen.
  • 1374: Erzbischof Adolf von Mainz vergleicht sich mit den von Hanstein, denen unter anderem Neuseesen verpfändet ist.
  • 1376 ist Neuseesen im Besitz Thilos von Hanstein. 1535 kündigt Erzbischof Albrecht den von Hanstein die Verpfändung. 1574 erlangen die von Hanstein eine erneute Belehnung durch den Kurfürsten, die sich auf das Schloss und nicht näher spezifizierte Besitzungen bezog, zu denen Neuseesen zu zählen ist. Bis 1849 ist der Ort Zubehör des Gesamtgerichts von Hanstein.

Kirche und Religion

Ortskirchen

  • cappellanus (1362)
  • Kirche spätmittelalterlich (bez. 1556), 1. Hälfte 19. Jahrhundert erweitert

Pfarrzugehörigkeit

Ursprüchlich kirchlich zu Kirchgandern.
Werleshausen und Neuseesen gehörten früher zur Kirchenprovinz Sachsen und wurden ab 1945 vorläufig von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck verwaltet. 1974 wurden sie vertraglich im Tausch gegen die Kirchengemeinden Asbach, Weidenbach und Vatterode als Filialgemeinden dem Kirchspiel Werleshausen eingegliedert.

Bekenntniswechsel

Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.

Kirchliche Mittelbehörden

1945: Filiale von Werleshausen

Wirtschaft

Mühlen

Mühle

Siehe auch

Nachnutzung

Rechtehinweise

Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Neuseesen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/6529_neuseesen> (aufgerufen am 04.05.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/6529