Neuerode

Die Lage von Neuerode im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
4 km nördlich von Eschwege gelegen
Lage und Verkehrslage
Im Wesentlichen aus zwei Straßen (Steinweg und Schulgasse) bestehendes Dorf mit geringer Siedlungsdichte am Südhang des Meinhard, unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zum Freistaat Thüringen. Kern des Ortes mit Anger, Kirche und Meierei. Durch den Ort führt in N-S-Richtung die L 3424, die Hitzelrode im Norden mit Grebendorf im Süden verbindet.
Ersterwähnung
980
Siedlungsentwicklung
1413 war das Dorf scheinbar wüst, vielleicht noch 1435
Vorbemerkung Historische Namensformen
Zur Datierung der Ersterwähnung auf das Jahr 980 s. Eckhardt, Wipperode – Vierbach – Wehretal, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 88 (1980/81), S. 45-49
Historische Namensformen
- Nuwenrot, in; Nuinroth (vel Nivenroht) (980) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 2, S. 342, Bl. 183 v; Pistorius, Ioannes: Rerum Germanicarum veteres, S. 586, mit falscher Datierung auf 978]
- Nuwenrode, in (um 1160) [Kopiar Codex Eberhardi 2, S. 306, Bl. 160 v]
- Nuwenrode (1345) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 36, Nr. 69]
- Nuwenrade 1365) [J. Schminke, Das ehemalige Gericht Jestädt, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 10 (1865), S. 23]
- Nuwerod, daz (um 1376) [Vogtherr, Ältestes Lehnbuch der Landgrafschaft Hessen, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 37 (1987), S. 25-71, hier S. 42 (54)]
- Nuwenrode (1396) [Kop. HStAM Bestand K Nr. 432, Bl. 291r-293r]
- Nuerode (1418) [J. Schminke, Das ehemalige Gericht Jestädt, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 10 (1865), S. 6-7]
- Nauenrodt (1585) [Der ökonomische Staat, S. 79]
- Neuenrode (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 10]
- Neueroda (1747/48) [HStAM Bestand 49 d Nr. Eschwege 68]
- Neuenrode (1803)
Bezeichnung der Siedlung
- villa (980)
- mons (um 1376)
- Dorffe (1396)
- Dorfschaft (1747/48)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Umlegung der Flur
1926
Älteste Gemarkungskarte
1802/1804
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3573851, 5676850
UTM: 32 U 573748 5675019
WGS84: 51.221787° N, 10.056049° O
Statistik
Ortskennziffer
636007060
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 446, davon 185 Acker (= 41.48 %), 13 Wiesen (= 2.91 %), 183 Holzungen (= 41.03 %)
- 1961 (Hektar): 458, davon 142 Wald (= 31.00 %)
Einwohnerstatistik
- 1585: 30 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
- 1747: 44 Haushaltungen (Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen)
- 1885: 354, davon 352 evangelisch (= 99.44 %), 2 katholisch (= 0.56 %)
- 1961: 497, davon 454 evangelisch (= 91.35 %), 37 katholisch (= 7.44 %)
- 1970: 543
- Mitte 15. Jahrhundert: 23 Häuser (Schmincke)
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1418: Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, Gericht Jestädt (Lehen der von Boyneburg-Hohenstein)
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederfürstentum, Amt Eschwege, Gericht Boyneburg
- 1747/48: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Eschwege, Adelig Boyneburgisch-Hohensteinisches Gericht
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Eschwege
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Eschwege
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt, Kanton Wanfried
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Eschwege
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis
Altkreis
Eschwege
Gemeindeentwicklung
Am 1.4.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform in die Gemeinde Meinhard eingegliedert, deren Ortsteil Neuerode seitdem ist.
Gericht
- Im 15. Jahrhundert zählte das Dorf zum Gericht Jestädt der von Boyneburg-Hohenstein.
Gerichtsstätten in Hessen: Gerichtsplatz in Neuerode. - 1822: Kurfürstliches Justizamt Eschwege
- 1834: Kurfürstliches Justizamt Eschwege II
- 1867: Amtsgericht Eschwege
- 1879: Amtsgericht Eschwege
Herrschaft
- Um 1376 ist der Berg (mons!) Neuerode als landgräfliches Burgmannenlehen ausgetan. Durch komplizierte Besitz- und Lehnsverhältnisse kommt es im 15./16. Jahrhundert wiederholt zu Streitigkeiten um unterschiedliche Ansprüche in Neurode. Bereits 1413 gehört das damals scheinbar wüste Dorf den von Boyneburg-Hohenstein, die es an den Amtmann zu Bilstein verpfänden. 1435 will Hans von Bodenhausen seinen Schwägern Heimbrod, Rabe und Reinhard von Boyneburg, genannt von Hohenstein, die ihm versetzten Dorfwüstungen Jestädt, Tudenhausen und Neuerode wieder zu lösen geben (HStAM Bestand Urk. 49 Nr. 375).
- 1498 erteilt Herzog Heinrich von Braunschweig-Lüneburg dem Jost von Eschwege seine Zustimmung zum Verkauf der von ihm lehnsrührigen Güter in und um Jestädt - darunter auch Neuerode - an die Brüder Raben, Heimbrod und Heinrich von Boyneburg genannt von Hohenstein. Das Lehnsverhältnis besteht in der Folge fort. Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg belehnt 1532 Heimbrod von Boyneburg genannt von Hohenstein zugleich für seine Verwandten Reinhard, Hermann Joachim, Jost, Joseph und Heimbrod von Boyneburg mit den Dörfern und Gütern Tudenhausen, Neuerode und Motzenrode samt Zubehör, sowie mit dem Dorf Jestädt (HStAM Bestand Urk. 115 Nr. 196).
- Zur weiteren Entwicklung der Herrschafts- und Gerichtsverhältnisse vgl. Jestädt
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 980 übergibt ein gewisser Ertag dem Kloster Fulda u.a. die Dörfer 'Wichbraterod' (Wipperode) und 'Nuwenrot' (Neuerode). Einkünfte sind dort um 1160 nachgewiesen. 1396 leihen Dechant und Konvent des Stifts Fulda dem Pfarrer zu Dudenrode auf Lebenszeit u.a. Einkünfte aus Neuerode.
- Die Kirchen Jestädt und Grebendorf hatten geringen grundherrlichen Besitz, außerdem das Eschweger Cyriacusstift.
Zehntverhältnisse
1365 verpfändet Bodo von Boyneburg dem Ritter Reinhard Keudell viereinhalb Mark jährlichen Zinses an seinem Gut zu Jestädt und an seinem Zehnten (theyzmen) zu Tudenhausen und Neuerode.
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Der Ort besaß 1365 eine Kapelle.
- Dorfkirche mit romanischen Bauteilen im querrechteckigem Turmerdgeschoss, Langhaus Ende 16. Jahrhundert angefügt, 1981 renoviert.
Pfarrzugehörigkeit
1585 und auch 1872 Filial von Jestädt, 1994 Filial von Grebendorf
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.
Kultur
Schulen
1910 Volksschule mit zwei Klassen
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Nachweise
Literatur
- 1000 Jahre Neuerode
- Diehl, Adelsherrschaft im Werraraum, S. 111
- K. Kollmann, "Grafen Wigger" und die Grafen von Bilstein, S. 222 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 348
- Karl G. Bruchmann, Kreis Eschwege, S. 57-68
- Denkmaltopographie Werra-Meißner-Kreis 1, S. 222 - 228
- J. Schminke, Das ehemalige Gericht Jestädt, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 10 (1865), 1-39
Weblinks
Siehe auch
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Orte
Personen
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Neuerode, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/6519_neuerode> (aufgerufen am 19.06.2026)
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