Wethen

Die Lage von Wethen im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
13 km nordöstlich von Bad Aroslsen
Lage und Verkehrslage
Geschlossenes Dorf mit einfachem Grundriss auf weitgehend flachem Plateau südwestlich der Diemel, unmittelbar an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen (Kreis Höxter). Kirche in zentraler Lage. Verbindungsstraßen nach Rhoden, Germete und zur A 44, B 7 und zur B 252.
Ersterwähnung
976-979
Historische Namensformen
- Whetiun, in; Wetiun, in (um 976-979) [Abschrift 15. Jahrhundert Traditiones Corbeienses, § 366 und § 370, S. 140-141, vgl. Schütte, Mönchslisten, S. 256-257]
- Wedin, in (Anfang 11. Jahrhundert) [Corveyer Heberolle, Abschrift 15. Jahrhundert Kaminsky, Reichsabtei Corvey, S. 197-198, § III, 21]
- Weten, de (1147) [Kopiar Regesta historiae Westfaliae 2: Vom Jahre 1126 bis 1200, Urkundenbuch, S. 50, Nr. 263]
- Weten, de (1195) [Kop. 14. Jahrhundert Regesten der Erzbischöfe von Köln 2, S. 301-302, Nr. 1496]
- Wethen, de (vor 1199) [Kindlinger, Münsterische Beiträge zur Geschichte Deutschlandes, hauptsächlich Westfalens, Bd. 3,1, Urkunden S. 35-38, Nr. 13, hier S. 37; vgl. Johannes Bauermann, Die Anfänge der Prämonstratenserklöster Scheda und St. Wiperti-Quedlinburg, in: Von der Elbe bis zum Rhein. Aus der Landesgeschichte Ostsachsens und Westfalens. Gesammelte Studien, S. 301-358, hier S. 356]
- Wethen, de (1225) [Abschrift Spilcker, Geschichte der Grafen von Everstein und ihrer Besitzungen, Urkundenbuch, S. 52-56, Nr. 41]
- Wethen, de (1234) [Urkunden Kloster Hardehausen, S. 95-96, Nr. 68]
- Widene, in (1314) [Urkunden Kloster Bredelar, S. 132-133, Nr. 186]
- Wetthen, apud (1292) [Gudenus, Codex diplomaticus sive anecdotorum 3, S. 877-878, Nr. 559 = HStAD Bestand A 2 Nr. 133/2, jedoch nicht eingesehen]
- Weten (1295) [HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 4365]
- Weten (1327) [Urkunden Kloster Hardehausen, S. 473-474, Nr. 647]
- wetene, tho (1339) [Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg, Bd. 1, S. 331-332, Nr. 652]
- Weiten (1537) [HStAM Bestand 127 Nr. 3]
- Weten (1733) [HStAD Bestand P 23 Nr. 56]
Bezeichnung der Siedlung
- villa (1327)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Audaxen
- Diemelgau
- Kibitzmühle
- Reckene
- Teichmühle
- Wethen (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
Burgen und Befestigungen
Älteste Gemarkungskarte
1856
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3505339, 5706361
UTM: 32 U 505263 5704518
WGS84: 51.491786° N, 9.07581° O
Statistik
Ortskennziffer
635008080
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 1229, davon 641 Acker (= 52.16 %), 59 Wiesen (= 4.80 %), 352 Holzungen (= 28.64 %)
- 1961 (Hektar): 1228, davon 382 Wald (= 31.11 %)
Einwohnerstatistik
- 1541: 31 Häuser
- 1620: 41 Häuser
- 1650: 33 Häuser
- 1738: 50 Häuser
- 1770: 81 Häuser, 361 Einwohner
- 1885: 440, davon 439 evangelisch (= 99.77 %), 1 katholisch (= 0.23 %)
- 1895: 430, davon 428 evangelisch (= 99.53 %), 2 katholisch (= 0.47 %)
- 1961: 469, davon 397 evangelisch (= 84.65 %), 63 katholisch (= 13.43 %)
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1339,1390 und 1481: Grafschaft Waldeck, Amt Rhoden
- 1537: Grafschaft Waldeck, Amt Rhoden
- 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Rhoden
- 1755/57: Fürstentum Waldeck, Amt Rhoden
- bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Rhoden
- 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Diemel (Sitz in Arolsen)
- 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Diemel (Sitz in Rhoden)
- 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Twiste (Sitz bis 1857 in Mengeringhausen, dann in Arolsen)
- 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis der Twiste
- 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Twiste
- 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg
Altkreis
Waldeck
Gemeindeentwicklung
Am 1.11.1970 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Rhoden und Wrexen zur Stadt Diemelstadt zusammen. Am 31.12.1970 schlossen sich die Gemeinden Ammenhausen, Dehausen, Helmighausen, Neudorf und Wethen der Stadt Diemelstadt an. Ab 31.12.1971 wurden die Gemeinden Hesperinghausen und Orphetal Stadtteile von Diemelstadt.
Gericht
- 1537: Freistuhl Mengeringhausen
- 1816: Oberjustizamt der Diemel (Sitz in der Stadt Rhoden)
- 1850: Kreisgericht Arolsen
- 1868/69: Amtsgericht Arolsen
Herrschaft
- 1286 verpfändet Graf Otto I. dem Hermann von Kalenberg die Hälfte der Vogtei in Wethen. Im 13. Jahrhundert hat das St. Johannesstift in Mainz Besitz in Wethen, der 1295 an die Grafen von Waldeck fällt. 1339 verschreibt Graf Heinrich IV. von Waldeck seiner Schwiegertochter Mechthild von Braunschweig zur Leibzucht Burg und Stadt Rhoden mit Renten u.a. aus Wethen. 1390 verpfändet Graf Heinrich von Waldeck Schloß und Stadt Rhoden mit Gütern u.a. zu Wethen an Kurt Spiegel vom Desenberg. 1500 hat der Graf von Waldeck in Wethen Gulde, Gerichte, Zinsen und Gefälle.
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- Vgl. auch Herrschaft.
- Ende des 10. Jahrhunderts schenkt Siboda dem Kloster Corvey eine Familie in Wethen.
- Nach der Corveyer Heberolle aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts gehört Wethen zur Villikation Mühlhauusen und ist an zinspflichtige Bauern ausgetan (Kaminsky, Reichsabtei Corvey, S. 33).
- 1348 verkauft Kloster Neu-Küstelberg (Glindfeld) „aus Not“ dem Kloster Bredelar seinen Hof, seine Kotten und Hufen mit Einkünften in Wethen. 1349 überlässt Bredelar Kloster Glindfeld seinen Hof in Wethen. 1383 verkaufen die Brüder Hersinckhusen dem Kloster einen Kotten in Wethen. 1419 verkaufen die Losekin dem Kloster ihren Hof zu Wethen.
Zehntverhältnisse
1314 verzichtet Johannes gen. Billinghausen auf den Zehnten in Wethen zugunsten von Propst und Konvent zu Marsberg. In den Jahren 1327 bis 1345 erwirbt das Kloster Hardehausen Teile des Zehnten. 1537 hat es ihn noch in Besitz.
Ortsadel
1147
Kirche und Religion
Ortskirchen
- 1225: Pleban
- 1292: Kirche (ecclesia)
- Krypta aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, Westturm der Kirche aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhalten. Das mittelalteriche Kirchenschiff wird 1812 abgetragen und auf dessen unteren Mauerlagen 1812 ein schlichter Fachwerksaalbau errichtet
Patrozinien
- Paulus
Pfarrzugehörigkeit
Seit dem Mittelalter Pfarrort ohne Fililal.
Patronat
1292 ist die Kirche im Besitz des Johannesstifts in Mainz nachgewiesen, von dem sie 1295 Graf Otto von Waldeck erwirbt (vgl. Herrschaft)
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation nach 1539, zu diesem Zeitpunkt lebte Joachim Grimpe, vermutlich der letzte katholische Priester.
Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Werner Genten 1563-1613
Kirchliche Mittelbehörden
Bereits 1231 und bis 1530: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Warburg
Juden
1802: 1 Familie; 1826: 2 Familien (5 Personen); 1847: 1 Familie (1 Person)
Kultur
Schulen
1647 Johannes Flamme als erster namentliche bekannter Lehrer; altes Schulhaus bis 1855 nahe der Kirche; 1863 Neubau, Unterricht durch einen Hauptlehrer für zwei Klassen; 1975 Schließung der Dorfschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Historische Ereignisse
Großbrand im Jahre 1783
Nachweise
Literatur
- Wethen. Waldeckische Ortssippenbücher 91
- Müller, Zisterzienserabtei Bredelar, S. 243
- Böckmann, St. Johannes Baptista, Anhang, S. 75-76
- Bau- und Kunstdenkmäler Kassel N.F. 2 (Kreis der Twiste), S. 243-249
- Knappe, Burgen in Hessen, S. 135
- Bockshammer, Grafschaft Waldeck, S. 177-187
- Baum, Die evangelischen Geistlichen, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont 39 (1939), S. 109
- Berbüsse, Geschichte der Juden in Waldeck. Emanzipation und Antisemitismus vor 1900, S. 41
Weblinks
Siehe auch
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Orte
Personen
Quellen und Materialien
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Wethen, Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/1868_wethen> (aufgerufen am 11.04.2026)
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