Heringhausen

Die Lage von Heringhausen im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
14 km nordwestlich von Korbach
Lage und Verkehrslage
Am östlichen Ufer des Diemelarms des Diemelstausees gelegen. Kirche am Nordwestrand in der Nähe des Diemelsees. Die Verbindungsstraße L 3078 nach Adorf führt durch den Ort.
Ersterwähnung
1023
Vorbemerkung Historische Namensformen
Bei den älteren Belegen nicht eindeutig zu entscheiden, auf welchen Ort sie zu beziehen sind. In Frage kommen neben Höringhausen das gleichnamige Heringhausen in der Gemeinde Bestwig, Hochsauerlandkreis (vgl. Ortsnamen Hochsauerlandkreis, S. 240-241) sowie Herdinchusen (Wüstung) und Herringhausen im Kreis Soest (vgl. Ortsnamen Kreis Soest, S. 222 ff)
Historische Namensformen
- Hardinghuson (1023) [MGH Diplomata IV, Könige 3, Heinrich II. : Bresslau, S. 621-622, Nr. 487]
- Hardinchusun (1023) [Vita Meinwerci, hrsg. von Guido M. Berndt, S. 218-219, Cap. 188 (hier in Anm. 753 auf Heringhausen, Ortsteil der Gemeinde Bestwig lokalisiert), Vita Meinwerci, in:MGH Scriptores 11: Pertz, Historiae aevi Salici, S. 151, Cap. 191]
- Heringhusen (1348) [Abschrift Urkunden der Propstei Marsberg, S. 115, Nr. 177]
- Horinchusen (1422) [Abschrift Urkunden Kloster Bredelar, S. 248, Nr. 539]
- Herenckhausen (1537) [HStAM Bestand 127 Nr. 3]
- Heringhausen (1733) [HStAD Bestand P 23 Nr. 56]
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3481358, 5692126
UTM: 32 U 481291 5690289
WGS84: 51.363557° N, 8.731276° O
Statistik
Ortskennziffer
635007060
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 600, davon 175 Acker (= 29.17 %), 91 Wiesen (= 15.17 %), 188 Holzungen (= 31.33 %)
- 1961 (Hektar): 608, davon 170 Wald (= 27.96 %)
Einwohnerstatistik
- 1541: 14 Häuser
- 1620: 20 Häuser
- 1738: 20 Häuser
- 1770: 22 Häuser, 141 Einwohner
- 1885: 289, davon 287 evangelisch (= 99.31 %), 2 katholisch (= 0.69 %)
- 1895: 299, davon 297 evangelisch (= 99.33 %), 2 katholisch (= 0.67 %)
- 1961: 248, davon 226 evangelisch (= 91.13 %), 18 katholisch (= 7.26 %)
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1489: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg, Herrschaft Padberg
- 1546: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg
- 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
- 1755/1757: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
- bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Eisenberg
- 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Korbach)
- 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt Eisenberg (Sitz in Korbach)
- 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs
- 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis des Eisenbergs
- 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
- 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg
Altkreis
Waldeck
Gemeindeentwicklung
Am 31.12.1971 als Ortsteil in die neu gegründete Gemeinde Diemelsee eingemeindet.
Gericht
- 1537/1541: Gogericht Flechtdorf
- 1814: Oberjustizamt des Eisenbergs in Korbach
- 1850: Kreisgericht Korbach
- 1868/69: Amtsgericht Korbach
Herrschaft
- 1489 wird Heringhausen zur Herrschaft Padberg gerechnet und gilt als Zubehör des Amtes Eisenberg im weitesten Sinne. 1497 wird Heringhausen von Kurköln für die Herrschaft Padberg beansprucht. Die Grafen von Waldeck können sich hier erst im 16. Jahrhundert gegen die Interessen von Kurköln, der Herren von Padberg und das Stift Marsberg durchsetzen.
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1023 schenkt Kaiser Heinrich II. dem Nonnenkloster Kaufungen das Gut Heringhausen.
- 1422 kauft das Kloster Bredelar einen Stall auf dem klösterlichen Gut Kerghoff zu Heringhausen.
- Um 1500 hat das Kloster Flechtdorf Einkünfte in Heringhausen. 1515 überträgt Kloster Kaufungen dem Kloster Bredelar u.a. seine zu Heringhausen liegenden Güter. 1537 haben die Herren von Padberg einen Hof in Heringhausen.
Zehntverhältnisse
1348 überträgt die Corveyer Kirche Propst und Konvent der Marsberger Kirche das Eigentumsrecht am Zehnten in Heringhausen.
1537 ist der Zehnte zwischen den Grafen von Waldeck und dem Stift Marsberg strittig.
Kirche und Religion
Ortskirchen
- 1357: Pleban
- Dreischiffige Pfeilerbasilika mit quadratischem Chor und Westturm aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Nördliches Seitenschiff 1922 erneuert, 1969 renoviert
Patrozinien
- Barbara [1526]
Pfarrzugehörigkeit
Mittelalterliche Pfarrei, 1526 werden Stormbruch, 1543 Ottlar und 1587 auch Bontkirchen als Filialen genannt. Ottlar und Stormbruch bleiben Filialgemeinden, Giebringhausen kommt 1975 vom Kirchspiel Adorf zu Heringhausen.
Patronat
1526 überlässt Kloster Kaufungen dem Kloster Bredelar das Präsentationsrecht der Pfarrei Heringhausen für 30 Jahre. Nach Einführung der Reformation hatten die Grafen von Waldeck den Patronat inne.
1602 präsentierte und investierte der Bredelarer Abt in Heringhausen Caspar Croll, der den Gottesdienst der alten katholischen Kirche und Religion gemäß zu versehen versprach.
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Johann Pistor um 1542
Kirchliche Mittelbehörden
15. Jahrhundert: Bistum Paderborn, Archidiakonat Horhausen (Niedermarsberg)
Kultur
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mühlen
Neue Mühle in Heringhausen an der Twiste, beim Bau der Diemeltalsperre 1913 stillgelegt
1895: 1 Wohnhaus mit 6 Bewohnern
Zoll
1495 errichten die Grafen von Waldeck hier gegen eine Beschwerde Kurkölns einen Zoll.
Nachweise
Literatur
- Müller, Zisterzienserabtei Bredelar, S. 75, 124-125, 234,
- Schwersmann, Benediktinerkloster Flechtdorf, S. 294,
- Bockshammer, Grafschaft Waldeck, S. 216-228,
- Bau- und Kunstdenkmäler Kassel N.F. 3 (Kreis des Eisenberges), S. 87-90,
- Langenbeck, Die evangelischen Geistlichen, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont 42 (1950), S. 67
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
- Hessische Flurnamen
- Historische Kartenwerke
- Topografie des Nationalsozialismus in Hessen
- Topografische Karten
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Heringhausen, Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/1574_heringhausen> (aufgerufen am 14.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/1574