Motzfeld

Die Lage von Motzfeld im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
10,5 km südöstlich von Bad Hersfeld
Lage und Verkehrslage
Dorf mit einfachem Grundriss und lockerer Gehöftanordnung im Bereich der Rhön nordwestlich der Burg Landeck. Kirche in zentraler Lage, der durch den Ort fließende Motzbach mündet südwestlich bei Schenksolz in die Solz. Durch den Ort führt als Hauptachse bogenförmig von Südwest nach Nordwest die K 13 (Rhönstraße) von Schenklengsfeld nach Friedewald.
Ersterwähnung
(775-786)
Historische Namensformen
- Můtesfelt (775-786) [Kopialbuch Mitte 12. Jh. Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld 1,1, Nr. 38 (2), Breviarium sancti Lulli, S. 18 und S. 23]
- Mutzfelt (1394) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 652]
- Mottesfeld (1416) [Schreibweise nach Archivregest HStAM Best. Urk. 14 Nr. 10852]
- Můdtsfeld (1571) [Abschrift 1740 HStAM Best. S Nr. 449 (Salbuch Amt Landeck)]
- Muetsfeldt (1579) [HStAM Best. S Nr. 320, Bl. 46r]
- Mutsfeldt (1585) [Der ökonomische Staat, S. 85]
- Motzfelt (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
Bezeichnung der Siedlung
- Dorf (1523, 1579)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Umlegung der Flur
1872 und 1905
Älteste Gemarkungskarte
1706
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3560403, 5635448
UTM: 32 U 560305 5633633
WGS84: 50.851251° N, 9.856684° O
Statistik
Ortskennziffer
632006040
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 489, davon 360 Acker (= 73.62 %), 76 Wiesen (= 15.54 %), 1 Holzungen (= 0.20 %)
- 1961 (Hektar): 513, davon 2 Wald (= 0.39 %)
Einwohnerstatistik
- 1571: 25 Hausgesesse
- 1585: 25 Hausgesesse
- um 1610: 25 Hausgesesse
- 1628: 25 Hausgesesse
- 1673: 23 Hausgesesse
- 1747: 46 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1826: 42 steuerpflichtig Häuser mit 221 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Schmied, 2 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Schenkwirt, 1 Wagner, 1 Zimmermann, 3 Schäfer, 3 Tagelöhner
- 1885: 299, davon 299 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
- 1961: 426, davon 345 evangelisch (= 80.99 %), 69 katholisch (= 16.20 %)
- 1970: 417
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 8. Jahrhundert: Reichsabtei Hersfeld, Thüringen
- um 1550: Reichsabtei Hersfeld, Amt Landeck
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Landeck (halb hersfeldisch)
- 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Landeck
- 1736-1742/3: Kurfürstentum Sachsen, Amt Landeck
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Landeck
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Landeck
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Landeck
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Landeck (zuletzt Amt Friedewald)
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Altkreis
Hersfeld
Gemeindeentwicklung
Am 1.8.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Friedewald eingegliedert.
Gericht
- vor 1822: Amt Landeck
- 1822: Justizamt Friedewald
- 1832: Justizamt Friedewald
- 1833: Justizamt Schenklengsfeld
- 1867: Amtsgericht Schenklengsfeld
- 1879: Amtsgericht Schenklengsfeld
- vor 1945: Amtsgericht Schenklengsfeld
- 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld
Herrschaft
Hersfeld, Kloster Die ursprünglichen Herrschaftsrechte gehen auf bereits im 8. Jahrhundert belegten Besitz der Reichsabtei Hersfeld zurück. 1335 haben die von Romrod ein hersfeldisches Burglehens zu Motzfeld. 1394 verpfänden Eberhard und Gopel von Milnrode ihre hersfeldischen Lehengüter in Motzfeld (Güter und Vorwerke) an Konrad von Romrod.Hersfeld, Kloster Mit dem Übergang zur Frühen Neuzeit ist Motzfeld ein Dorf des hersfeldischen, später landgräflichen Amts Landeck, dessen Sitz die Burg ist. Die Landgrafen von Hessen versuchen seit dem 15. Jahrhundert, ihre Herrschaft in diesem Raum auszudehnen und die Abtei zurückzudrängen. Die Herrschaft im Amt Landeck ist daher zwischen der Reichsabtei Hersfeld und der Landgrafschaft Hessen vor allem im 16. Jahrhundert strittig. Nach dem Bauernkrieg besetzte Landgraf Philipp von Hessen die Burg, die zerstört war. 1550 schloss er mit dem Hersfelder Abt einen Vertrag, der Hersfeld die Hälfte des Besitzes in Schloss und Amt Landeck überließ. 1557 wurde dieser Teil durch den Hersfelder Abt den Söhnen des Landgrafen zu Lehen überlassen. Nach dem Dreißgjährigen Krieg kommt mit dem Westfälischen Frieden das gesamte Amt endgültig 1651 an die Landgrafschaft Hessen. 1736 bis 1742/3 fällt das Dorf mit dem Amt Landeck im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen für sächsische Ansprüche an Hanau vorübergehend an Kursachsen.
Kirche und Religion
Ortskirchen
- 1734/35 Kirche als Saalbau mit dreiseitigem Schluss, Mansarddach und Dachhaubenreiter errichtet, 1978 renoviert
Pfarrzugehörigkeit
1589 versieht Hilmes als Filial von Schenklengsfeld auch Motzfeld, das 1747, 1826 und 1872 Filial von Hilmes ist, 1976 mit dessen Auflösung Filial von Friedewald
Diakonische Einrichtungen
1926 Krankenpflegestation vom Kreisfürsorgeamt eingerichtet mit einer Schwester vom Detschen Landpflegeverband 1926 eine vom Kreis angestellte Diakonisse Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 288; 1933 - 1965 Diakoniestation (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.
Kultur
Schulen
1826 ist kein Schulhaus vorhanden
1910 einklassige Volksschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Nachweise
Literatur
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 257-260
- Peter Roßkopf, Das Landecker Amt im Kreise Hersfeld, S. 35-36 (Besitzungen derer von Milnrode in Ausbach und Motzfeld und S. 304-319 (Katastervorbeschreibung)
- Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 318 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 337 f.
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Motzfeld, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3087_motzfeld> (aufgerufen am 01.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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