Hauptschwenda

Die Lage von Hauptschwenda im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
5 km nordöstlich von Neukirchen
Lage und Verkehrslage
Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss in einem flachen Talkessel am Urbach im äußersten Randbereich der Gemarkung. An der Straßenkreuzung in Ortsmitte stand 1774 eine geleitete Linde (Gemarkungskarte). Auf die Straße von Christerode nach Schwarzenborn trifft am südwestlichen Ortseingang Straße von Neukirchen. Östlich von Hauptschwenda vereinigten sich zwei frühe Höhenwege aus dem Fuldischen und dem Hersfelder Raum zu einem Strang, der nördlich an der Landsburg vorbei Richtung Westfalen führte.
Ersterwähnung
1223
Siedlungsentwicklung
Zwischen ca. 1400 und 1506 (Aufkommen der Wallfahrt, siehe Ortskirche) lag Hauptschwenda wüst.
Historische Namensformen
- Eizicheswinden (1223) (Kuchenbecker, Anal. Hass. IX Nr. 2, S. 152 ff.)
- Eyzingeswinden, de (1317)
- Eyzigeswende (1317)
- Heintzichenswende (1360/67)
- Heinzswende (1419)
- Hengeschwenge (um 1516)
- Heidtschwenge (1530)
- Hauptschwend (1551)
- Hauptschwenda
Bezeichnung der Siedlung
- wustenung 1419 (Grimm III S. 333)
Umlegung der Flur
1951/1952
Älteste Gemarkungskarte
1774
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3528666, 5639741
UTM: 32 U 528580 5637925
WGS84: 50.89228° N, 9.406365° O
Statistik
Ortskennziffer
634017030
Flächennutzungsstatistik
- 1838 (Kasseler Acker): 338 stellbares Land, 257 Wiesen, 15 Gärten, 115 Wald
- 1885 (Hektar): 186, davon 99 Acker (= 53.23 %), 70 Wiesen (= 37.63 %), 3 Holzungen (= 1.61 %)
- 1961 (Hektar): 187, davon 29 Wald (= 15.51 %)
Einwohnerstatistik
- 1585: 20 Hausgesesse
- 1639: 3 hausgesessene Männer, 5 Witwen, 10 unmündige Waisen. 1681: 9 Hausgesesse, 1 Ausschuss
- 1777: 1 Schmied, 1 Wagner, 3 Leineweber (die Ackerleute sind), 2 Tagelöhner
- 1777: 14 Wohnhäuser mit 94 Einwohnern
- 1838 (Familien): 13 Ackerbau, 5 Gewerbe, 4 Tagelöhner
- 1861: 128 evangelisch-reformierte Einwohner
- 1885: 126, davon 126 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
- 1961 (Erwerbspersonen): 45 Land- und Forstwirtschaft, 30 produzierendes Gewerbe, 2 Handel und Verkehr, 18 Dienstleistungen und Sonstiges
- 1961: 182, davon 171 evangelisch (= 93.96 %), 10 katholisch (= 5.49 %)
- ca. 1400 bis 1506: wüst
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1366 und später: Gericht (Amt) Oberaula (fuldischer Anteil)
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Neuenstein
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Neuenstein
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Schwarzenborn
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Oberaula
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
- 1866/67: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis
Altkreis
Ziegenhain
Gemeindeentwicklung
Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung in die Stadtgemeinde Neukirchen, deren Stadtteil Hauptschwenda wurde.
Gericht
- 1822: Justizamt Neukirchen
- Seit 1867: Amtsgericht Neukirchen
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1223 berichtet der Ritter Giso von Schrecksbach dem Abt von Fulda, dass sein Großvater Ezilin zu seinem Seelenheil Kloster Spieskappel einige Güter zu Wilsberg und Falkenhain geschenkt und den Zehnten dieser Güter in drei Teile geteilt habe, wovon er zwei für sich behalten und den dritten der Kapelle zu Hauptschwenda zugewiesen hatte. Da die zwei Teile des Zehnten vor langer Zeit ihm (Giso) erblich zugefallen waren, lässt er sie dem Abt als Lehnsherrn auf mit dem Wunsch, sie Spieskappel zu schenken.
Zehntverhältnisse
Indirekt vgl. Besitz
Kirche und Religion
Ortskirchen
- capella 1223 (siehe Besitz)
- Um 1506 ist die Kirche zugleich Wallfahrtskirche (bis zur Reformation). Die 1506 als neu bezeichnete Wallfahrt knüpfte sich an ein Marienwunder am Brunnen unter den Linden des damals wüsten Hauptschwenda und an die Heilkraft des Brunnenwassers.
- Kirche 1537 in Teilen abgebrochen
Patrozinien
- Anna
Pfarrzugehörigkeit
1223 und später Filialkirche von Oberaula Seit 1900: Filiale von Olberode
Bekenntniswechsel
Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.
Kultur
Schulen
1910 einklassige Volksschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mühlen
1777 befindet sich in Hauptschwenda eine Mühle mit einem oberschlächtigen Mahlgang; das Mühlwasser wurde in einem Teich aufgestaut.
Nachweise
Literatur
- Giebel, Hauptschwenda
- Schäfer, Hauptschwenda, S. 122-129
- Historisches Ortslexikon Ziegenhain, S. 69 f.
- Kleinfeldt, Kirchenorganisation, S. 59
Siehe auch
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Orte
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Hauptschwenda, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/4604_hauptschwenda> (aufgerufen am 14.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/4604