Frankenhain

Die Lage von Frankenhain im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
2,5 km nordwestlich von Treysa
Lage und Verkehrslage
Zweizeiliges Straßendorf nach Planschema auf einem Feldrücken, der im Norden und Nordwesten steil in das bewaldete Katzenbachtal abfällt, nach Südwesten dagegen zur Offenlandschaft des Schwalm- und Wieratales sich sanfter neigt. Straßenanschluss zur Straße Sachsenhausen - Treysa.
Ersterwähnung
1701
Siedlungsentwicklung
Auf Anweisung der landgräflichen Regierung wird 1701 die Hugenottenkolonie Frankenhain angelegt, die zur Aufnahme eines Teils der 1699 nach Treysa gekommenen 100 Hugenottenfamilien aus der Dauphiné und dem Languedoc dienen sollte. Die planmäßige Gründungsanlage bestand aus einer ca. 300 m langen Häuserzeile in gerader Fluchtlinie, die 1723 6 Einzel- und 6 Doppelhäuser mit 18 Besitzeinheiten (Portionsländereien) umfasste. Als Bau- und Wirtschaftsgelände waren den Siedlern (ursprünglich wohl 14 Familien) Trieschflächen zugewiesen worden, die bislang von der Stadt Treysa genutzt waren und wohl als Teil der Flur der Wüstung Rückershausen (s. d.) anzusehen sind. Namengebend für die Kolonie wurde der angrenzende Wald Frankenhain mit der ca. 1,5 km östlich von der Kolonie gelegenen Wüstung Frankenhain (s. d.). Am nordöstlichen Ortsende befindet sich seit 1754 die Kirche. Bauliche Erweiterungen der Siedlung erfolgten zunächst in westlichem Anschluss an die vorhandene Häuserzeile, später auch im Osten sowie auf der zunächst freigebliebenen südlichen Straßenseite, deren Verbauung sich erst allmählich vollzogen hat. 1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Jesberg.
Bezeichnung der Siedlung
- Colonie 1701
Burgen und Befestigungen
- Auf Anweisung der landgräflichen Regierung wird 1701 die Hugenottenkolonie Frankenhain angelegt, die zur Aufnahme eines Teils der 1699 nach Treysa gekommenen 100 Hugenottenfamilien aus der Dauphiné und dem Languedoc dienen sollte.
- Die planmäßige Gründungsanlage bestand aus einer ca. 300 m langen Häuserzeile in gerader Fluchtlinie, die 1723 6 Einzel- und 6 Doppelhäuser mit 18 Besitzeinheiten (Portionsländereien) umfasste. Als Bau- und Wirtschaftsgelände waren den Siedlern (ursprünglich wohl 14 Familien) Trieschflächen zugewiesen worden, die bislang von der Stadt Treysa genutzt waren und wohl als Teil der Flur der Wüstung Rückershausen (s. d.) anzusehen sind. Namengebend für die Kolonie wurde der angrenzende Wald Frankenhain mit der ca. 1,5 km östlich von der Kolonie gelegenen Wüstung Frankenhain (s. d.). Am nordöstlichen Ortsende befindet sich seit 1754 die Kirche.
- Bauliche Erweiterungen der Siedlung erfolgten zunächst in westlichem Anschluss an die vorhandene Häuserzeile, später auch im Osten sowie auf der zunächst freigebliebenen südlichen Straßenseite, deren Verbauung sich erst allmählich vollzogen hat.
Umlegung der Flur
1932/1936
Älteste Gemarkungskarte
1723
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3511008, 5643238
UTM: 32 U 510929 5641421
WGS84: 50.92432° N, 9.155504° O
Statistik
Ortskennziffer
634022050
Flächennutzungsstatistik
- 1838 (Kasseler Acker): 273 stellbares Land, 28 Gärten
- 1885 (Hektar): 106, davon 65 Acker (= 61.32 %), 31 Wiesen (= 29.25 %), 0 Holzungen
- 1961 (Hektar): 167, davon 40 Wald (= 23.95 %)
Einwohnerstatistik
- 1701: wohl 14 Familien
- 1742: 22 Familien
- 1742: 8 Strumpfweber, 2 Zeugmacher, 1 Leineweber, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Schlosser, 2 Strumpfwebergesellen
- 1780: 12 Familien, 105 Einwohner, davon 5 Bauern, 12 Handwerker, davon 8 mit mehr als 0,5 ha Land, 3 Tagelöhner
- 1834: 226, 1885: 204 Einwohner
- 1838 (Familien): 9 Ackerbau, 14 Gewerbe, 21 Tagelöhner.
- 1861: 219 evangelisch-reformierte Einwohner
- 1885: 204, davon 204 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
- 1925: 225, 1939: 201, 1950: 322, 1961: 233 Einwohner
- 1961 (Erwerbspersonen): 70 Land- und Forstwirtschaft, 38 produzierendes Gewerbe, 14 Handel und Verkehr, 8 Dienstleistungen und Sonstiges
- 1961: 233, davon 233 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1687-1800: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Französische Kanzlei (ursprünglich Französische Kommission, dann Französische Kanzlei, ab 1778 offiziell Französische Justizkanzlei)
- 1800-1803: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Oberhessen, Amt Schönstein
- 1803-1807: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Schönstein
- 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Treysa
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Treysa
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis
Altkreis
Ziegenhain
Gemeindeentwicklung
Am 31.12.1970 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform der Zusammenschluss mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Stadtgemeinde Schwalmstadt, deren Stadtteil Frankenhain wurde.
Gericht
Herrschaft
- Bis 1800 war die Kolonie direkt der französischen Kanzlei bei der landgräflichen Regierung in Kassel unterstellt.
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Französischer Prediger 1703 genannt. Er hielt den Gottesdienst für die Hugenotten aus Treysa und Frankenhain in der Hospitalkirche von Treysa.
- 1754 erhielt Frankenhain eine eigene Pfarrkirche am Ort.
- Bis 1800 Gottesdienst in französischer Sprache, seit 1800 abwechselnd in deutscher und französischer Sprache; seit 1826 wurde nur noch deutsch gepredigt.
Pfarrzugehörigkeit
Seit 1810 war Frankenhain Vikariat von Treysa
Seit 1900: Filiale von Rommershausen
Bekenntniswechsel
1701 Gründung einer französisch-reformierten Gemeinde
Kultur
Schulen
1910 einklassige Volksschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mangels ausreichender Grünland- und Hüteflächen hielt sich die Landwirtschaft in Frankenhain stets in bescheidenem Rahmen. Beachtenswert der 1716 nachweisbare, seinerzeit in Hessen unübliche Anbau spezieller Gemüsesorten wie Spinat, Poree, Knoblauch und Salat durch die hugenottischen Siedler.
Die Erstsiedler waren zumeist Strumpfmacher (Einführung des Strumpfwirkstuhls).
1742: 10, 1780: 8, 1818: 18 Strumpfweber
Daneben auch Hutmacher
Gegen Ende 19. Jahrhundert verschwinden die spezifischen handwerklichen Berufe der Hugenotten.
Nachweise
Literatur
- Giebel, Hugenottensiedlung, S. 67 ff.
- Zögner, Hugenottendörfer in Nordhessen, insbesondere S. 168-180 (Pläne)
- Vogt, Ansiedlungen französischer Glaubensflüchtlinge, S. 170-174
- Kadell, Hugenotten in Hessen-Kassel
- Historisches Ortslexikon Ziegenhain, S. 41 f.
- H. Cronjaeger, Treysa/Frankenhain In: J. Desel, W. Mogk, Hugenotten und Waldenser in Hessen-Kassel (1978) = Monographia Hassiae 5, S. 276-295
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
Personen
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Frankenhain, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/4578_frankenhain> (aufgerufen am 15.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/4578