Lengers

Die Lage von Lengers im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
20,5 km östlich von Bad Hersfeld
Lage und Verkehrslage
Kleines Dorf mit einfachem Grundriss und lockerer Gehöftanordnung östlich entlang der Werra, dicht an der Grenze zum heutigen Freistaat Thüringen. Hauptachse ist die durch den Ort führende Landecker Straße (L 3172), von der Verbindungen abgehen, im Süden des Ortes führt die L 3306 über die Werra zum gegenüberliegenden Wölfershausen. Die Kirche befindet sich in zentraler Lage. Jüngere regelhafte Siedlungsausdehnung im Zuge des Kalibergbaus entlang des Werraufers nach Norden Richtung Heringen sowie nach Süden. Zur Gemarkung gehörte der auf der gegenüberliegenden Werraseite gelegene Bahnhof der Eisenbahnlinie Gerstungen – Vacha ("Werratalbahn I") von 1904 bis zur endgültigen Stilllegung der Strecke 1986 (Die Teilstrecke Dankmarshausen - Heringen wurde am 30.3.1904 eröffnet, die Teilstrecke Heringen - Vacha am 2.10.1905).
Ersterwähnung
1396
Historische Namensformen
- Lengerichs (1396) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 675]
- Lengerich (1402) [HStAM Best. Urk. 114 Nr. 50]
- Lenderichs (1432) [HStAM Urk. 13, Nr. 5425]
- Lengers (1553) [Friedewalder Salbuch HStAM S Nr. 318]
- Lengers (1585) [Der ökonomische Staat, S. 80]
- Lengers (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Lengers (1747) [Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105]
Bezeichnung der Siedlung
- Vorwerk (1402)
- Dorf (1432, 1553)
- Dorf, Dorfschaft (1768)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Bahnhof
- Laudenbach
- Mespens
- Wintersburg
- Wintersburg
- Wintersburg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
Umlegung der Flur
1884-1887
Älteste Gemarkungskarte
1704
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3570208, 5636999
UTM: 32 U 570106 5635184
WGS84: 50.864086° N, 9.996194° O
Statistik
Ortskennziffer
632009060
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 372, davon 200 Acker (= 53.76 %), 70 Wiesen (= 18.82 %), 3 Holzungen (= 0.81 %)
- 1961 (Hektar): 371, davon 36 Wald (= 9.70 %)
Einwohnerstatistik
- 1585: 46 Haushaltungen (Der ökonomische Staat, S. 80)
- 1747: 39 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1768: 42 steuerpflichtige Häuser mit 216 Menschen; Gewerbetreibende: 2 Zimmerleute, 2 Schneider, 1 Korbmacher, 1 Feldscherer, so zugleich Schule hält, 2 Wollkämmer, 3 Leinweber, 1 Schmied, 13 Tagelöhner und Tagelöhnerinnen, 1 Müller
- 1885: 298, davon 298 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
- 1961: 918, davon 811 evangelisch (= 88.34 %), 105 katholisch (= 11.44 %)
- 1970: 1120
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1432: Landgrafschaft Hessen, Amt Friedewald, Gericht Heringen
- 1553: Landgrafschaft Hessen, Gericht/Amt Friedewald
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederfürstentum, Amt Friedewald, Gericht Heringen
- 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald, Unteramt
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Friedewald
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Heringen
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Friedewald
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Altkreis
Hersfeld
Gemeindeentwicklung
Am 31.12.1970 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Heringen (Werra) eingegliedert.
Gericht
- 1822: Justizamt Friedewald
- 1867: Amtsgericht Friedewald
- 1879: Amtsgericht Friedewald
- vor 1945: Amtsgericht Friedewald
- 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld
Herrschaft
- Spätestens seit dem 15. Jahrhundert wird das gesamte Amt Friedewald mit dem Untergericht Heringen als landgräflich betrachtet. 1432 verkaufen Grete, Witwe des Kurt von Heringen, und ihr Sohn Heinrich von Heringen das Gericht Heringen für 2.100 Gulden an Landgraf Ludwig von Hessen, wobei der das Dorf Lengers explizit genannt wird. In der Folge, so 1553 und 1768, ist Lengers vollumfänglich landgräflich.
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- 1396 verpfänden die Vettern Friedrich und Konrad von Heringen der Äbtissin Mechthild und dem Konvent zu Kreuzberg ihre Sandmühle vor Vacha mit weiteren Gütern, darunter Lengers, für 600 Gulden. 1402 verkaufen Fritz und Kurt von Heringen an Gottschalk von Buchenau wiederkäuflich ihr Vorwerk am "Lengerich" für 100 Gulden
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Kirche 1766 als kleiner Saalbau mit eingestelltem Frontturm an der Stelle eines Vorgängerbaus aus dem 16. Jh. errichtet, 1926 renoviert
Pfarrzugehörigkeit
1585, 1747, 1872 Filial Heringen. 1950 wird die neue Pfarrei Wölfershausen-Lengers errichtet, zu der Lengers als Filial und Harnrode gehören. Letzteres scheidet 1958 wieder aus und wird nach Heimboldshausen umgepfarrt.
Bekenntniswechsel
Da Filial von Heringen, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Heringer Pfarrer Caspar Mosebach ab 1526.
Kultur
Schulen
1658 wird ein Schulmeister erwähnt, 1768 ist ein Schulhaus vorhanden
1910 einklassige Volksschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mühlen
1768 ist eine Mahl- und Schneidmühle belegt, die über ein unterschlägiges Wasserrad mit dem Wasser der Werra betrieben wird. Die Mühle am Westrand von Lengers wird 1903/4 von der Gewerkschaft Winterhall übernommen und zu einer neuzeitlichen Wasserkraftanlage mit zwei Turbinen ausgebaut. Die gewonnene Energie wurde zum 3,5 km entfernten Schacht weitergeleitet, außerdem wurde hierüber die Gemeinde Lengers mit Strom versorgt.
Nachweise
Literatur
- Festschrift 600 Jahre Lengers
- Scholz, Wasser- und Windmühlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, S. 95-96
- Schellhase, Kreis Rotenburg, S. 238 (Register)
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 400-403
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 299
- Fundberichte aus Hessen 1986, S. 554 (Sippel)
- Classen, Kirchliche Organisation, S. 258
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
Personen
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Lengers, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3265_lengers> (aufgerufen am 31.10.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/ol/3265