Kerspenhausen

Die Lage von Kerspenhausen im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
7 km südwestlich von Bad Hersfeld an der Fulda
Lage und Verkehrslage
Dorf mit regelhaftem Grundriss unmittelbar am rechten Ufer der Fulda am Zufluss des Hahnenbaches. Kirche in zentraler Lage als Kern der Siedlung, die sich kranzförmig mit radial ausstrahlenden Straßen entwickelte. Durch den Ort führt als Hauptachse die L 3432 (Roßbachstraße). Jüngere regelhaft angelegte Wohnsiedlung im Südwesten und im Nordosten
Ersterwähnung
1146
Siedlungsentwicklung
1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Hersfeld-Wippershain.
Historische Namensformen
- Crispenhusun, de (1146) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 2336; Druck: Wenck, Hessische Landesgeschichte 3 Urkundenbuch S. 68, Nr. 68]
- Crispenhusen, de (1217) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 2; Druck: Wenck, Hessische Landesgeschichte 3, Urkundenbuch S. 96, Nr. 98]
- Kirspenhusen, de (1230) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 3]
- Crispenhusen, de (1258) [HStAM Best. Urk. 18 Nr. 69]
- Kerspinhusin (1287) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 120]
- Kerspenhusin (1292) [HStAM Bestand Urk. 56 Nr. 139]
- Kirspinhusen (1327) [Schreibweisen nach Archivregest HStAM Best. Urk. 57 Nr. 17]
- Kirspenhausen, czu (1392) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 642]
- Kyrspenhusen, zcu (1440) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 966]
- Kyrspenshusen (um 1453) [Würdtwein, Nova subsidia diplomatica 5, S. 381]
- Kirspenhusen, zcu (1459) [HStAM Best. Urk. 56 Nr. 1070]
- Kyrspanßhusen (1464/65) [F.J. Bendel, Die Würzburger Diözesanmatrikel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter, 2 H. 2, 1934, S. I-XXX, 1-46, hier S. 17 (Digitalisat]
- Kirspenhausen (1560) [HStAM Best. 104 Nr. 411]
- Kirspenhaußen (1717) [HStAM Best. 40 a Rubr. 06 Nr. 282]
- Kerspenhausen (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Kerspenhaúsen (1747) [Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105]
Bezeichnung der Siedlung
- villula (1292)
- Dorf und Gemarkung (1392)
Ortsteile
- Kerspenhausen und Roßbach (ab 01.03.1962); Hilperhausen (ab 01.12.1970)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
- Götzerode
- Honstat
- Roßbach
- Kerspenhausen, Burg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
Burgen und Befestigungen
Umlegung der Flur
1912
Älteste Gemarkungskarte
1725
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3546189, 5631021
UTM: 32 U 546096 5629208
WGS84: 50.812766° N, 9.654301° O
Statistik
Ortskennziffer
632015030
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 585, davon 358 Acker (= 61.20 %), 125 Wiesen (= 21.37 %), 0 Holzungen
- 1961 (Hektar): 1143, davon 513 Wald (= 44.88 %)
Einwohnerstatistik
- um 1610: 55 Hausgesesse
- 1628: 55 Hausgesesse
- 1673: 26 Hausgesesse
- 1747: 58 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1765: 56 Feuerstätten mit 309 Menschen; Gewerbetreibende: 3 Schmiede, 1 Schreiner, 1 Wagner, 4 Schneider, 21 Leinweber, 5 Tagelöhner, 8 Schäfer, 10 einzelne Weibspersonen, 1 Krämer und 12 so nur bloß den Ackerbau treiben
- 1885: 397, davon 390 evangelisch (= 98.24 %), 0 katholisch, 7 andere Christen (= 1.76 %)
- 1961: 565, davon 463 evangelisch (= 81.95 %), 84 katholisch (= 14.87 %)
- 1970: 822
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1434: Reichsabtei Hersfeld, Amt und Gericht Niederaula
- 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
- 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Holzheim
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (zuletzt Landgericht Hersfeld)
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Altkreis
Hersfeld
Gemeindeentwicklung
Am 1.3.1962 Eingemeindung der Gemeinde Roßbach und am 1.12.1970 Eingliederung der Gemeinde Hilperhausen in die Gemeinde Kerspenhausen. Am 1.8.1972 wurden im Zuge der hessischen Gebietsreform Kerspenhausen und Hilperhausen als Ortsteile der Gemeinde Niederaula eingegliedert.
Gericht
- vor 1822: Amt Niederaula
- 1822: Landgericht Hersfeld
- 1832: Justizamt Niederaula
- 1867: Amtsgericht Niederaula
- 1879: Amtsgericht Niederaula
- 1932: Amtsgericht Bad Hersfeld
- 1933: Amtsgericht Oberaula (Zweigstelle Niederaula)
- 1943: Amtsgericht Oberaula
- 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld
Herrschaft
Hersfeld, Kloster Bis zur Auflösung des Stifts Hersfeld und seinem endgültigen Übergang an die Landgrafschaft Hessen 1651 ist Kerspenhausen formal in hersfeldischem Besitz und wird als Lehen oder Pfand ausgegeben. Eine eindeutige Zuordnung der Gerichtsbarkeit zum Amt Niederaula oder Johannesberg ist zunächst nicht erkennbar, erst 1651 erscheint es im Amt Niederaula.- 1287 verpfänden Abt Heinrich von Hersfeld, Dekan Heinrich, Propst Heinrich und der Konvent von Hersfeld die Vogtei Hilperhausen mit ihren Rechten in Honstadt und Kerspenhausen für 13 Mark Silber an Propst Werner und den Konvent von St. Johannesberg. 1292 verzichtet Werner von Reichenbach im Streit mit dem Abt von Hersfeld auf seine Rechte u.a. in Kerspenhausen und erhält dafür von Abt und Kloster andere Güter. 1327 übergibt der Propst zu Johannesberg seinen Konventsbrüdern die Güter in Kerspenhausen, Hilperhausen und bei Waldenfels, die früher im Besitz der Gebrüder von Waldenfels waren.
Hattenbach, Adlige Hersfeld, Kloster 1392 erhält Konrad von Hattenbach vom Abt von Hersfeld die Erlaubnis zur Übergabe des Burglehens in Hattenbach, zu dem auch Kerspenhausen gehört, an seine Ehefrau Luckard. 1440 und 1459 lassen sich die Herren von Schlitz in Kerspenhausen als Lehnsmannen von Hersfeld nachweisen. 1485 kommt es zum Streit zwischen dem Abt von Hersfeld und den Kindern des Neidhard von Buchenau über die Pfandschaften in Kerspenhausen und Mengshausen.
Besitz
Ortsadel
1146-1258
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Gotischer Chorturm (über dem Portal die Jahreszahlen 1512 und 1768) mit nach Westen verlängertem Schiff.
Pfarrzugehörigkeit
1560 als Pfarrei zu Niederaula; 1765 gehören zur Mutterkirche Kerspenhausen die Dorfschaften Asbach, Beyershausen, Kohlhausen, Hilberhausen und Roßbach.
1872 besteht die Pfarrei aus Roßbach, Hilperhausen und dem beständigen Vikariat Asbach. Letztere wird 1985 ausgegliedert
Diakonische Einrichtungen
1910 - 1911 Gründung Schwesternstation (Landeskirchliches Archiv Kassel, E 1 Kerspenhausen Pfarrarchiv Kerspenhausen); 1926 Krankenpflegestation mit Schwestern für umliegende Orte vom Kreisfürsorgeamt angestellt Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 289
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Vitus Knorr 6.6.1558ff.
Kirchliche Mittelbehörden
1464/65: Bistum Würzburg, Archidiakonat Geisa-Mellrichstadt-Coburg, Landkapitel Geisa
Kultur
Schulen
1765 ist eine Schule vorhanden
1910 einklassige Volksschule
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Nachweise
Literatur
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 2, S. 684-695
- T. Classen, Niederaula von der karolingischen Schenkung bis zur Großgemeinde, S. 154-180
- Knappe, Burgen in Hessen, S. 184
- Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 316 (Register)
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 276
- Fundberichte aus Hessen 1991, S. 502 (Sippel) > Burg u. Gemarkungsfunde
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 514
Weblinks
Siehe auch
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Orte
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
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Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Kerspenhausen, Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/3217_kerspenhausen> (aufgerufen am 17.06.2026)
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