Vernawahlshausen

Die Lage von Vernawahlshausen im Orthofoto
Siedlung
Ortstyp
Dorf
Lagebezug
22 km nordöstlich von Hofgeismar
Lage und Verkehrslage
Kleines Dorf mit altem Kern und zwei Hauptachsen am südlichen, linken Ufer der Schwülme, einem Nebenfluss der Weser, unmittelbar an der Grenze zum Bundesland Niedersachsen. Kirche in zentraler Lage. Durch den Ort führen die L 3392 von West nach Ost und die K 80 von Nord nach Süd
Ersterwähnung
1224-1233
Historische Namensformen
- Walshusen, in (1224-1233) [Mitte 13. Jahrhundert, Chronik Lippoldsberg, hrsg. von Wilhelm Arndt, in: MGH SS 20, S. 558; Digitalisat]
- Waleshusen, in (1262) [Beiträge zu einer Familien-Geschichte der Freiherren von Uslar-Gleichen, S. 376, Nr. 103; HStAM Bestand Urk. 36]
- Walhusen (1288) [Wenck, Hessische Landesgeschichte 2,1, Urkundenbuch, S. 224, Nr. 213; Regest: Kruppa, Grafen von Dassel, S. 497-498, Regest Nr. 534]
- Walhusen, tho (ca. 1380) [Lippoldsberger Güterregister, in: Desel, Kloster Lippoldsberg und seine auswärtigen Besitzungen, S. 187-189, Beil. IV]
- Walshusen (1409) [J. Wolf, Geschichte des Geschlechts von Hardenberg 2, Urkundenbuch S. 96-104, Nr. 47, hier S. 102]
- Wahlhusen (1492) [HStAM Bestand Urk. 36]
- Walshusen (1519/20) [B. Krusch, Studie zur Geschichte der geistlichen Jurisdiktion und Verwaltung des Erzstifts Mainz, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen, 1897, S. 265-266]
- Waldtshausen (1559) [HStAM Bestand Karten Nr. P II 21418]
- Welshausen (1570-1590) [Übersichtskarte vom Reinhardswald und Kaufungerwald HStAM Bestand Karten Nr. P II 15629]
- Walshausen (1585) [Der ökonomische Staat, S. 96]
- Fernewahlshausen (1700) [HStAM Bestand Karten Nr. P II 9786]
- Wohlshusen (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 3]
- Wahlshausen (1747) (DB)
- Vernawaldshausen (1787) (Martin, Topograph. Nachrichten 2, 250)
Bezeichnung der Siedlung
- villa (1288)
- Dorf (um 1380)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Umlegung der Flur
1887-91
Älteste Gemarkungskarte
1775
Koordinaten
Gauß-Krüger: 3543086, 5721422
UTM: 32 U 542995 5719573
WGS84: 51.625532° N, 9.621126° O
Statistik
Ortskennziffer
633030080
Frühere Ortskennziffer
633027020
Flächennutzungsstatistik
- 1885 (Hektar): 432, davon 283 Ackerland (= 65,51 %), 91 Wiesen (= 21,06 %), 2 Holzungen (= 0,46 %)
- 1961 (Hektar): 496, davon 0 Wald
Einwohnerstatistik
- 1585: 49 Haush. (Der ökonomische Staat)
- 1747: 85 Haush. (Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen)
- 1885: 697, davon 668 evangelisch (= 95,84 %), 1 katholisch (= 0,14 %), 28 sonstige Christen (= 4,01 %)
- 1961: 978, davon 836 evangelisch (= 85.48 %), 141 katholisch (= 14.42 %)
- 1970: 979
Diagramme
Verfassung
Verwaltungsbezirk
- 1288: Herzogtum Braunschweig, Amt und Gieselwerder
- 1303: Erzstift Mainz, Amt Gieselwerder
- 1409: Burg und Gericht Gieselwerder (Mainzer Pfandbesitz der Herren von Hardenberg)
- 1462: Landgrafschaft Hessen, Gericht Gieselwerder
- 1551: Landgrafschaft Hessen, Amt Gieselwerder
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Amt Sababurg
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Sababurg
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Sababurg
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Leine, Distrikt Göttingen, Kanton Bodenfelde
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Sababurg
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Hofgeismar
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Kassel
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Hofgeismar
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hofgeismar
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kassel
Altkreis
Hofgeismar
Gemeindeentwicklung
Am 1.2.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform der Zusammenschluss der Gemeinden Lippoldsberg und Vernawahlshausen zur neu gebildeten Gemeinde Wahlsburg, deren Ortsteil Vernawahlshausen wurde. Seit dem 1.1.2020 Ortsteil der neu gebildeten Gemeinde Wesertal.
Gericht
- bis 1822: Amt Sababurg
- 1822: Justizamt Sababurg (Sitz Veckerhagen)
- 1867: Amtsgericht Veckerhagen
- 1879: Amtsgericht Veckerhagen
- 1932: Amtsgericht Karlshafen
- 1943: Amtsgericht Hofgeismar (Zweigstelle Karlshafen)
- 1949: Amtsgericht Karlshafen
- 1968: Amtsgericht Hofgeismar (Zweigstelle Karlshafen)
- 1969: Amtsgericht Hofgeismar
Herrschaft
- Ursprünglich haben die Herren von Uslar herrschaftliche Rechte und Grundbesitz in Vernawahlshausen. Sie geben im 13. und 14. Jahrhundert zu Güterübertragungen an das Kloster Lippoldsberg ihre Zustimmung.
- 1288 verpfänden die Herzöge Albert und Wilhelm von Braunschweig dem Grafen Otto von Everstein Schloss und Stadt Gieselwerder mit den zugehörigen Dörfern und Vogteien, wozu auch das Dorf Vernawalshausen gehört. Die weitere Entwicklung ist einerseits mit der des Klosters Lippoldsberg und der des Amtes Gieselwerder verknüpft. Andererseits erheben vom 14. bis ins 16. Jahrhundert sowohl die Herzöge von Braunschweig, der Mainzer Erzbischof als auch die Landgrafen von Hessen herrschaftliche Ansprüche auf Vernawahlshausen. 1538 werden die Grenzstreitigkeiten zwischen Hessen und Braunschweig beigelegt und der Ort endgültig dem hessischen Territorium eingegliedert.
Besitz
Grundherrschaft und Grundbesitzer
- Vgl. Herrschaft
- Wichtigster Grundherr in Vernawahlshausen ist spätestens seit dem 13. Jahrhundert das Kloster Lippoldsberg, das seinen Besitz in der Folge ausbauen kann. Um 1380 verfügt das Kloster über sechs Hufen und eine Mühle. Mit Einführung der Reformation fällt der Besitz an die Landgrafen von Hessen.
Zehntverhältnisse
1262 verpfänden Hermann und Ernst von Uslar den Zehnten in Vernawahlshausen an das Kloster Lippoldshausen
Um 1350 verfügte das Benediktinerinnenkloster Lippoldsberg über den Zehnten in Wahlshausen.
Kirche und Religion
Ortskirchen
- Die Kirche wird 1293 genannt.
- Romanische Saalkirche mit quadratischem Chor und Westturm, flachgedecktes Schiff 1589 angebaut
Patrozinien
- Margaretha [1492]
Pfarrzugehörigkeit
Bis zur Reformation gehören Schoningen und Verliehausen als Filialen zur Pfarrgemeinde, sie gehen beide danach verloren. Vernawahlshausen gehört zur Klasse Gottsbüren. Die Pfarrstelle ist mit der Klinikseelsorge am Rehabiliationszentrum Lippoldsberg verbunden
Patronat
1293 erhält das Kloster Lippoldsberg bei einem Tauschgeschäft das Kirchenpatronat von Herzog Albrecht von Braunschweig.
Seit 1527 steht das Patronat dem Landesherren zu.
Bekenntniswechsel
Erster evangelischer Pfarrer: Johann Wigesheim ca. 1527
Kirchliche Mittelbehörden
1519/20: Archidiakonat Nörten, Erzpriestersprengel Ödelsheim
Kultur
Schulen
1910 Volksschule mit zwei Klassen
Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles)
Wirtschaft
Mühlen
Die Mahlmühle im Bereich der Flur "Der Mühlenkamp" wurde mit dem Wasser der Schwülme betrieben, später noch mit zwei Turbinen
Nachweise
Literatur
- Denkmaltopographie Kreis Kassel, Bd. I, S. 703-709
- K. Günther, Territorialgeschichte der Landschaft zwischen Diemel und Oberweser vom 12. bis zum 16. Jahrhundert, S. 222,232-233, 248, 422
- Desel, Kloster Lippoldsberg und seine auswärtigen Besitzungen, S. 170-171
- Scholz, Wasser- und Windmühlen im Landkreis Kassel, S. 202
- Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 109
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 481 u. 489
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 545
Weblinks
Siehe auch
Weitere Angebote in LAGIS
Orte
Personen
Quellen und Materialien
Nachnutzung
Rechtehinweise
Metadaten: Hessisches Institut für Landesgeschichte, CC BY-SA 4.0
Abbildungen: siehe Angaben beim jeweiligen Digitalisat
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Vernawahlshausen, Kassel“, in: Historisches Ortslexikon <https://lagis.hessen.de/de/orte/historisches-ortslexikon/alle-eintraege/2100_vernawahlshausen> (aufgerufen am 06.06.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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