Baum-Lappe: obig Bohmen lappen
Beleg
Standard-Flurname
Baum-Lappe
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1755
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 179, Nr. 204.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Baum
Zu ahd. mhd. boum st. M. ‚Baum‘. Die jungen FlN Baumacker und Baumstück kennzeichnen im Gegensatz zu Bangert (s.d.) nicht gefriedete Obstbaumanlagen. Baum als Simplex steht dagegen für einzeln stehende, besonders auffällige Bäume.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Baum
Zu ahd. mhd. boum st. M. ‚Baum‘. Die jungen FlN Baumacker und Baumstück kennzeichnen im Unterschied zu Bangert nicht gefriedete Obstbaumanlagen. Baum als Simplex steht dagegen wie in Biebesheim am Rhein, Dietzenbach, Klein-Zimmern, Pfungstadt und Rembrücken für einzeln stehende, besonders auffällige Bäume.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Lappen m. / Placken m.
- 1A
Lappen, ahd. lappa (Graff 2, 38), mhd. lappe sw.f.m. ‚niederhängendes Stück Zeug, Lappen‘ (Lexer 1, 1834), auch ‚herabhängendes Hautstück‘ u. ä. (Kluge/Mitzka 423) wird bildlich auf Flurstücke, besonders Wiesenstücke übertragen und bedeutet dann ,(kleines) Stück Acker- oder Wiesenland‘ (Crecelius 536), und zwar zunächst durchaus ohne verächtlichen Nebensinn (Dittmaier 178). Das „wohl mehr md. als obd.“ (Weigand/Hirt 2, 18) Wort ist in seiner standardsprachlichen Bedeutung und einer Reihe von Spezialbedeutungen in Hessen allgemein verbreitet (Vilmar 237; v. Pfister 155; Crecelius ebd.; SHessWb 4, 133ff.; HNassWb 2, 34f.; KehreinWb 256; WaldWb 65): „Lappe, die gemeine pflanzenlappen: Kohlpflanzen darauf zu ziehen“ (Estor 1414). (DWB 12 [VI], l94f. führt die Bedeutungsvariante ‚kleines Landstück‘ nicht an.)
Eine umgelautete Nebenform Läppen m. bildet im Odenwald ein geschlossenes Verbreitungsgebiet; „das Nebeneinander führt zuweilen zu Differenzierungen: labe ,Stoffrest‘, lebe ‚kleines Stück Land‘“ (SHessWb 4, 136 und K. IV 15) und umgekehrt. Umlaut kommt aber auch sonst in Hessen vereinzelt vor.
- 1B
Placken, mhd. placke sw.m. ‚Fleck, Gegend‘ (Lexer 2, 275), dunklen etymologischen Ursprungs (vgl. Kluge/Mitzka 552; Weigand/Hirt 2, 432f.), ist wohl „aufgenommen“ aus mnd. plack, placke, placken (Schiller/Lübben 3, 334; DWB 13 [VII], 1872). Es bezieht sich, aus der allgemeinen Bedeutung ‚Fleck, Mal, andersfarbige Stelle‘ abgeleitet, bildlich auf kleinere Acker- und Wiesenstücke (DWB ebd.) und ist in dieser Bedeutung bis heute in Hessen allgemein verbreitet und bekannt (Vilmar 39; Crecelius 167f.; KehreinWb 307; SHessWb 1, 882f.; WaldWb 81 (?)). HNassWb 2, 642 weist außer der zusätzlichen Bedeutung ,Ackerstück (auf dem man Setzlinge zieht)‘ darauf hin, daß „Nassau nebst Nachbarschaft und Nordspitze der Provinz“ Verbreitungsraum des Worts seien.
In FlN bezieht sich Placken durchweg auf kleine Grundstücke (Dittmaier 230). Für die Angabe Bucks 207, „Fleck als Wiesenmaß ½ Morgen, als Ackerland ¼ Morgen“, gibt es für die hessischen Verhältnisse keine Anhaltspunkte.
- 2A
Vereinzelt könnte sich der FlN auch auf die Form beziehen:
Brustlappen (4922c1.Dickershausen SEK, 4926c3 Rittmannshausen WMK, 5125c8 Bengendorf HRK). Die „Lappenei“, eine Grenzflur zwischen 54l8dl Gießen und 5417c2 Kleinlinden GIE, ist wohl Kollektivum (Wilhelmi =HFB 18, 39; Weitershaus 93).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 51
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Baum-Lappe: obig Bohmen lappen (Offenbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/95248_obig-bohmen-lappen> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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