Strich-Wasen: auf den Strich wasen

Historischer Beleg aus Oberwetz  
Gemeinde
Schöffengrund
Landkreis
Lahn-Dill-Kreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Strich-Wasen

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1799

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 248/2, Nr. 4.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Strich

Zu ahd. strih, mhd. strich st. M. ‚Strich, Linie, Richtung, Weg‘. Von den verschiedenen Verwendungsweisen des häufigen FlNs Strich kommt im Kreis Gießen, soweit erkennbar, regelmäßig die Form als namengebendes Motiv in Frage: Es handelt sich um lange, schmale Geländestücke oder um ein nebeneinander liegendes Ensemble von langgezogenen Ackerfluren. Daher erklärt sich der sehr häufige Kombinationstyp lange Striche und die früh belegte Vermengung mit gleichbedeutendem Strick (s.d.).

Wasen

Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jahrhundert mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Strich

Zu ahd. strih, mhd. strich st. M. ‚Strich, Linie, Richtung, Weg‘. Von den verschiedenen Verwendungsweisen des häufigen FlNs Strich kommt in Südhessen, soweit erkennbar, regelmäßig die Form als namengebendes Motiv in Frage: Es handelt sich um lange, schmale Geländestücke oder um ein nebeneinander liegendes Ensemble von lang gezogenen Ackerfluren. Daher erklärt sich der sehr häufige Kombinationstyp lange Striche. In Einzelfällen (Siedelsbrunn, Vielbrunn) kann auch der Vogelstrich, d. h. ein zum Vogelfang vorgesehener Waldweg, Benennungsmotiv sein.

Wasen

Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jh. mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Strich m., Streich m.

1

Strich, ahd. strich m. ‚Strich, Linie‘ (Graff 6, 743), mhd. strich st.m. (Lexer 2, 1233) und Streich, mhd. streich st.m., strîch st.m. ‚Streich, Schlag‘ (Lexer 2, 1229, 1234) gehören etymologisch zu streichen (Kluge/Mitzka 756). In hessischen FlN bezieht sich Strich wohl in aller Regel als Formname auf ‚lange, schmale Geländestücke‘ (Dittmaier 306; für die anderen dort genannten Bedeutungen gibt es keine Anhaltspunkte). Gleiches gilt auch von Streich, das als Wort neben dem gebräuchlicheren Strich auch die Bedeutungskomponente einer räumlichen Erstreckung entwickelte (DWB 19 [X, III], 1176, 1539f.). Auch in den hessischen Dialekten stehen Strich und Streich nebeneinander, wobei neben den standardsprachlichen Bedeutungen für Streich auf die Bedeutungsvariante ‚ein bißchen (zeitlich und räumlich)‘ (HNassWb 3, 833) als vermittelndes Element zu Strich hinzuweisen ist. Streich kommt in hessischem Wortgebrauch vereinzelt in der Bedeutung ‚eine Anzahl nebeneinander hinziehender Äcker gleicher Länge‘ vor (HNassWb ebd.), während Strich als ,Ackerstrich, den man gerade in Arbeit hat‘(HNassWb 3, 84l) belegt ist.

Unbeschadet des schwierigen Verhältnisses der Hauptvarianten Strich und Streich zueinander und des Verhältnisses der dialektalen Formen /ʃdriç, ʃdri:ç, ʃdreç, ʃdre:ç/ dazu, ergibt sich der gleiche Sachbezug formal schon dadurch, daß zum einen beide Formen sehr oft im Plural auftreten und zum anderen der Kombinationstyp lange Striche / lange Streiche der weitaus häufigste ist.

2

Vermengungen sind bei einigen Varianten nicht auszuschließen:

1. /ʃdra(:)(ç‚ x)/ (als Monophthongierung von *streich) kann regional mit monophthongiertem /ʃdra(:)x/ < Strauch zusammenfallen.

2. Im niederdt. Sprachgebiet Hessens gilt unverschobenes /ʃtri:k/ (WaldWb 100), so daß Vermengung mit Strick möglich ist, zumal beide Zeichen sich auf die gleiche Grundstücksform beziehen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 56

Wasen m.

1

Der FlN geht zurück auf ahd. waso m. (Graff 1, 1063), mhd. wase sw.m., wasen, wasem st.m. ,grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘ (Lexer 2, 702) und bezeichnet sowohl Rasenflächen wie aus dem Rasen ausgestochene Grasplacken (DWB 27 [XIII], 2276ff.). Das im Oberdt. und Westmitteldt. übliche Wort für den Rasen ist bedeutungsgleich mit dem niederdt. wrasen und dem daraus im Ostmitteldt. entstandenen Rasen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 31), anscheinend ohne mit diesem etymologisch verwandt zu sein (DWB ebd.; anders Weigand/Hirt 2, 1215). Da sich in der Neuzeit Rasen räumlich ausbreitet und in der Standardsprache durchsetzt, stellt sich die Frage, ob und wie sich dieser Veränderungsprozeß in hessischen FlN widerspiegelt (Kluge/Mitzka 840). Nach den hessischen Idiotika war Wasen noch im 19. Jh. das hier vorherrschende Wort (Vilmar 442; v. Pfister 331f.; Crecelius 895; KehreinWb 439), und noch in der Gegenwart ist Rasen „weit spärlicher bezeugt als Wasen“ (HNassWb 2, 771; vgl. FrankfWb 3492). Dabei ist die Variante Wasem, bei E. Alberus Wasum, die vielleicht in Analogie zu Boden-Bodem (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 95) entstanden ist (Crecelius ebd.; DWB 27 [XIII], 2277) und hauptsächlich im Rhein- und Moselfränkischen gilt (Wallner 64), sehr verbreitet, oft mit Kurzvokal (v. Pfister ebd.). Der Name tritt gelegentlich zu Wesen, Wesem umgelautet auf.

Wasen, Wasem bezieht sich in hessischen FlN durchweg auf Rasenflächen, und zwar nach Ausweis der häufigeren Kombinationstypen wie Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen hauptsächlich auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen. Insofern entspricht Wasen in der Sache weitgehend Anger (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 29; vgl. Dittmaier 331; Keinath 99), war aber als „offener, ebener Wiesenplatz ohne besondere Nutzungsbeschränkung“ (Bader 3, 118).

2

Fälle, in denen aufgrund des mündlichen Belegs // unsicher ist, ob ‚Wiesen‘ oder ,Wasen‘ (Umlaut ?) gemeint ist, sind vereinzelt.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 30

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Strich-Wasen: auf den Strich wasen (Oberwetz)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/94611_auf-den-strich-wasen> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/94611