Pfarr-Wasen: am Pfarrwasem
Beleg
Standard-Flurname
Pfarr-Wasen
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1660
Quelle
Fürstliches Archiv Braunfels, 63.9; Kirchensachen III, 664.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Pfarr
Zu ahd. pfarra, mhd. pharre st. sw. F. ‚Sprengel, Pfarrkirche‘. Das Wort ist vermutlich eine Entlehnung aus spätlat. par(r)ochia, ‚Gesamtheit der unter einem Bischof stehenden Christen, Diözese‘, dann ‚Pfarrsprengel einer Bischofsstadt‘. Die FlN verweisen auf Grundbesitz der Pfarreien. Soweit ihn der Pfarrer nicht selbst nutzte, wurde er verpachtet und diente so der finanziellen Unterhaltung der Pfarrei.
Wasen
Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jahrhundert mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Pfarr
Zu ahd. pfarra, mhd. pharre st. sw. F. ‚Sprengel, Pfarrkirche‘. Das Wort ist vemutlich eine Entlehnung aus spätlat. par(r)ochia ‚Gesamtheit der unter einem Bischof stehenden Christen, Diözese‘, dann ‚Pfarrsprengel einer Bischofsstadt‘. Davon abgeleitet, nach dem Muster von Propstei, Kaplanei, ist gleichbedeutendes Pfarrei. Die FlN verweisen auf Grundbesitz der Pfarreien. Soweit ihn der Pfarrer nicht selbst nutzte, wurde er verpachtet und diente so der finanziellen Unterhaltung der Pfarrei. Die Belege erscheinen vereinzelt seit der Mitte des 15. Jh.s (Babenhausen, Lorsch, Pfungstadt) und sind jünger als vergleichbares Pfaffe (s. d.).
Wasen
Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jh. mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Wasen m.
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Der FlN geht zurück auf ahd. waso m. (Graff 1, 1063), mhd. wase sw.m., wasen, wasem st.m. ,grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘ (Lexer 2, 702) und bezeichnet sowohl Rasenflächen wie aus dem Rasen ausgestochene Grasplacken (DWB 27 [XIII], 2276ff.). Das im Oberdt. und Westmitteldt. übliche Wort für den Rasen ist bedeutungsgleich mit dem niederdt. wrasen und dem daraus im Ostmitteldt. entstandenen Rasen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 31), anscheinend ohne mit diesem etymologisch verwandt zu sein (DWB ebd.; anders Weigand/Hirt 2, 1215). Da sich in der Neuzeit Rasen räumlich ausbreitet und in der Standardsprache durchsetzt, stellt sich die Frage, ob und wie sich dieser Veränderungsprozeß in hessischen FlN widerspiegelt (Kluge/Mitzka 840). Nach den hessischen Idiotika war Wasen noch im 19. Jh. das hier vorherrschende Wort (Vilmar 442; v. Pfister 331f.; Crecelius 895; KehreinWb 439), und noch in der Gegenwart ist Rasen „weit spärlicher bezeugt als Wasen“ (HNassWb 2, 771; vgl. FrankfWb 3492). Dabei ist die Variante Wasem, bei E. Alberus Wasum, die vielleicht in Analogie zu Boden-Bodem (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 95) entstanden ist (Crecelius ebd.; DWB 27 [XIII], 2277) und hauptsächlich im Rhein- und Moselfränkischen gilt (Wallner 64), sehr verbreitet, oft mit Kurzvokal (v. Pfister ebd.). Der Name tritt gelegentlich zu Wesen, Wesem umgelautet auf.
Wasen, Wasem bezieht sich in hessischen FlN durchweg auf Rasenflächen, und zwar nach Ausweis der häufigeren Kombinationstypen wie Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen hauptsächlich auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen. Insofern entspricht Wasen in der Sache weitgehend Anger (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 29; vgl. Dittmaier 331; Keinath 99), war aber als „offener, ebener Wiesenplatz ohne besondere Nutzungsbeschränkung“ (Bader 3, 118).
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Fälle, in denen aufgrund des mündlichen Belegs /
/ unsicher ist, ob ‚Wiesen‘ oder ,Wasen‘ (Umlaut ?) gemeint ist, sind vereinzelt. Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 30
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Pfarr-Wasen: am Pfarrwasem (Oberwetz)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/94526_am-pfarrwasem> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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