Rausch: DIE, VOR DEM RAEUSCHEN [raʊʃə]

Rezenter Beleg aus Oberquembach  
Gemeinde
Schöffengrund
Landkreis
Lahn-Dill-Kreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Rausch

Belegort

Belegtyp

rezent

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rausch

Die FlN gehen auf mhd. rûsch, st. M. ‚rauschende Bewegung, Rauschen, Ungestüm‘ zurück und beziehen sich auf das Rauschen des Blattwerks.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rausch

Die FlN gehen z. T. wohl auf mhd. rûsch st. M. ‚rauschende Bewegung, Rauschen, Ungestüm‘ zurück und deuten auf Örtlichkeiten, an denen etwas rauscht (meist Blattwerk oder Wasser). Rausche bedeutet auch südhess. ‚belaubter Zweig, besonders der Buche‘, bzw. ‚Bestand junger Buchen‘ (deren Herbstlaub besonders lange hängenbleibt und im Wind rauscht), in den benachbarten Mundarten darüber hinaus ‚Laubhecke; dichtes Laubgehölz, Niederwald‘, aber auch ‚rauschende Stelle in einem Gewässer; Wehr am Bach‘. Rausch ist auch als FamN belegt.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Binse f. / Rausch m.; Risch m.

1A

Die Binse, ahd. binuz, st.m. ‚Binse‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1074), mhd. bineʒ, binʒ st.m. sw.f. (Lexer 1, 279) als Pflanzenname ist aus dem Plural der ahd. mhd. Formen gebildet (Kluge/Mitzka 78) und bezieht sich in FlN auf diesen Pflanzenbewuchs (Dittmaier 29).

In Hessen ist Binse mundartlich offenbar nur in Südhessen gebräuchlich (SHessWb 1, 857), ist dort meist gesenkt und zu /e:/ gedehnt. In FlN tritt häufiger als Kollektivum Binsich, Bensich auf.

1B

Der Rausch, auch Rauschen, kann nur mit Bedenken als Synonym für Binse hinzugenommen werden. Denn einmal werden mit Rausch sehr verschiedene Pflanzen bezeichnet (‚Binse, Mäusedorn, Brüsch, Preiselbeerstaude‘: Kluge/Mitzka 587; vgl. DWB l4 [VIII], 305); zum anderen ist eine sichere Trennung von Wörtern und Namen, die mit nhd. rauschen zusammenhängen wie z.B. die Rausche ,Zitterpappel‘ (DWB ebd.; vgl. Dittmaier 241) nicht möglich. So leitet auch KehreinNb 525 nassauische FlN Rauschen, Reuschen als ,dichtstehendes Buchengebüsch, von dem rauschenden Laub‘ ab (und verweist alternativ auf Rusch ,Rüster‘; vgl. HNassWb 2, 791). Nach Struktur und Verbreitung scheinen sich die meisten einschlägigen hessischen FlN aber auf Binsenvorkommen zu beziehen. Der Name geht dann auf mhd. rusch, rusche sw.f. ,Binse, Brüsch‘ (Lexer 2, 555) zurück, dem ein mnd. risch, risk (Schiller/Lübben 3, 487f.) entspricht. Letzteres ist in Waldeck als Risch und Riske noch sprachüblich (WaldWb 85; Vilmar 328; HNassWb 2, 873; DWB l4 [VIII], 1041), während Rusch, Rausch o.ä. als Wort in Hessen nicht nachzuweisen ist. Die diphthongierten Formen Rausch(en)‚ Räusch(en) sind vermutlich durch umdeutende Anlehnung an rauschen entstanden. Im Vogelsberg tritt der Name mehrfach als Bergname auf, so daß ein Zusammenhang mit (Stein-) Rausch nicht auszuschließen ist (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 98; vgl. Dittmaier 24l, 300ff.). Die gerundeten Rüschen-FlN könnten im Einzelfall zu dial. resch ,rauh, steil‘ gehören (Vilmar 324f., 327f.).

2B

Bei Rausch(en)- als BT ist nicht entscheidbar, ob der Name 2B sich von nhd. rauschen herleitet, was offensichtlich vielfach der Fall ist (z. B. Rauschenbach), oder nicht. Um den sicheren Mindestbestand von Rausch, Risch ,Binse‘ einzugrenzen, wurden nur Simplex- und GT-Belege berücksichtigt, obwohl auch die BT-Belege der monophthongischen Formen mit Sicherheit zugehörig sind.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 127

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Rausch: DIE, VOR DEM RAEUSCHEN (Oberquembach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/93123_die-vor-dem-raeuschen> (aufgerufen am 03.11.2026)

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