Bitze-Stück: gnant vf dem Beetzen stuck
Beleg
Standard-Flurname
Bitze-Stück
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1567
Quelle
Fürstliches Archiv Braunfels, 63.8; Kirchensachen III, 655 d.
Weitere Belege
- 19. Jahrhundert: bitzenstück
Fürstliches Archiv Braunfels, A VII, 27.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bitze
Zu ahd. bizûna st.w. F. ‚eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st. F. ‚Baumgarten‘. Daneben steht die seltenere Variante Betzen M. (N.?), die ahd. bizûni, mhd. bizûne, bîzune st. N. fortsetzt. Vergleichbar den Beunden beziehen sich Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes und Sonderrecht unterliegendes Sonderland. Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein. Unsicher sind nur wenige Belege, die mit Pfütze (s.d.) vermischt oder umgedeutet worden sind.
Stück
Im FlN Stück, ahd. stuki, mhd. stücke, stück, stucke, stuck st. N. ‚Teil wovon, Stück‘ schwingt meist die allgemeine Bedeutung ‚Acker, Feld, Land, Gartenland‘ mit, wobei die Teilbezeichnung für das Ganze steht (‚ein schönes Stück‘). Im Unterschied zu Südhessen, wo zahlreiche Vermengungen mit Stock (s. d.) und Stecken (s. d.) die Identifizierung erschweren, sind die mittelhessischen Vorkommen eindeutig.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bitze
Zu ahd. bizûna st. sw. F. ‚eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st. F. ‚Baumgarten‘. Daneben steht die in Südhessen nur noch resthaft bezeugte Variante Betzen M. (N.?), die ahd. bizûni, mhd. bizûne, bîziune st. N. fortsetzt. Vergleichbar den Beunden beziehen sich Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes und Sonderrecht unterliegendes Sonderland. Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein. Unsicher sind nur wenige Belege, die mit Pfütze vermischt oder umgedeutet worden sind.
Stück
In Stück haben sich offensichtlich drei verschiedene Namen vermengt: Stück N., ahd. stuki, mhd. stücke, stück, stucke, stuck st. N. ‚Teil wovon, Stück‘ einerseits und Stock (s. d.) und Steck(en) (s. d.) andererseits. -stück als GT bezieht sich meist auf Grundstücke, die durch den BT spezifiziert werden; es schwingt hier, wie bei anderen Stück-Namen, auch die allgemeine Bedeutung ‚Acker, Feld, Land, Gartenland‘ mit, wobei die Teilbezeichnung für das Ganze steht (‚ein schönes Stück‘). Verschiedentlich begegnet in den FlN das Diminutiv Stückel. - Andere Stück-Namen sind hyperkorrekt aus den beiden anderen Namen entstanden, die ihrerseits zahlreiche Übergänge und Vermischungen aufweisen. Hierhin gehören wohl vor allem die Belege mit schwacher Flexion (Stücken) sowie diejenigen, deren Endung als Kollektivierungsanzeiger verstanden werden kann (Bieber, Dieburg, Froschhausen, Klein-Krotzenburg). Umgekehrt können über Senkung und Entrundung auch in diesen Lemmata einzelne Stück-Namen aufgegangen sein.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Bitze f.
- 1
Der FlN Bitze geht auf ahd. bizûna st.sw.? f. ,Beizaun, eingezäuntes Grundstück‘, mhd. bitze st.f. ‚Baumgarten‘ zurück; gleichbedeutendes Betzen m. (n.?) auf ahd. bizûni st.n., mhd. bi-ziune, bi-zûne st.n. (Karg-Gasterstädt/Frings l, 1163f.; Lexer 1, 288, 293). Als Wort bezogen sich also Bitze und Betzen ursprünglich auf gezäuntes, damit gehegtes und Sonderrechten unterliegendes Sonderland, vergleichbar den Beunden (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15). Insbesondere scheinen sie dem Obstbau gewidmet gewesen zu sein, da sich im Hessischen als Hauptbedeutung von Bitze ,Baumgarten‘ entwickelte (Vilmar 38f.; Crecelius 168; DWB 2 [II], 58); so auch im Rheinland, wo jedoch das Bedeutungsspektrum von ,Grasgarten, fette Wiese unterhalb des Dorfes‘ über ‚(gutes) Ackerland‘ bis zu ‚schlechtem Boden‘ reicht (RheinWb 1, 729f.; Dittmaier 30 und K. 7b; Westphal l33ff.; Bach 2 § 658). Auch KehreinWb 79 hebt die Bedeutung ,Grasgarten, Wiesenort beim Hause, gewöhnlich mit einem Zaun umgeben; übh. Krautfeld‘ für das Nassauische hervor (vgl. SHessWb 1, 880). Als Wort ist Bitze in Hessen längst untergegangen.
Bitzen gibt es hauptsächlich im Westmitteldt., ohne daß es sich ausschließlich um „ein westmd. Wort“ handelt (Kluge/Mitzka 80), denn der Name ist auch im Oberdt. verbreitet (Buck 29; vgl. SchwäbWb l, 1146f.; Kunze 173-175; Oeller 72).
- 2
Schwierigkeiten gibt es sowohl bei der Abgrenzung der beiden 2 Hauptvarianten Bitze und Betzen gegeneinander wie gegenüber ähnlich lautenden anderen Namen.
l. Da im BT flektiertes und im Stammvokal gesenktes Bitze (> Betzen-) mit der Variante Betzen zusammenfällt, kann bei diesen Namen nicht entschieden werden, welche Variante ursprünglich zugrunde lag. Entschieden wurde in diesen Fällen zugunsten von Bitze, weil Betzen insgesamt in Hessen die seltenere Nebenvariante ist.
2. Das Hauptproblem besteht in der Abgrenzung gegenüber dialektal /peds, pids/ ,Pfütze‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110). Zwar scheint die Minimalunterscheidung im Anlaut zwischen /b/ und /p/ in der Regel hinreichendes Trennungskriterium zu sein: Die Zuordnung wurde deshalb danach entschieden. Aber gelegentlich sind historische Übergänge vom einem Namen zum anderen nachweisbar (z. B. für 5017a2 Biedenkopf MBK vgl. Fuhr; für 5517c7 Lang-Göns GIE vgl. Hofmann = HFB 29, 60), so daß insgesamt eine gewisse Unsicherheit bestehen bleibt, ob nicht eine Reihe Bitzen in das als Wort bis heute gebräuchliche Pitze u.ä. umgedeutet wurden.
3. Ausgesondert wurden Namen wie Betzenloch‚ Betzenkammer u. ä.‚ die sich auf ein Gefängnis beziehen (vgl. SHessWb 1, 754f.) sowie Namen, deren Betzen-BT mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen PN zurückzuführen ist wie z. B. „Betzenrode“. Unberücksichtigt blieben schließlich -el-Formen (z. B. „Betzelgarten“), die wohl, wenn nicht aus einem Besitzernamen entstanden, als Formnamen mit hess. Betzel ‚Mütze, Haube‘ (KehreinWb 74; Vilmar 35; Crecelius 155; SHessWb l, 753) zusammenhängen. Auszusondern ist schließlich der „Betzelbirnbaum“ (6117b1 Pfungstadt DAD), dessen Name sich „auf eine Art Winterbirne“ (Crecelius 155) bezieht.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 11
Stück n.
- 1
Stück, ahd. stuki, stu(c)che st.n. ‚Stück, Teil‘ (Schützeichel 186) mhd. stücke, stück; stucke, stuck (Lexer 2, 1259) ist „seit dem 13. Jh. im Sinne von Acker, Feld, Grundstück, zuerst besonders in Flurbeschreibungen bezeugt“ (DWB 20 [X,IV], 212). In dieser Bedeutung ist Stück auch für das Hessische (HNassWb 3, 872) belegt. Als FlN bezieht sich Stück darauf oder auf ein „Teilstück eines Ganzen, also auch von Wald und Wiese“ (Dittmaier 307).
Da ca. 3500 rezente FlN mit Stück gebildet sind, mußte eine Auswahl getroffen werden, damit ein aussagefähiges Bild zustandekommt. Ausgewählt wurden solche Namentypen, in denen sich das Merkmal des Feldteils, des größeren Flurstücks besonders deutlich widerspiegelt: Neben dem Simplex Stück die Typen, die auf ein verhältnismäßig großes Stück hindeuten (großes, langes, breites Stück), sowie diejenigen, die im BT auf Besitzstücke geistlicher oder weltlicher Herren hinweisen. Damit wird auch der agrargenetische Gesichtspunkt berücksichtigt, daß viele Stück-Fluren besonders groß sind und anscheinend oft erst verhältnismäßig spät in die Vergewannung einbezogen wurden, also nicht nur „kleinere Teile des Restlandes“ darstellen (Flechsig 1959a, 44). Darauf deuten auch die aufgenommenen Kombinationstypen mit Stück als BT (Stück(s)acker‚ Stück( s)feld) hin.
Diese Namentypen dürften zudem die älteren Schichten der Stück-Namen repräsentieren, denen die zahlreichen, oft wohl jungen Wiesen-‚ Kraut-‚ Erlenstücke usw. gegenüber stehen.
- 2
1. Etwas fraglich ist die Zugehörigkeit der wenigen stuck-Namen, doch scheint es sich um Reste nichtumgelauteter Formen zu handeln.
2. Abweichend vom sonstigen Verfahren wurde bei Stück auf die Kennzeichnung vom Mehrfachvorkommen am Ort verzichtet, weil es auf die speziellen Namentypen ankam.
3. Baumstück (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 12) ist nicht aufgenommen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 48
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Bitze-Stück: gnant vf dem Beetzen stuck (Niederquembach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/89847_gnant-vf-dem-beetzen-stuck> (aufgerufen am 04.11.2026)
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