Bühl-Loch: im büll loch
Beleg
Standard-Flurname
Bühl-Loch
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1775/1800
Quelle
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 360, Nenderoth Nr. 5.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Bühl
Zu ahd. buhil, mhd. bühel st. M. ‚Hügel‘. Namengebend waren kleinere oder größere Bodenerhebungen. Häufiger begegnen die mittelhessische Dialektform /boil/ mit steigendem Diphthong und eine abgeschwächte Form, wenn Bühl als GT im Nebenton steht; vor allem Steimel u.ä.
Loch
Wohl meist zu ahd. loh, loch ‚Loch, Öffnung, Hähle‘, mhd. loch st.N. ‚Gefängnis, Versteck, Höhle, Loch, Öffnung‘. In FlN bezieht sich Loch auf alle Arten von Geländevertiefungen, von der sanften Mulde bis zum steilen Taleinschnitt. Vermengungen bestehen mit anderen Namen, vor allem mit Loh und Lache 2 (s.d.).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Buhl
Die Bu(h)lau im Grenzbereich der drei Gemarkungen weist eine Erhöhung auf, sodass hier möglicherweise eine nichtumgelautete Variante zu mhd. bühel ‚Hügel‘ vorliegt.
Bühl
Zu ahd. buhil, mhd. bühel st. M. ‚Hügel‘. Namengebend waren kleinere oder größere Bodenerhebungen.
Loch
Wohl meist zu ahd. loh, loch ‚Loch, Öffnung, Höhle‘, mhd. loch st. N. ‚Gefängnis, Versteck, Höhle, Loch, Öffnung‘. In FlN bezieht sich Loch auf alle Arten von Geländevertiefungen, von der sanften Mulde bis zum steilen Taleinschnitt. Allerdings ist mit einer größeren Zahl von Überschneidungen mit anderen Namen zu rechnen: Lache
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Bühl m.
- 1
Bühl geht zurück auf ahd. buhil st.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1480), mhd. bühel st.m. ,Hügel‘ (Lexer 1, 379), mnd. bûl m. (Schiller/Lübben 1, 447).
Als Wort ist Bühl den hessischen Mundartwörterbüchern nicht mehr bekannt, wohl aber als FlN (KehreinWb 100; SHessWb 2, 1211; Vilmar 59; WaldWb 17).
Allgemein bezeichnet Bühl eher kleinere Bodenerhebungen (Arnold 339; Genzel 24; Schrickel 18). Bühl weist eine Fülle von Namenvarianten in hessischen FlN auf, wobei neben der Vokalvarianz (/i(:)/‚ /e(:)/, /ü(:)/, /oi/) vor allem auch verschiedene intervokalische Konsonanten (/g/‚ /ç/‚ /ʃ/‚ /d/) in Varianten auftreten.
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Die Identifizierung der Namen bereitet Schwierigkeiten. Eine Reihe von Bühl-Namen ist wohl unter den meist als Simplex erscheinenden, assimilierten FlN auf -el verborgen. Eindeutig zum Namenbestand Bühl zuordnen kann man nur Steimel u. ä.‚ die auf Steinbühl zurückgehen. Hier kann allerdings in seltenen Fällen eine Überschneidung mit Steinmal vorliegen (Arnold 340; E. Christmann 1952, 116f.; Hänse 156; G. Müller 1985, 157). Außer Namen mit BT Stein- wurden keine anderen -el-Kombinationstypen berücksichtigt, da in den meisten Fällen der BT aus dem rezenten Namenbestand heraus nicht hinreichend gesichert erscheint.
In Waldeck kann es bei den Mundartformen mit intervokalischem /d/ (beudel, büdel) zu Überschneidungen mit ,Beutel‘ kommen (B. Martin 1984, 255f.; G. Müller 1985, 157); besonders im Kinzigraum, aber auch im übrigen Hessen können die Varianten mit intervokalischem /g/ (biegel, bügel) auf ,Bügel‘ zurückgehen (G. Müller 1985, 157; vgl. zum Zwischenkonsonanten /g/ auch HSS K. 203 und Textband 293f.).
Die spirantisierten Mundartvarianten /büʃel, biʃel/ können zu Büschel gehören oder umgelauteter Diminutiv von Busch sein. Sie wurden nur berücksichtigt, wo die amtliche Form eine Zuordnung nahelegte.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 71
Loh n.
- 1
Loh, ahd. belegt als lôh st.m. ,Hain‘ (Schützeichel 116), mhd. 1 lôch st.m.n. ‚Gebüsch‘ (Lexer 1, 1949), ist, einst gemeindt. Wort, heute nur noch in einzelnen Dialekten lebendig (DWB 12 [VI], 1127; Kluge/Mitzka 445; Weigand/Hirt 2, 79). Etymologisch ist Loh mit lat. lucus verwandt und vielleicht die „altertümlichste der Waldbezeichnungen“ (Schröder 185). Doch ist die von Arnold 505 geäußerte Vermutung, „daß das Wort ursprünglich gleich dem lat. lucus die dem religiösen Cultus geweihten Waldorte bezeichnet und erst in der christlichen Zeit einen allgemeineren Sinn angenommen hat“, nicht haltbar (Bach 2 § 362; Trier 1952, 114-125; Debus 1968, 43).
Im 19. Jh. war Loh in Hessen „nur noch selten“, wohl aber „als Eigenname von Walddistricten äußerst häufig, nur erscheint es sehr oft verderbt in den Formen Lohn und Löhn (Lehn)“. Es bedeutet auch hier ‚Hain, kleines Gehölz, Buschwerk, welches einzeln mitten im angebauten Felde liegt‘ (Vilmar 252; vgl. v. Pfister 164f.; Crecelius 563). Heute ist Loh als Wort verschwunden (SHessWb 4, 377; HNassWb 2, 162; WaldWb 62).
Als gleichbedeutend mit Loh wird Hain angenommen, das als ostmitteldt. Wort unter dem Einfluß Luthers in der Neuzeit Loh verdrängt hat (Kluge/Mitzka 445).
- 2
Loh ‚Gehölz‘ ist nur sehr unsicher zu identifizieren, da Loh einerseits mit drei gleichlautenden anderen Bedeutungen konkurriert und andererseits spezifische dialektale Weiterentwicklungen der Form aufweist.
1. Gleichlautend mit Loh ,Gehölz‘ sind Loh n., Lohe f. ‚von den Gerbern zum Beizen gebrauchte Rinde‘ und Loh f. ,Sumpfwiese, sumpfige Stelle‘ (DWB 12 [VI], 1128, 1130), das auch in Hessen gelegentlich vorzukommen scheint (KehreinNb 498; Debus 1968, 43; vgl. Dittmaier 189f.). Während letzteres wegen des Genus leicht auszuscheiden ist (vorausgesetzt, Loh ,Gehölz‘ hat keine fem. Variante entwickelt), vermengen sich Loh ,Gehölz‘ und Loh ,Rinde‘ unlöslich, denn ob bei einem Waldstück die Eigenschaft als Gehölz oder die aus diesem gewonnene, allerorten benötigte Lohrinde namengebende Ursache war, läßt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen. Selbst bei den zahlreichen Lohmühlen, die in der Regel nach dem Mahlen der Lohrinde benannt sind, kann man nicht ganz sicher sein, wie der historische Nachweis der „Luhmühle“ bei 5417b4 Großen-Linden GIE: 1298 „in molendino, quod dicitur zůme Lo“ (Reichardt 242) zeigt.
Das einzige sichere Kriterium, um eine Teilmenge der Loh ,Gehölz‘-Namen zu identifizieren, ist der Strukturtyp; denn Loh ,Rinde‘ kommt nicht in der syntaktischen Position des Simplex oder als GT vor. Diese Position wird als sicher für Loh ,Gehölz‘ betrachtet; Loh als BT blieb deshalb unberücksichtigt, obwohl sich Loh darin auch vielfach auf ein Gehölz bezieht. Unberücksichtigt blieben wegen der möglichen Vermengung mit Loh ‚Sumpfwiese‘ alle fem. Belege. Eine Vermengung mit Lohe f. ‚wallende Glut‘ ist (trotz v. Pfister 164f.) nicht anzunehmen, weil dieses Wort kaum FlN-gebend gewesen sein dürfte.
2. Die dialektale Weiterentwicklung von mhd. lôch ,Gehölz‘ bereitet weniger deshalb Schwierigkeiten, weil im Einzelfall Vermengung mit mhd. loch ‚Loch‘ oder lâche ,Grenzzeichen‘ (Lexer 1, 1807) vorliegen kann, sondern vor allem, weil es einerseits eine umgelautete Nebenform mit ungeklärtem Status (vgl. Dittmaier 190) und eine schwach deklinierte, im Dativ (Plural ?) -n-haltige Nebenform gibt (vgl. Vilmar 252; Debus 1968, 45). Dadurch ist die sichere Trennung solcher Loh-Namen von Namen, die sich auf die „Lahn“ (dial. /le:/) beziehen oder die auf Lohn(e), Lehen, Lehne, sogar Leimen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 104) zurückgehen, unmöglich. Von den umgelauteten Belegen wurden deshalb nur die mutmaßlichen Diminutive (meist dial. /li:çe/), Plurale sowie einige Namen mit -/n/ aufgenommen, die aufgrund des Struktur- und Kombinationstyps mit hoher Wahrscheinlichkeit hierher gehören.
3. Wegen der vielfältigen Unsicherheiten gelten hier nur die nach den angegebenen Kriterien verhältnismäßig sicheren Loh ,Gehölz‘-Namen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 123
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Bühl-Loch: im büll loch (Nenderoth)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/89083_im-buell-loch> (aufgerufen am 06.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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