Pfütze-Wasen: auf den Pfützenwaasen

Historischer Beleg aus Nanzenbach  
Gemeinde
Dillenburg
Landkreis
Lahn-Dill-Kreis
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Pfütze-Wasen

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1777

Quelle

Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 179, Nr. 108.

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Pfütze

Zu ahd. pfuzza, phuz(z)i ‚Brunnen, Grube‘, mhd. phütze st. sw. F. ‚Lache, Pfütze‘, vermutlich einer Entlehnung aus lat. puteus ‚(abgestochener) Brunnen‘. Benannt werden damit kleine Wasserlachen, Sümpfe oder nasse Stellen im Acker.

Wasen

Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jahrhundert mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Pfütze

Zu ahd. pfuzza, phuz(z)i ‚Brunnen, Grube‘, mhd. phütze st. sw. F. ‚Lache, Pfütze‘, vermutlich einer Entlehnung aus lat. puteus ‚(abgestochener) Brunnen‘. Die Belege schließen sich an die in Südhessen geläufigen Bedeutungen ‚kleine Wasserlache, kleiner Sumpf, kleiner Teich, nasse Stelle des Ackers‘ an. Pfütz-/Pfitzgrund werden Täler mit feuchtem Boden genannt. Die Pfitz-Formen zeigen mundartliche Entrundung von /y/. Umdeutungen aus Bitze (s. d.) sind gelegentlich nicht auszuschließen.

Wasen

Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jh. mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Pfütze f.

1

Nach der vorherrschenden Auffassung geht die Pfütze als Lehnwort auf lat. puteus ,Brunnen‘ zurück (Müller/Frings 431; Kluge/Mitzka 548; Weigand/Hirt 2, 419; DWB 13 [VII], 1818; Post 79), wiewohl eine Ableitung aus dem Germ. nicht ausgeschlossen ist (Dittmaier 236). Im Ahd. steht pfuzza st.f. neben phuz(z)i st.m. ‚Brunnen‘ (Schützeichel 146), mhd. phütze st.sw.f. neben puzze st.m. ‚Brunnen, Lache, Pfütze‘ (Lexer 2, 269). Die im Rheinland auch in FlN allgemein verbreitete mask. Form Pütz (Dittmaier ebd.) ist in hessischen FlN nur ausnahmsweise belegt (s.u. 2), obwohl das Wort nicht unbekannt war (HNassWb 2, 627) und besonders im Nassauischen galt, hier allerdings (nach KehreinWb 314f.) auch fem.

In hessischen FlN bezieht sich Pfütze, entsprechend der Wortbedeutung, auf ‚kleines stehendes Gewässer, kleiner Sumpf, auch nasse Ackerstelle‘ (HNassWb ebd.; SHessWb 1, 819). Als Hauptvarianten existieren entrundetes /pids/ und palatalisiertes /pidʃ/ neben gesenkten /peds/ und /pedʃ/ (Crecelius 660f.; Vilmar 301), daneben gerundetes /pöds/ und /pödʃ/; so auch bei Estor 1416: Pötsche, pfütze. Der dialektal reguläre Anlaut ist /p/ (vereinzelt zu /b/ lenisiert), nur im Nordosthessischen /f/ Östlich der /p(pf)/-/f/-Grenze (vgl. Wiesinger K. 24). Hervorzuheben sind die bereits von Vilmar genannten und als ‚Waldsümpfe‘ gekennzeichneten blauen Pfützen.

2

l. In einer Reihe von Fällen ist mit Vermengung mit Bitze 2 (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 11) zu rechnen. Entsprechend der dort ausgeführten Regel wurden mit /b/ anlautende Namen zu Bitze gestellt, es sei denn, daß die Palatalisierung zu /-dʃ/ doch die Zuordnung zu Pfütze nahelegt (z. B. -// in 4918b3 Bottendorf WFK).

2. Namen mit anlautendem /f/ (Fitz u. ä.) wurden aufgenommen, wenn sie entweder im nordosthessischen dialektalen /f/-Gebiet liegen oder wenn aufgrund der amtlichen Form die Zugehörigkeit wahrscheinlich ist. Doch sind die letzteren Fälle unsicher (vgl. Eichhorn u. a. 166 für 5614c3 Lindenholzhausen LIW), da diese Namen vielleicht von Fitze ‚Rute, Weidengeflecht‘ (Dittmaier 72; vgl. SHessWb 2, 755) herzuleiten sind.

3. Die einzige belegte mask. Form ist /im peds/ in 5816c2 Neuenhain MTK. Sie ist - wohl in der Bedeutung ‚Brunnen‘ (Dittmaier 236) - aufgenommen; diese Bedeutung könnte auch einigen fem. Pfütze-Namen in Nassau zugrundeliegen (s.o. 1).

4. Die unverschobene niederdt. Form, mnd. putte m., f. (Schiller/Lübben 3, 392) ist in hessischen FlN nicht sicher nachzuweisen; in Frage kommt höchstens „Puttenbruch“ in 4423d2 Gottsbüren KSK.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 110

Wasen m.

1

Der FlN geht zurück auf ahd. waso m. (Graff 1, 1063), mhd. wase sw.m., wasen, wasem st.m. ,grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘ (Lexer 2, 702) und bezeichnet sowohl Rasenflächen wie aus dem Rasen ausgestochene Grasplacken (DWB 27 [XIII], 2276ff.). Das im Oberdt. und Westmitteldt. übliche Wort für den Rasen ist bedeutungsgleich mit dem niederdt. wrasen und dem daraus im Ostmitteldt. entstandenen Rasen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 31), anscheinend ohne mit diesem etymologisch verwandt zu sein (DWB ebd.; anders Weigand/Hirt 2, 1215). Da sich in der Neuzeit Rasen räumlich ausbreitet und in der Standardsprache durchsetzt, stellt sich die Frage, ob und wie sich dieser Veränderungsprozeß in hessischen FlN widerspiegelt (Kluge/Mitzka 840). Nach den hessischen Idiotika war Wasen noch im 19. Jh. das hier vorherrschende Wort (Vilmar 442; v. Pfister 331f.; Crecelius 895; KehreinWb 439), und noch in der Gegenwart ist Rasen „weit spärlicher bezeugt als Wasen“ (HNassWb 2, 771; vgl. FrankfWb 3492). Dabei ist die Variante Wasem, bei E. Alberus Wasum, die vielleicht in Analogie zu Boden-Bodem (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 95) entstanden ist (Crecelius ebd.; DWB 27 [XIII], 2277) und hauptsächlich im Rhein- und Moselfränkischen gilt (Wallner 64), sehr verbreitet, oft mit Kurzvokal (v. Pfister ebd.). Der Name tritt gelegentlich zu Wesen, Wesem umgelautet auf.

Wasen, Wasem bezieht sich in hessischen FlN durchweg auf Rasenflächen, und zwar nach Ausweis der häufigeren Kombinationstypen wie Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen hauptsächlich auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen. Insofern entspricht Wasen in der Sache weitgehend Anger (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 29; vgl. Dittmaier 331; Keinath 99), war aber als „offener, ebener Wiesenplatz ohne besondere Nutzungsbeschränkung“ (Bader 3, 118).

2

Fälle, in denen aufgrund des mündlichen Belegs // unsicher ist, ob ‚Wiesen‘ oder ,Wasen‘ (Umlaut ?) gemeint ist, sind vereinzelt.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 30

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Pfütze-Wasen: auf den Pfützenwaasen (Nanzenbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/87406_auf-den-pfuetzenwaasen> (aufgerufen am 05.11.2026)

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