Schlinke: vff der schlincken

Historischer Beleg aus Darsberg  
Gemeinde
Neckarsteinach
Landkreis
Bergstraße
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Schlinke

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1554-1560

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 1, Nr. 5/11.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Schlinke

Die Namen gehen als Substantivbildung auf mhd. slingen st.V. ‚hin und her ziehen, schwingen, winden, flechten‘ zurück und kennzeichnen teils abschüssig gelegene, oft muldenförmige und feuchte Fluren, teils Verschlüsse oder Schlagbäume. Das spiegelt sich auch in der heutigen dialektalen Bedeutung von Schlinke als ‚Schlinge, Schlaufe, Türklinke‘ u.ä. wider.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Schlinke

Die Namen sind offensichtlich unterschiedlicher Herkunft: Die verschiedenen Les- und Schreibarten der zusammengehörigen Belege aus Frankenhausen und Ober-Modau deuten auf einen BesitzerN Hans Schlink/Schlenk hin, die übrigen, vor allem die zusammengehörigen Schlinkenwinkel-Belege aus Bürstadt, Einhausen, Lorsch und Riedrode, gehören wohl zu dem in Mittelhessen häufigen FlN Schlinke. Er geht als Substantivbildung auf mhd. slingen st. V. ‚hin und her ziehen, schwingen, winden, flechten‘ zurück und kennzeichnet teils abschüssig gelegene, oft muldenförmige und feuchte Fluren, teils Verschlüsse oder Schlagbäume. Das spiegelt sich auch in der heutigen dialektalen Bedeutung von Schlinke als ‚Schlinge, Schlaufe, Türklinke‘ u. ä. - Ob der Beleg aus Nieder-Modau auf einen Apfelbaum an einer Schlinke1 oder eher auf eine Apfelsorte verweist, bleibt unklar.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Schlinke f.

1

Die hessischen Schlinke-FlN sind abzuleiten von ahd. slingan (Graff 6, 796, 794), mhd. slingen st.v. ,hin- und herziehen, schwingen, winden, flechten‘ (Lexer 2, 981; Lasch/Borchling 3, 273) und mhd. slingen st. n. ,Schlängelung‘ (Lexer 2, 982), mnd. slinc, slenc n. ‚Rand, Einfassung‘ und ‚Gatter, Verschluß, Schlagbaum‘ (Lasch/Borchling ebd. u. 266).

Als Wort ist Schlinke in Hessen bekannt als Benennung von ‚abschüssigen Gemarkungsstellen‘, vom Wasser ausgespülten Rinnen oder Vertiefungen, Straßenrinne‘, ‚natürlichen Niederungen‘, ,schleifenartigen Wegbiegungen‘ (HNassWb 3, 227, 238, Abb. 6; DWB 15 (IX), 743); KehreinWb 351). Crecelius nennt Schlinke nur als Bezeichnung für ‚Klinke, Riegel an der Tür‘ und ‚Schlinge zum Aufhängen der Kleider‘ (Crecelius 740; ebenso: KehreinWb 352; v. Pfister, Nachtr. 254; FrankfWb 2734). Im Waldeckischen bezeichnet Schlinke einen Schlagbaum (WaldWb 169).

Weitere Quellen nennen Schlinke als Bezeichnung für ein ‚enges, sich krümmendes, bruchiges Tal‘ (SiegWb 265; Leithaeuser 86). Im Thüringischen und Oberdeutschen gilt Schlinke als Benennung für eine ‚Brunneneinfassung‘ und einen ‚schmalen Gang zwischen zwei Häusern‘ (ThürWb 5, 687; Buck 242; DWB ebd.).

Die Schlinke-FlN bezeichnen in Hessen abschüssig gelegene Fluren, die feucht sein können, ‚enge Talkrümmungen‘ und vom ‚Wasser ausgespülte Rinnen‘ (KehreinNb 543; Dittmaier 272; vgl. Reichmann 78). Auf einen Zusammenhang mit Durchlässen an Hegen und Landwehren (Braun 1954a, 76f.) deuten die Namen Schlinkenlandwehr und Schlinkenwege in 5718a5 Petterweil WET hin.

2

Die Identifizierung der Schlinke-Namen ist nicht einfach, weil Schlinke und Schlinge in /ʃlinge/ zusammenfallen können und mit einer Umdeutung von unverstandenem Schlinke zu Schlinge zu rechnen ist. Formnamen wie z. B. am Schlenkerbein und Schlenkersrech wurden aussortiert.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 89

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Schlinke: vff der schlincken (Darsberg)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/82516_vff-der-schlincken> (aufgerufen am 03.11.2026)

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