Schlicht-See: In Schlifften See

Historischer Beleg aus Trais-Horloff  
Gemeinde
Hungen
Landkreis
Gießen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Schlicht-See

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1753

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Schlicht

Der Name geht auf das mhd. Adjektiv sliht, sleht in der alten Bedeutung ‚eben, gerade, glatt‘ zurück (vgl. schlecht). Der mündliche und der historische Beleg weisen einen dialektal bedingten /f/ > /ch/-Wechsel auf.

See

Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer heutigen landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s.d.) (Garbenteich).

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Schlicht

Die meisten Namen gehen auf ahd. slihtî, mhd. slihte, slehte st. F. ‚glatte Fläche, Ebene, gerader Weg‘ u. ä. zurück, einer Substantivbildung zum Adjektiv schlecht, dessen heutige Bedeutungsverschiebung von älterem ‚eben, gerade, glatt‘ ausgegangen ist. Entsprechend beziehen sich die Namen auf meist höher gelegene, ebene Flächen. Die Namen weisen z. T. dialektale Senkung /i/ /e/ auf und sind dann formal nicht mehr von schlecht ‚minderwertig‘ zu trennen. In Reinheim knüpft eine Sage an den FlN an: Der heutige Ort Reinheim sei aus ursprünglichem *Schlechtheim umbenannt worden1.

See

Zu ahd. se(o), mhd. sê st. M. ‚See‘. Bezeichnet See, wie im allgemeinen Sprachgebrauch, stehendes Gewässer, so haftet der Name heute häufig an flachen Flächen oder leichten Mulden, die in ihrer landwirtschaftlichen Nutzung kaum noch erkennen lassen, dass hier früher Wasser war. Auch wegen der sachlichen Nähe kommt es bei den Namen mit Diminutiv leicht zu Vermischungen mit Sechen (s. d.).

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Gleichen n. / Schlicht f.

1A

Gleichen gehört als Substantivierung zum Adj. gleich: ahd. gelîhhi st.f. ‚Gleichheit (Schützeichel 113), mhd. glîche st.f. (Lexer 1, 813). Im Niederdt. entfällt das Präfix z.T., und der Binnenkonsonant ist unverschoben: mnd. lîk, lîke (Lasch/Borchling 2, 819f.). Die mhd. Bedeutungskomponente ‚eben, gerade‘ (DWB 7 (IV, I, 4], 7992ff., 8035) herrscht im hessischen Sprachgebrauch noch im 19. Jh. stark vor (Crecelius 424; KehreinWb 166; v. Pfister 79) und ist auch heute noch belegt (SHessWb 1, 1384f.).

Als FlN bezeichnet Gleichen in Hessen eine ebene, meist hochgelegene Fläche (KehreinWb 166, Nb 413; Stroh 6f.; Knöpp 20; vgl. Dittmaier 90), gelegentlich auch eine Bergkuppe. Der Name hat - wie im Rheinland - meist neutr. Genus.

1B

Schlicht ist als ahd. slihtî st.f. ‚Fläche, Gegend‘ (Schützeichel 175), mhd. slihte, slëhte st.f. ‚glatte Fläche, Glätte, Ebene, gerader Weg ...‘ (Lexer 2, 978, 968) überliefert und Substantivierung zum Adj. schlecht, dessen ältere Bedeutung ‚in gerader Fläche od. Linie, eben, gerad, glatt‘ (Lexer 2, 967) darin eingegangen ist (DWB 15 [IX], 666f.; Kluge/Mitzka 654). Während das Adj. schlecht eine der Standardsprache vergleichbare Bedeutungsverschiebung mitgemacht hat (vgl. Vilmar 353f.; Crecelius 737; KehreinWb 350), ist im FlN Schlicht die ursprüngliche Bedeutung ,Ebene‘ erhalten (KehreinWb 351; KehreinNb 544), wie bei Gleichen wohl meist auf höher gelegene Ebenen bezogen (vgl. Dittmaier 271; Keinath 59; Zink 74). Bei FlN mit schlicht, schlecht, als BT ist schwer zu unterscheiden, ob das Substantiv oder das Adjektiv (in seiner früheren oder späteren Bedeutung) zugrunde liegt.

Neben Gleichen, Schlicht, auch Ebene ist die Namenentsprechung Platte in Hessen mit über 600 Vorkommen allgemein und gleichmäßig verbreitet.

2B

Abgrenzungsschwierigkeiten ergeben sich in den Fällen, in denen als BT oder Adjektiv schlecht(-) auftritt: „auf der schlechte Wiese“ (5814a1 Bärstadt RTK), „bei der schlechten Brücke“ (5919a1 Dudenhofen OFK) u. ä. Da es keine sprachlichen Abgrenzungskriterien gibt, wurden diese (wenigen) Fälle mit aufgenommen. Nicht hierher gehört „in der Urschlicht“ (5718b4 Groß-Karben WET): zu Urschlacht ,Pocken‘ (vgl. DWB 24 [XI, III], 2528f.); ebensowenig die „Schlichter“-Namen (6016b3 Groß-Gerau GRG) (zu Schlucht); „Schlichterweg“ (5716c4 Brombach HTK) und „Schlichterdeich“ (4926a3 Unhausen WMK) deuten vielleicht auf Wüstungsnamen hin.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 96

Seien m. f.; Siegen m.

1

Die Namen der oder die Seie(n) (meist der Seien, die Seie) und der Siegen gehören etymologisch und in der Sachbedeutung zusammen. Beide gehen auf germ. *sîhwan zurück, wobei durch grammatischen Wechsel Kluge/Mitzka 699) einerseits ahd. sîhan ,(heraus) seihen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîhen ‚trans. seihen, intrans. tröpfelnd durch etwas sickern, fließen‘ (Lexer 2, 919), andererseits ahd. sîgan, sîgen ‚sinken, wanken, sich neigen, sich niedersenken; herabfließen‘ (Schützeichel 164), mhd. sîgen (Lexer 2, 916) entstehen. Die daraus gebildeten Substantivierungen mhd. sîhe st.sw.f. und sîgen st. n. ‚das Sinken, das Tröpfeln, Fließen‘ (Lexer 2, 919, 917) beziehen sich in FlN auf eine ‚Vertiefung auf dem Felde, wohin das Regenwasser seinen allmählichen Ablauf nimmt, Vertiefung, tiefere Stelle der Flur überhaupt‘ (Vilmar 383; ähnlich Kehrein Wb 374) und entsprechen deshalb in der Sache nicht immer Seife(n) (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 120), wie Dittmaier 287, 29l angibt.

Aus den Angaben bei Kehrein ebd. geht nicht klar hervor, ob Seich f., Seihen m. in Nassau im 19. Jh. noch als Wort bekannt war; Vilmar ebd. hingegen berichtet, daß Siegen im „nördlichen Niederhessen“ noch verstanden, aber als Wort nicht mehr verwendet werde (vgl. Arnold 516). Heute ist hier nur noch vereinzelt ein Siegplatz ‚nasse Stelle im Acker‘ belegt (HNassWb 3, 597; vgl. ebd. 558). Gleicher etymologischer Herkunft und in FlN von Siegen kaum zu trennen ist der, das Siech, Sich, Sech u. ä. bzw. unverschoben nd. Siek, Sik, Sege ‚feuchte Niederung, feuchte sumpfige Stelle‘ (Bach 2 § 309), mnd. sîk (sieck, zyk) m.n. ‚wasserhaltiger Grund, sumpfige Niederung, Tümpel‘ (Lasch/Borchling 3, 230). Schließlich scheint es in hessischen FlN noch eine /(e)l/-Ableitung zu den Hauptvarianten zu geben, so daß auch Namen wie Seiel, Seigel, Segel, Sichel u.ä. hierher gestellt werden.

Durch Monophthongierung und Diphthongierung, durch Spirantisierung des /g/ und verschiedenartige Kontrahierungen entsteht dialektal eine Fülle von Nebenvarianten zu den beiden Hauptvarianten des Namentyps.

2

Während die Identifizierung der Hauptvarianten Seie(n) und Siegen ziemlich unproblematisch ist, ist die Ein- und Ausgrenzung der seltener vorkommenden Varianten mit großen Unsicherheiten behaftet, so daß nur eine erste Annäherung an die tatsächliche Verbreitung der Seie(n)-Siegen-Namen in Hessen erfolgen kann, die durch Realproben und historische Belege im einzelnen gesichert werden müßte. Das gilt besonders

l. für die gesamte Gruppe der Namen mit der vermuteten /(e)l/-Ableitung, für die bisher außer durch Kombinationstypen nur gelegentlich eine Sachbestätigung gefunden werden konnte (Henn 1977, 75 für 4925c1 Sontra WMK);

2. für das Vorkommen der Nebenvarianten als BT von FlN, wo zahlreiche Vermengungen mit anderen Namen vorliegen. So sind die Secken-‚ Sicken-Belege aufgenommen, obwohl sie sicher z. T. auf PN (Förstemann 1, 1317ff.), im Einzelfall vielleicht auch auf mnd. segge ,Riedgras‘ (Bach 2 § 323) zurückgehen. Ausgesondert wurden nur die Belege für den „Siegbach“ (links zur Dill) und für die Wüstung „Seckbach“ (in 5219d2 Wittelsberg MBK: 831/850 „Sigibach“; Reuling 1979, 282).

3. Der mehrfach belegte FlN Sechling gehört nicht hierher: ,Gebund, Garbe‘ (Crecelius 785; HNassWb 3, 589).

Unberücksichtigt blieben auch Belege mit genitivischem /-s/ im BT wie Sichels-‚ Siegels-‚ weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen PN oder FamN zurückgehen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 119

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Schlicht-See: In Schlifften See (Trais-Horloff)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/788137_in-schlifften-see> (aufgerufen am 04.11.2026)

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