Eul-Loch: auf dem Eulenloch
Beleg
Standard-Flurname
Eul-Loch
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1767
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 4, Busecker Tal , Nr. 1.
Weitere Belege
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Eul
Die Namen stellen sich zu mhd. ûle sw. F. ‚Topf‘, einer Entlehnung aus gallorom. ôlla ‚Topf‘. Die Belegreihe in Langsdorf, haftend an Boden mit roter Tonerde, zeigt das extreme Schwanken zwischen Eul- und Aul--Formen (s.d.), wobei die umgelautete Form vermutlich über die hier meist umgelautete Berufsbezeichnung Eul(n)er für den ‚Töpfer‘ entstanden ist. Die Namen beziehen sich auf Orte, wo Tonerde gegraben werden kann. Vermengung mit Eule ist leicht möglich und für die Laubacher und Reiskircher Vorkommen nicht auszuschließen.
Loch
Wohl meist zu ahd. loh, loch ‚Loch, Öffnung, Hähle‘, mhd. loch st.N. ‚Gefängnis, Versteck, Höhle, Loch, Öffnung‘. In FlN bezieht sich Loch auf alle Arten von Geländevertiefungen, von der sanften Mulde bis zum steilen Taleinschnitt. Vermengungen bestehen mit anderen Namen, vor allem mit Loh und Lache 2 (s.d.).
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Loch
Wohl meist zu ahd. loh, loch ‚Loch, Öffnung, Höhle‘, mhd. loch st. N. ‚Gefängnis, Versteck, Höhle, Loch, Öffnung‘. In FlN bezieht sich Loch auf alle Arten von Geländevertiefungen, von der sanften Mulde bis zum steilen Taleinschnitt. Allerdings ist mit einer größeren Zahl von Überschneidungen mit anderen Namen zu rechnen: Lache
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Aul f. / Topf m.; Düppen m. / Pott m. / Häfen m.
- 1A
Aul, ahd. ûla f. ,Topf‘ (Graff 1, 234), mhd. ûle sw.f. (Lexer 2, 1721), ist aus gallorom. ôlla ‚Topf‘ entlehnt (Hildebrandt 1963, 337) und im Trierer und Kölner Raum als Wort noch erhalten (RheinWb 1, 333; Müller/Frings 112; Post 247). In Hessen ist das Wort ausgestorben, wird aber noch von E. Alberus paraphrasierend ein weit milchdöpfen, ein aul genannt (DWB 1 [I], 817), von Crecelius 66 und KehreinWb 53 als „veraltet“ bezeichnet, wobei Kehrein - einigermaßen unklar - ,Theil, Bezirk eines Dorfes oder der Gemarkung‘ hinzufügt. Auch nach Vilmar 96 ist Aul „nicht mehr in Übung“, im Gegensatz zur Berufsbezeichnung des Töpfers Euler, Eulner (Vgl. KehreinWb 131; Crecelius ebd.; vgl. Estor 1407: Euler, töpfer). In Südhessen ist aber auch Euler unbekannt (SHessWb 2, 303). In FlN bezieht sich AuI meist auf die zur Topfherstellung benötigte Erde bzw. Vorgänge der Topfherstellung (s.u. 2). FlN weisen auch eine umgelautete Form Eul, bzw. nichtdiphthongiertes /u(:)l/ auf.
- 1B
Aus der komplizierten und im einzelnen umstrittenen Wortgeschichte von Topf (DWB 21 [XI, I, 1], 814-837; Müller/Frings 110; vgl. Weigand/Hirt 2, 1053; Kluge/Mitzka 782), mhd. topf st.m. (Lexer 2, 1462), genügt für unsere Zwecke der Hinweis, daß dafür in ganz Hessen mit Ausnahme des niederdt.-nordhessischen und südhess. Gebiets dial. Düppen gilt, das Hildebrandt 1963, 321 auf ahd. *duppîn (mit Gefäßsuffix în) zurückführt. Neben entrundetem /dibe/ bzw. entrundet-gesenktem /debe/ begegnet osthess. gerundet-gesenktes /döbe/ auch in den FlN (Vilmar 413; Crecelius 281 mit Hinweis auf E. Alberus: ein dopff, döpffen, kochdöpfen; KehreinWb 112; HNassWb 4, 174ff.; SHessWb 1, 1847ff.; so auch Estor 1406: Döppe, topf). Inwieweit einzelne mundartliche /top(f), töp(f)/-Belege durch die ostmitteldt. Standardform Topf oder durch die Standardsprache beeinflußt sind, kann für die nordosthessischen Belege nicht sicher entschieden werden (zur Grenze vgl. Hildebrandt 1963, 320).
Insgesamt grenzt sich hess. Düppen scharf gegen niederdt. Pott auf einer Linie nördl. Battenberg-Waldeck-nördl. Kassel ab (HNassWb 4, 175, K. 8), während in Südhessen die Grenze gegen südliches Hafen auf der Linie Seligenstadt-südl. Darmstadt-Groß-Gerau im Rheintal bereits nach Süden bis in den Raum Heppenheim verschoben ist (SHessWb 1, K. 109; vgl. Hildebrandt K. 1; DWA VIII).
In FlN bezieht sich Topf/Düppen wie Aul in der Regel auf Orte, die mit Topfproduktion und -transport verbunden sind; vereinzelt mag der Name nach der Form der Flur gegeben sein (vgl. Dittmaier 316).
Die Bezeichnung des Topfmachers Töpfer, mhd. töpfer, topfer st.m. (Lexer 2, 1463) ist als Wort heute hauptsächlich im hessischen Norden ab Marburg-Kirchhain-Ziegenhain-Hersfeld gebräuchlich (HNassWb 4, 77; vgl. Vilmar 96).
- 1C
Das niederdt. Synonym zu Topf/Düppen, der Pott, mnd. pot, put (Schiller/Lübben 3, 365), ist vermutlich vorlat. Herkunft, von den Römern übernommen, aber hauptsächlich von den Franken verbreitet und im Ripuarischen, Niederfränk. und Niederdt. gebräuchlich (Hildebrandt 1963, 333-337; Müller/Frings 111; Post 248; Kluge/Mitzka 561; DWB 13 [VII], 2039). In Hessen gilt Pott im Waldeckischen (WaldWb 82) und nördl. Kassel. Zur Grenze gegen Düppen s.1B.
Als aus Pott abgeleitete Berufsbezeichnung ist in FlN nur Pötter, mnd. potter (Schiller/Lübben 3, 368) belegt, wie auch Vilmar 305 nachweist, während das WaldWb 82 dafür Pöteker hat.
Nach den FlN-Belegen ist nicht ganz klar, ob es auch eine umgelautete Form Pött gab oder ob es sich nur um Plural-, bzw. Diminutivformen handelt.
- 1D
Obwohl das in Süddeutschland übliche Synonym für Topf, Hafen u.ä., ahd. haven st.m. ,Gefäß‘ (Schützeichel 75), mhd. haven, heven st.m. (Lexer 1, 1195) als Wort im größten Teil Südhessens mit /hafe, have/ gilt (SHessWb 3, 34 und Karten 109 und III 8), wenn auch von Norden durch Düppen bedrängt, hat sich dieses Wort in der südhessischen FlN-Gebung nicht ausgewirkt. Neben einem einzigen umgelauteten /heve-/-Beleg (zum Umlaut vgl. Hildebrandt 1963, 310) stehen einige wenige Namen nach der entsprechenden Berufsbezeichnung Hafner, Häfner, ahd. hafenâre st.m. (Schützeichel 75), mhd. havenære st.m. (Lexer 1, 1195).
- 2A
Aus den zahlreichen Aul(en)-‚ Eul(en)-‚ 0hl(en)-Namen wurden diejenigen herausgefiltert, die mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit auf Aul zurückgehen. Die meisten Eulen-, Uhlen-Namen gehen auf die Eule zurück, aber in weiten Teilen Hessens zwischen oberer Lahn und mittlerer Fulda auch die Aulen-Namen, weil hier mhd‚ iuwel, iule sw.f. ,Eule‘ (Lexer 1, 1464) > md. ûle zu Aule diphthongiert wurde (vgl. Vilmar 19). Die Zugehörigkeit der Varianten wurde deshalb nach dem Kombinationstyp ermittelt: Als zugehörig wurde Simplex angenommen (weil „in der Eule“, auf den Vogel bezogen, keinen rechten Sinn gibt), ferner Aul als BT zu -grube, -kaute‚ -erde und -ofen (wo Töpfe gebrannt wurden) und schließlich -gasse‚ -weg‚ -pfad (Wohnungen der Euler bzw, Transportwege).
- 2C
Nicht aufgenommen ist Pottasche, deren Bezeichnung daher rührt, daß „Laugensalz dadurch gewonnen wurde, daß gebrannte Pflanzenteile in einem Topf gekocht wurden“ (Kluge/Mitzka 561). Als FlN tritt Pottasche auf in 5721d1 Breitenborn a.W. MKK, 5813c7 Grebenroth RTK, 5815c3 Engenhahn RTK, 6218b8 Steinau DAD, 6219bl Rehbach ODW, also weit jenseits des Pott-Gebiets.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 106
Loh n.
- 1
Loh, ahd. belegt als lôh st.m. ,Hain‘ (Schützeichel 116), mhd. 1 lôch st.m.n. ‚Gebüsch‘ (Lexer 1, 1949), ist, einst gemeindt. Wort, heute nur noch in einzelnen Dialekten lebendig (DWB 12 [VI], 1127; Kluge/Mitzka 445; Weigand/Hirt 2, 79). Etymologisch ist Loh mit lat. lucus verwandt und vielleicht die „altertümlichste der Waldbezeichnungen“ (Schröder 185). Doch ist die von Arnold 505 geäußerte Vermutung, „daß das Wort ursprünglich gleich dem lat. lucus die dem religiösen Cultus geweihten Waldorte bezeichnet und erst in der christlichen Zeit einen allgemeineren Sinn angenommen hat“, nicht haltbar (Bach 2 § 362; Trier 1952, 114-125; Debus 1968, 43).
Im 19. Jh. war Loh in Hessen „nur noch selten“, wohl aber „als Eigenname von Walddistricten äußerst häufig, nur erscheint es sehr oft verderbt in den Formen Lohn und Löhn (Lehn)“. Es bedeutet auch hier ‚Hain, kleines Gehölz, Buschwerk, welches einzeln mitten im angebauten Felde liegt‘ (Vilmar 252; vgl. v. Pfister 164f.; Crecelius 563). Heute ist Loh als Wort verschwunden (SHessWb 4, 377; HNassWb 2, 162; WaldWb 62).
Als gleichbedeutend mit Loh wird Hain angenommen, das als ostmitteldt. Wort unter dem Einfluß Luthers in der Neuzeit Loh verdrängt hat (Kluge/Mitzka 445).
- 2
Loh ‚Gehölz‘ ist nur sehr unsicher zu identifizieren, da Loh einerseits mit drei gleichlautenden anderen Bedeutungen konkurriert und andererseits spezifische dialektale Weiterentwicklungen der Form aufweist.
1. Gleichlautend mit Loh ,Gehölz‘ sind Loh n., Lohe f. ‚von den Gerbern zum Beizen gebrauchte Rinde‘ und Loh f. ,Sumpfwiese, sumpfige Stelle‘ (DWB 12 [VI], 1128, 1130), das auch in Hessen gelegentlich vorzukommen scheint (KehreinNb 498; Debus 1968, 43; vgl. Dittmaier 189f.). Während letzteres wegen des Genus leicht auszuscheiden ist (vorausgesetzt, Loh ,Gehölz‘ hat keine fem. Variante entwickelt), vermengen sich Loh ,Gehölz‘ und Loh ,Rinde‘ unlöslich, denn ob bei einem Waldstück die Eigenschaft als Gehölz oder die aus diesem gewonnene, allerorten benötigte Lohrinde namengebende Ursache war, läßt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen. Selbst bei den zahlreichen Lohmühlen, die in der Regel nach dem Mahlen der Lohrinde benannt sind, kann man nicht ganz sicher sein, wie der historische Nachweis der „Luhmühle“ bei 5417b4 Großen-Linden GIE: 1298 „in molendino, quod dicitur zůme Lo“ (Reichardt 242) zeigt.
Das einzige sichere Kriterium, um eine Teilmenge der Loh ,Gehölz‘-Namen zu identifizieren, ist der Strukturtyp; denn Loh ,Rinde‘ kommt nicht in der syntaktischen Position des Simplex oder als GT vor. Diese Position wird als sicher für Loh ,Gehölz‘ betrachtet; Loh als BT blieb deshalb unberücksichtigt, obwohl sich Loh darin auch vielfach auf ein Gehölz bezieht. Unberücksichtigt blieben wegen der möglichen Vermengung mit Loh ‚Sumpfwiese‘ alle fem. Belege. Eine Vermengung mit Lohe f. ‚wallende Glut‘ ist (trotz v. Pfister 164f.) nicht anzunehmen, weil dieses Wort kaum FlN-gebend gewesen sein dürfte.
2. Die dialektale Weiterentwicklung von mhd. lôch ,Gehölz‘ bereitet weniger deshalb Schwierigkeiten, weil im Einzelfall Vermengung mit mhd. loch ‚Loch‘ oder lâche ,Grenzzeichen‘ (Lexer 1, 1807) vorliegen kann, sondern vor allem, weil es einerseits eine umgelautete Nebenform mit ungeklärtem Status (vgl. Dittmaier 190) und eine schwach deklinierte, im Dativ (Plural ?) -n-haltige Nebenform gibt (vgl. Vilmar 252; Debus 1968, 45). Dadurch ist die sichere Trennung solcher Loh-Namen von Namen, die sich auf die „Lahn“ (dial. /le:/) beziehen oder die auf Lohn(e), Lehen, Lehne, sogar Leimen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 104) zurückgehen, unmöglich. Von den umgelauteten Belegen wurden deshalb nur die mutmaßlichen Diminutive (meist dial. /li:çe/), Plurale sowie einige Namen mit -/n/ aufgenommen, die aufgrund des Struktur- und Kombinationstyps mit hoher Wahrscheinlichkeit hierher gehören.
3. Wegen der vielfältigen Unsicherheiten gelten hier nur die nach den angegebenen Kriterien verhältnismäßig sicheren Loh ,Gehölz‘-Namen.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 123
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Eul-Loch: auf dem Eulenloch (Reiskirchen)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/778450_auf-dem-eulenloch> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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