Schlüssel-Rain: aufm Schlüßel rain

Historischer Beleg aus Queckborn  
Gemeinde
Grünberg
Landkreis
Gießen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Schlüssel-Rain

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1755

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 230/1.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rain

Zu ahd. rein ‚Schutzwehr; Rain, Ackergrenze‘, mhd. rein st. M. ‚begrenzende Bodenerhöhung, Rain‘, nhd. Rain ‚Grenzstreifen zwischen zwei Äckern oder Fluren, Bodenerhöhung als Grenze, Abhang‘. - Vereinzelt kann auch ein PN namengebend sein, so bei der Reynewiesen 1489 in Oppenrod, wo gleichzeitig eine Reyne Elsen als Eigentümerin genannt wird (Eckhardt).

Schlüssel

Zu ahd. sluz(z)il, sluzzel, mhd. slüzzel st. M. ‚Schlüssel‘. Schlüssel heißt die rechteckige Grundstücksform, deren eines Ende durch einen ebenfalls rechteckig vorstehenden Geländeteil wie durch einen Schlüsselbart erweitert ist. Meistens handelt es sich um Äcker. Die Form kommt so häufig vor, dass sie auch als Wort verwendet wird. In historischen Belegen sind Wort und Name nicht immer eindeutig zu trennen.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Rain

Zu ahd. rein ‚Schutzwehr; Rain, Ackergrenze‘, mhd. rein st. M. ‚begrenzende Bodenerhöhung, Rain‘, nhd. Rain ‚Grenzstreifen zwischen zwei Äckern oder Fluren, Bodenerhöhung als Grenze, Abhang‘. Im Südhess. ist die Bedeutung ‚mit Gras bewachsener Abhang; steiler Abhang an der Längsseite von terrassenförmig am Hang liegenden Äckern‘ vorherrschend; mit ungefähr gleicher Bedeutung wird (in FlN seltener) das Wort Rech verwendet. Ein Wechsel von Rain und Rech in FlN kommt in Südhessen jedoch nur in Ausnahmefällen vor. Formen mit einfachem Stammvokal sind in der Mundart häufig, in schriftlichen Belegen selten (etwa in Götzenhain, Viernheim). Im Westen sind Vermischungen mit dem GewN Rhein möglich. In Babenhausen hat eine Umdeutung stattgefunden1.

Schlüssel

Zu ahd. sluz(z)il, sluzzel, mhd. slüʒʒel st. M. ‚Schlüssel‘. Schlüssel heißt die rechteckige Grundstücksform, deren eines Ende durch einen ebenfalls rechteckig vorstehenden Geländeteil wie durch einen Schlüsselbart erweitert ist. Meistens handelt es sich um Äcker. Die Form kommt so häufig vor, dass sie auch als Wort und gelegentlich adjektivisch, etwa mit eht-/-oht-Suffix in Lampertheim, verwendet wird. In historischen Belegen sind Wort und Name nicht immer eindeutig zu trennen. Nur dem Schlüsselsbrunnen in Steinbuch wird ein anderes Benennungsmotiv zu Grunde liegen.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Rain m.

1

Rain, ahd. nur schwach in Namen bezeugt (Graff 2, 527; Förstemann 2, 2, 532), mhd. rein st.m. ,begrenzende Bodenerhöhung, Rain, limes‘ (Lexer 2, 388), mnd. rein ‚Rain, Grenze‘ (Schiller/Lübben 3, 451) ist ein gemeindt., „uraltes Wirtschaftswort ..., das den Streifen Landes bezeichnete, der ungebaut zwischen dem Ackerland zweier Gemarkungen gelassen wurde, sei es als ebenes Grasland oder als Bodenerhöhung“ (DWB 14 [VIII], 72; vgl. Kluge/Mitzka 579; Weigand/Hirt 2, 520; Dittmaier 239). Während im niederdt.-niederländischen Sprach- und Namengebrauch die Komponente ,Ackergrenze‘ vorherrschend wurde (vgl. für Limburg Goossens K. 11-13; Alpers/Barenscheer 127; Wiswe 344), gilt im Oberdt. daneben hauptsächlich die Bedeutung ,Abhang‘ (vgl. Valtavuo 120f.; Keinath 54, 114).

Rain bezieht sich im hessischen Sprachgebrauch heute fast ausschließlich auf kurze steile Abhänge, vor allem zwischen Ackerterrassen (SHessWb 4, 1193; HNassWb 2, 752), und ist deshalb synonym mit Rech im Südwesten und Ufer/Oiwer im Norden (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 84; zur Wortgrenze vgl. B. Martin 1925, 144).

In den mündlichen Formen der FlN herrschen entsprechend dem dialektalen Sprachgebrauch (Wiesinger K. 15 und 19) neben /rain/ die aus mhd. /ei/ entstandenen monophthongischen Formen /ra:/ und /re:/‚ teils weiter zu /ro:/ und /ri:/ gehoben, vor, wobei /ra:/ vereinzelt zu /rao, rou/ diphthongiert wurde. Wo das auslautende -/n/ erhalten ist, erfolgte mitunter Gutturalisierung zu -/ŋ/.

Die Raine sind teils natürlichen Ursprungs, teils aber auch erst durch terrassierende Pflugtechnik, durch Ablage von ausgelesenen Steinen oder durch Heckenpflanzungen entstanden (zur Heckenwirtschaft im Vogelsberg vgl. W. Kuhn). Insofern können u. U. bestimmte Kombinationstypen wie alter, langer, hoher, steinerner Rain Hinweise auf frühere Ackersysteme vor der Vergewannung enthalten (H. Jäger 33; Kroh 110).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 83

Schlüssel m.

1

Der FlN Schlüssel bezieht sich bildlich auf die Grundstücksform: ahd. sluzzel st.m. (Schützeichel 175), mhd. slüʒʒel st.m. (Lexer 2, 993) ,Schlüssel‘, gehört etymologisch zu schließen (Weigand/Hirt 2, 740; Kluge/Mitzka 660). Das Wort ist in der standardsprachlichen Bedeutung in Hessen allgemein verbreitet (HNassWb 3, 262), im hessisch-niederdt. Sprachgebiet in der unverschobenen Form /ʃlütel/ (WaldWb 94), <mnd. slôtel m. (Lasch/Borchling 3, 279), ist regional - so in Nassau - zu /ʃlösel/ gesenkt (KehreinWb 355), sonst zu /ʃlisel/ entrundet und weit verbreitet weiter zu /ʃlesel/ gesenkt.

Als FlN bezeichnet Schlüssel keinesfalls „ein spitz zulaufendes Geländestück“ (so Bach 2 § 291), sondern in der Regel Flurstücke mit einer abknickenden rechteckigen Ausbuchtung, vergleichbar mit einem Schlüsselbart, auf die eine parallel laufende Parzelle mit dem Kopfende stößt, so daß der Zugang zu dieser mitunter über den Schlüssel erfolgen muß (Dittmaier 274). Schlüssel ist als Wort für derart geformte Flurstücke in Mittelalter und Neuzeit häufig belegt, noch heute als Schlüsselacker in Mittelhessen gebräuchlich (DWB 15 [IX], 859; Crecelius 744; Kehrein ebd.) und konkurriert hier mit gleichbedeutendem Krappenacker (Wenzel 29 und K. 27; → Hessischer Flurnamenatlas, Karte 60).

2

Die Belege werfen keine Identifizierungsschwierigkeiten auf. Auszuscheiden sind die gelegentlich belegten Schlüsselblumen, der Schlüsselstrauch und der Schlüsselkorb, ebenfalls ein Formname nach „einem kleinen Korb zur Aufbewahrung von Schlüsseln“ (DWB 15 [IX], 862). Fraglich ist „Schlössel“ in 65l9a6 Hirschhorn (Neckar) BGS (eher Diminutiv zu Schloß).

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 61

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Schlüssel-Rain: aufm Schlüßel rain (Queckborn)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/778018_aufm-schluessel-rain> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/778018