Nieder-Dorf-Wasen: auf dem Niederdorffs waasen
Beleg
Standard-Flurname
Nieder-Dorf-Wasen
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1755
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 230/1.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Dorf
Zu ahd. mhd. dorf st.N. ‚Dorf, Gehöft‘. Die Namengebung erfolgt nach der Lage des Flurstücks in der Nähe des Dorfes bzw. innerhalb des früher eingefriedeten Dorfbereichs. Die Komposita Dorfgraben, Dorffrieden, Dorfzaun u.a. erinnern an die ehemals übliche Befestigung der Dörfer mit Gräben, Hecken und Wällen.
Nieder
Zum Adjektiv ahd. nidar, mhd. nider ‚nieder‘. Nieder kennzeichnet, im Gegensatz zu ober, die relative Lage von Grundstücken und Anlagen. - Nieder- kommt als differenzierendes Glied in folgenden WüstungsN vor: Nieder-Beringheim, -Beuerstatt, -Dilshausen. Der Typ Niederfeld bezieht sich in der Regel auf ein Großfeld in der Dreifelderwirtschaft; der Typ Niederdorf auf einen Dorfteil.
Wasen
Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jahrhundert mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Dorf
Zu ahd. mhd. dorf st. N. ‚Dorf, Gehöft‘. Die Namengebung erfolgt nach der Lage des Flurstücks in der Nähe des Dorfes bzw. innerhalb des früher eingefriedeten Dorfbereichs. Die häufigen Komposita Dorfgraben, Dorffrieden u. a. erinnern an die ehemals übliche Befestigung der Dörfer mit Gräben, Hecken und Wällen.
Nieder
Zum Adjektiv ahd. nidar, mhd. nider ‚nieder‘. Nieder kennzeichnet, im Gegensatz zu ober, die relative Lage von Grundstücken und Anlagen.
Wasen
Zu ahd. waso, mhd. wasen, wasem st. M. ‚grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘. Das Wort ist bedeutungs- und vermutlich auch herkunftsgleich mit nhd. Rasen und bezeichnet wie dieses Rasenflächen, dann aber auch aus dem Rasen gestochene Grasplacken. Die FlN beziehen sich durchgängig auf Wiesen, hauptsächlich wohl auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen (etwa in Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen). Bei den Simplizia tritt die Bedeutung ‚Schindanger‘ seit dem 15. Jh. mehr und mehr als namengebendes Motiv auf.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Wasen m.
- 1
Der FlN geht zurück auf ahd. waso m. (Graff 1, 1063), mhd. wase sw.m., wasen, wasem st.m. ,grasbewachsene Erdfläche, Rasen‘ (Lexer 2, 702) und bezeichnet sowohl Rasenflächen wie aus dem Rasen ausgestochene Grasplacken (DWB 27 [XIII], 2276ff.). Das im Oberdt. und Westmitteldt. übliche Wort für den Rasen ist bedeutungsgleich mit dem niederdt. wrasen und dem daraus im Ostmitteldt. entstandenen Rasen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 31), anscheinend ohne mit diesem etymologisch verwandt zu sein (DWB ebd.; anders Weigand/Hirt 2, 1215). Da sich in der Neuzeit Rasen räumlich ausbreitet und in der Standardsprache durchsetzt, stellt sich die Frage, ob und wie sich dieser Veränderungsprozeß in hessischen FlN widerspiegelt (Kluge/Mitzka 840). Nach den hessischen Idiotika war Wasen noch im 19. Jh. das hier vorherrschende Wort (Vilmar 442; v. Pfister 331f.; Crecelius 895; KehreinWb 439), und noch in der Gegenwart ist Rasen „weit spärlicher bezeugt als Wasen“ (HNassWb 2, 771; vgl. FrankfWb 3492). Dabei ist die Variante Wasem, bei E. Alberus Wasum, die vielleicht in Analogie zu Boden-Bodem (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 95) entstanden ist (Crecelius ebd.; DWB 27 [XIII], 2277) und hauptsächlich im Rhein- und Moselfränkischen gilt (Wallner 64), sehr verbreitet, oft mit Kurzvokal (v. Pfister ebd.). Der Name tritt gelegentlich zu Wesen, Wesem umgelautet auf.
Wasen, Wasem bezieht sich in hessischen FlN durchweg auf Rasenflächen, und zwar nach Ausweis der häufigeren Kombinationstypen wie Schindwasen, Sauwasen, Gemeindewasen hauptsächlich auf solche, die der Gemeinschaftsnutzung unterlagen. Insofern entspricht Wasen in der Sache weitgehend Anger (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 29; vgl. Dittmaier 331; Keinath 99), war aber als „offener, ebener Wiesenplatz ohne besondere Nutzungsbeschränkung“ (Bader 3, 118).
- 2
Fälle, in denen aufgrund des mündlichen Belegs /
/ unsicher ist, ob ‚Wiesen‘ oder ,Wasen‘ (Umlaut ?) gemeint ist, sind vereinzelt. Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 30
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Nieder-Dorf-Wasen: auf dem Niederdorffs waasen (Queckborn)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/777964_auf-dem-niederdorffs-waasen> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/777964