Pfaffe-Boden: Im, Am Pfaffenboden

Rezenter Beleg aus Münster  
Gemeinde
Laubach
Landkreis
Gießen
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Pfaffe-Boden

Belegort

Belegtyp

rezent

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Boden

Zu ahd. bodam, mhd. bodem st. M. ‚Boden, Grund‘. Die FlN beziehen sich in der Regel auf tiefer gelegenes Land, aber auch speziell auf die unterste Terrasse eines Weinberges.

Pfaffe

Zu ahd. phaffo, mhd. pfaffe sw. M. ‚Priester, Geistlicher‘, einer Entlehnung aus griech. papas ‚Kleriker‘. Pfaffe erscheint in den FlN als Bezeichnung für den Weltgeistlichen oder den im Kloster lebenden Mönch. Die Erträge aus den Grundstücken waren Teil ihrer wirtschaftlichen Ausstattung. Die Namen Pfaffenpfad und Pfaffenweg verweisen in der Regel auf die häufige Benutzung durch einen Pfarrer. Pfaffenstein-Namen erinnern zumeist an Grenzsteine eines geistlichen Besitzes. Gelegentlich kann auch der häufige FamN Pfaff namengebend sein. Aber der Pfaffensteg in Großen-Linden, den angeblich ein Zimmermann Pfaff am Ende des 19. Jahrhunderts erstellt hat, ist schon 1598 belegt.

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Boden

Zu ahd. bodam, mhd. bodem st. M. ‚Boden, Grund‘. Die FlN beziehen sich auf tiefer gelegenes Land, aber auch speziell auf die unterste Terrasse eines Weinberges. In Unter-Flockenbach findet sich in der amtlichen Schreibung der dialektale Wandel von /d/ zu /r/.

Pfaffe

Zu ahd. phaffo, mhd. pfaffe sw. M. ‚Priester, Geistlicher‘, einer Entlehnung aus griech. papás ‚Kleriker‘. Pfaffe erscheint in den FlN als Bezeichnung für den Weltgeistlichen oder für den im Kloster lebenden Mönch. Die Erträge aus den Grundstücken waren Teil ihrer wirtschaftlichen Ausstattung. Die Namen Pfaffenpfad und Pfaffenweg verweisen in der Regel auf die häufige Benutzung durch einen Pfarrer. Pfaffenstein-Namen erinnern zumeist an Grenzsteine eines geistlichen Besitzes.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Boden m.

1

Die Boden-FlN haben ihre sprachhistorische Grundlage in ahd. bodam st.m. (Karg-Gasterstädt/Frings 1, 1243ff.), mhd. bodem, boden st.m. ‚Boden, Grund‘ (Lexer 1, 321; vgl. auch DWB 2 [III], 210; Weigand/Hirt 1, 262; Kluge/Mitzka 88).

Als Wort ist Boden in Oberhessen Bezeichnung für ‚den oberen Teil des Hauses, Speicher‘ und in der Zusammensetzung Bodenzins für ‚Grundzins‘ bekannt (Crecelius 185).

In Südhessen ist mit Boden allgemein ,Erdboden‘, als Fläche ‚gleicher Boden‘ und speziell die ,Ackerkrume‘, oft mit Qualitätsbeschreibung (sandiger, schwerer, schlechter Boden, Mutterboden, Lehmboden usw.) gemeint (SHessWb 1, 984ff.).

Die Bedeutung von Boden ist auch außerhalb Hessens ähnlich, wird aber noch um einige Varianten erweitert.

„Boden meint vorzugsweise den Ackerboden“, daneben ist „in den Böden“ gleichbedeutend mit ‚in den Tälern auf dem ebenen Land‘ (DWB 2 [II], 211).

Im Oberdeutschen bedeutet Boden eine ‚Ebene unter, am oder auf einem Berg, Terassenstücke an Halden‘ (Buck 32; Oeller 20); im Rheinischen die ‚unterste Terasse des Weinbergs‘ (RheinWb 1, 832; KehreinWb 86). Auch auf Boden als Benennung eines Teils der Landschaft wird verwiesen (PfälzWb l, 1067; SchwäbWb 1, 1256).

In FlN ist Boden als ‚flaches und bebaubares, freies und weites Gelände, oft im Talgrund gelegen‘, aber auch als ‚ebene Hochfläche‘ belegt (Keinath 60, 90; Knöpp 20; Danz 36f.). Nach Kehrein ist Boden ein in Hessen-Nassau häufig belegter FlN (KehreinNb 349f.).

Bei der Betrachtung des vorliegenden Namenmaterials kann man im wesentlichen drei verschiedene Sachbezüge feststellen, auf die sich die hessischen Boden-FIN beziehen.

l. Namengebend ist sehr oft die niedrige Lage oder die Tallage des benannten Flurstücks (vgl. Dittmaier 36; Bach 1925, 30; KehreinNb ebd.). Darauf weisen die folgenden, mehrfach belegten Namentypen hin: Kesselboden, Talboden, Bodental, Dellenboden, Niederbaden, im tiefen Boden, im untersten Boden.

2. Zahlreiche Belege der hessischen Boden-Flurnamen beziehen sich auf die Bodenqualität oder -farbe des jeweiligen Flurstückes (vgl. SHessWb 1, 986, 988): Kiesboden, Speckboden, Steinboden, Weißboden, Salzboden, Kalkboden, Sandboden, Simmetenboden, Fruchtboden, Faulebodenacker, -wiese, Moorboden, im faulen Boden, im sauren Boden, im bösen Boden, im roten Boden, im guten Boden; auch solche Namen, die auf ‚nasse Stellen‘ hinweisen: im nassen Boden, Lachboden, Bodenbrunkel, Bodenbruch, Klingenboden, Bodengalle.

3. Auf ebene Flächen, terrassenartige Lage und Größe der Flurstücke beziehen sich folgende Namen: Bodenplacken, Bodenflecken, Fleckenboden, Gleichenboden, am langen Boden, im großen Boden.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 95

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Pfaffe-Boden: Im, Am Pfaffenboden (Münster)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/774227_im-am-pfaffenboden> (aufgerufen am 04.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/774227