Alt-Pfarrer-Grabe: Am alten Pfarrersgraben
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Alt
Zu ahd. mhd. alt ‚alt‘. In FlN wird alt meist im Gegensatz zu neu oder jung verwendet. Dabei kann es sowohl ‚alt an Jahren‘ als auch ‚ehemalig‘ oder ‚nicht mehr vorhanden‘ bedeuten. Alt ist deshalb ein wichtiger sprachlicher Indikator für die Rekonstruktion der Altlandschaft, besonders als Hinweis auf ehemalige siedlungskulturelle Elemente: Altwege und -straßen, alte Gerichte, Höfe, Kirchen und Alteburgen, von denen die Alteburg bei Arnsburg als ehemaliges Römerkastell und die Alteburg bei Salzböden als Bezeichnung für das Gronauer Schloss hervorzuheben sind. Häufig sind Namen auf veränderte Gewässerverlaufe bezogen, so das heute unverständliche (H)allo in Wißmar für ‚alte Lahn‘. Die zahlreichen Alt(en)bäche sind hier nicht einzeln identifiziert: Der Übergang zwischen der Wortbedeutung und dem Gebrauch als Namen ist bei vielen historischen Belegen fließend. - Alter Wolf ist wahrscheinlich EreignisN; alter Kalk unklar, sofern es sich nicht um eine Ellipse (*Kalkbruch o.ä.) handelt. - Alt-Mutter ist ein in Hessen selten gebrauchter Ausdruck für ‚Großmutter‘ (Vilmar).
Pfarrer
Zu ahd. pharrâri, mhd. pharrære st. M. ‚Pfarrer‘, einer Nomen-agentis-Bildung zu ahd. phara. Dazu tritt in historischen und mündlichen Belegen die dialektale Variante Perner. Die Namen beziehen sich auf Besitz und Nutzungsrechte des Pfarrers.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Alt
Zu ahd. mhd. alt ‚alt‘. In FlN wird alt meist im Gegensatz zu neu oder jung verwendet. Dabei kann es sowohl ‚alt an Jahren‘ als auch ‚ehemalig‘ oder ‚nicht mehr vorhanden‘ bedeuten.
Grabe
Vermutlich zum FamN Grabe.
Pfarrer
Zu ahd. pharrâri, mhd. pharrære st. M. ‚Pfarrer‘, einer Nomen-agentis-Bildung zu ahd. pharra. Daneben steht das Kompositum Pfarrherr in Gräfenhausen, Klein-Umstadt, Messel, Nieder-Beerbach und Rembrücken, zu mhd. pharre-hërre sw. M. Dazu als moviertes Femininum Pfarrerin ‚Ehefrau des evangelischen Geistlichen‘ (Babenhausen). Die Belege verweisen auf Landbesitz eines Pfarrers. Vereinzelt erscheinen umgelautete Formen und einmal (Michelstadt) die in Südhessen seltene mitteldt. Nebenform Pherner.
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Alt-Pfarrer-Grabe: Am alten Pfarrersgraben (Leihgestern)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/771564_am-alten-pfarrersgraben> (aufgerufen am 03.11.2026)
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