Zwerch-Klinge: im Zuerren Clingen gelegen
Beleg
Standard-Flurname
Zwerch-Klinge
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1613
Quelle
Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 69/4.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Klinge
Zu ahd. klingo, klinga ‚(Sturz-)bach‘, mhd. klinge sw. st. F. in der Bedeutung ‚Gießbach, Talschlucht‘, das zum starken Verb ahd. klingan, mhd. klingen ‚rauschen, plätschern, klingen‘ gebildet ist. Klinge benennt daher im Allgemeinen Bäche und enge Schluchten, die sich bei starken Regenfällen in Sturzbäche verwandeln. Heute sind es oft enge Geländeeinschnitte.
Zwerch
Zu ahd. thwerah ‚schräg‘, mhd. twerch ‚auf die Seite gerichtet, schräg, verkehrt‘, frühnhd. zwer, zwerch ‚quer‘. Ab dem 14. Jahrhundert entwickelt sich der Anlaut /tv/, /dv/ in den meisten Mundarten zu /tsv/ wie in zwerch. Die nur vereinzelt greifbare Variante zwer, zu der zwerch eine Erweiterung mit /k/-Suffix ist, geht auf ahd. thwer, mhd. twer ‚quer, schräg‘ zurück. Die Belegreihen zeigen gelegentlich Schwankungen zwischen zwer, zwerch und dem etymologisch verwandten quer, querch. Im Untersuchungsgebiet gilt dialektal die Variante Werch (s.d.). Mit zwerch wurden Gewanne bezeichnet, die quer zu den benachbarten Flurstücken verlaufen.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Klinge
Zu ahd. klingo, klinga, ‚(Sturz-)bach‘, mhd. klinge sw. st. F. in der Bedeutung ‚Gießbach, Talschlucht‘, das zum starken Verb ahd. klingan, mhd. klingen ‚rauschen, plätschern, klingen‘ gebildet ist. Klinge benennt daher im Allgemeinen Gebirgsbäche und enge Schluchten, die sich bei starken Regenfällen in Sturzbäche verwandeln. In Südhessen gilt vor allem die Bedeutung ‚Bach in einer Talschlucht‘ und dann auch ‚Talschlucht‘ selbst. Die Belegverteilung deutet für die Klingen-Namen auf oberdt. Sprachzusammenhang hin. Der südhess. Raum scheint das Zentrum ihrer hess.-mitteldt. Verbreitung zu sein.
Zwerch
Zu ahd. thwerah ‚schräg‘, mhd. twerch ‚auf die Seite gerichtet, schräg, verkehrt‘, fnhd. zwer, zwerch ‚quer‘. Ab dem 14. Jh. entwickelt sich der Anlaut /tv/, /dv/, so wie er im Beleg aus Trebur noch vorliegt, in den meisten Mundarten zu /tsv/ wie in zwerch. Die nur vereinzelt greifbare Variante zwer, zu der zwerch eine Erweiterung mit k-Suffix ist, geht auf ahd. thwer, mhd. twer ‚quer, schräg‘ zurück. Die Belegreihen zeigen gelegentlich Schwankungen zwischen zwer, zwerch und dem etymologisch verwandten quer, querch, ohne dass eine deutliche räumliche oder zeitliche Verteilung zu erkennen wäre. Während sich in der Schriftsprache seit dem 18. Jh. die mitteldt. Variante quer durchsetzt, überwiegt in Südhessen zwerch. Schriftlich erscheint es vielfach in der Form zwerg, doch ist eine Verwechslung mit nhd. Zwerg eher unwahrscheinlich, da hierfür in Hessen Wichtel galt. Einige Belege wie Zwerggewännchen deuten auf eine jüngere Umdeutung. Mit zwerch wurden Gewanne bezeichnet, die quer zu den benachbarten Flurstücken verlaufen.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Klinge f.
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Die heutigen FlN Kling(e) f. und Klingen/Klingel m.n. sind abzuleiten von ahd. clinga, chlinga st. sw. f.‚ klinge, chlingo sw.m. ,(Sturz-)Bach‘ (Schützeichel 98), mhd. klinge sw.st.f. ,Gebirgsbach, Talschlucht‘ (Lexer 1, 1623f.), auch ‚Gießbach‘ (Kluge/Mitzka 377), ,rauschender Bach, Wildbach‘ (Weigand/Hirt 1, 1058) und dem Verb ahd. chlingan, klingan st.v. (Graff 4, 563), mhd. klingen ‚rauschen, plätschern, klingen, erklingen‘ (Lexer 1, 1626).
Klingel ist möglicherweise substantivierte Ableitung von mhd. klingelen sw.v. ‚rauschen, plätschern‘ (Lexer 1, 1625), kann aber auch durch Dissimilation von Klingen zu Klingel entstanden sein (Dittmaier 148). Die Klingen-Formen können von der Pluralform oder einer adjektivischen Wendung *‚an der klingenden Bach‘ → Klingenbach abgeleitet sein (vgl. Schröder 236).
Klinge benennt (Gebirgs-)Bäche überhaupt; viele heißen nach ihrem ,murmelnden, plätschernden Geräusch‘, das sie an seichten, steinigen Stellen verursachen, Klingel.
Ebenso sind enge Täler, ,wasserlose, enge Schluchten, schmale Gräben‘, die sich bei Gewittern und im Frühjahr in Sturzbäche verwandeln, gemeint (DWB 11 (V), 1174).
Klinge ist in Südhessen, besonders im Odenwald, bekannt als Benennung für einen ‚Bach in einer Talschlucht‘, eine ‚enge Talschlucht urspr. mit einem Bach, heute nicht selten ohne Wasser‘ (SHessWb 3, 1422) und in Oberhessen als ‚Bach, der durch ein Tal fließt, und Tal, dadurch ein Bach fließt‘ (Crecelius 506). In der Wetterau sind Klingen ‚Wasserrisse an Abhängen‘, die bei starkem Regen oder zur Schneeschmelze große Wassermengen führen (Braun 1954b 119).
Klinge ist eine im Mittel- und Oberdeutschen weitverbreitete Benennung für Gebirgsbäche, schluchtartige Täler, schmale, tiefe Gräben u.ä. (vgl. BadWb 3, 166; Buck 140; PfälzWb 4, 309; SchwäbWb 4, 490; Schmeller 1, 1334).
- 2
Die zu /e/ gesenkte Klenge-Form in Mittel- und Oberhessen hätte zu Vermengung mit klengen ,Leinsamenkapseln in der Sonne zum Trocknen ausbreiten, damit sie aufspringen‘ (Crecelius 506; Vilmar 206; Kluge/Mitzka 377) und davon abgeleiteten FlN z. B. Klengkaule ,Kaule, in der die Kapseln zum ,klengen‘ getrocknet werden‘ (Vilmar ebd.) führen können. Es ließen sich jedoch kaum Anhaltspunkte in Namenform und -kombination finden, die auf FlN in diesem Zusammenhang hinwiesen, nur Knottenklänger in 5118d1 Sterzhausen MBK wurde aussortiert. Namen, die sich auf die Form eines Flurstückes beziehen, z. B. Klingelbeutel in 4624c1 Ermschwerd WMK blieben unberücksichtigt.
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 93
Quer, Zwerch
- 1
Bei den mit den Adjektiven Quer und Zwerch gebildeten hessischen FlN ist vor allem die Verteilung der mündlichen Varianten von Interesse; denn die Sachbedeutung ist allemal die gleiche wie nhd. quer ‚quer(-liegend), schräg‘: Sie bezieht sich auf querliegende, Anwendern (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 8) vergleichbare Grundstücke oder Gewanne.
Ausgangsformen sind ahd. twer (Schützeichel 36), dwerh, dwerah, twerah (Braune-Eggers § 167 A.8; DWB 32 [XVI], 1084), mhd. twer, twerch, dwerch (Lexer 2, 1598f.) mit der Substantivierung twerhe st.f. ‚Quere‘ (Lexer 2, 1600). Ab dem 14. Jh. entwickelt sich der /dw‚ tw/-Anlaut teils zu /tsv/, im Mitteldt. und Elsässischen zu /kv/ (DWB 13 [VII], 2355; DWB 32 [XVI], 1085; Paul-Moser-Schröbler § 106, § 116.2.b2; HSS K.172 und Textband 259). quer hat sich „vom Md. aus in der Schriftsprache seit dem 18. Jh. durchgesetzt ...; zwerch lebt nur noch in den Maa., und zwar in allen obd. Dialekten, im Westmitteldeutschen und vereinzelt im Schlesischen“ (DWB 32 [XVI], ebd.). Im Niederdt. wurde die Verschiebung des /dv, tv/-Anlauts nicht durchgeführt (Schiller/ Lübben 1, 614).
In den einschlägigen hessischen FlN spiegelt sich die Vielfalt der dialektalen Varianten. Neben „reich“ belegtem Adj. quer hat sich bis heute querch in der Bedeutung ‚verkehrt‘ erhalten (HNassWb 1, 730; Vilmar 309); aber noch im 19. Jh. ist „quer wenig gebraucht, dafür sagt man lieber querch, zwerch, zwerscht, wersch, werscht, die drei letzten mit lang und tief gesprochenem e; querch gehört hauptsächlich dem Vogelsberg an“ (Crecelius 669). Die Sonderform Wärsch f. ,Quere‘ mit plosivlosem /v/-Anlaut erscheint oft mit einem unorganisch angehängten /t/ : Wärscht, Werst, so schon bei Estor 1406: „der werst, zwerch über“ (Vilmar 442; vgl. v. Pfister 216f.). Für das Nassauische belegt KehreinWb 457 nur “Zwers, Zwersch, Dialektform von zwerch“.
Eine Sonderform zu zwerch stellt schließlich überzwerch, das ebenfalls mhd. belegt ist (Lexer 2, 1599), dar.
In der FlNgebung ist zu unterscheiden, ob das Adj. als BT des Namens auftritt oder ob eine Substantivierung, meist als Quere oder Querche(n)‚ vorliegt.
- 2
Eine Verwechslung der /dsverç/-Formen mit Zwerg ist trotz dialektaler Gleichlautung unwahrscheinlich, weil für diesen in Hessen Wichtel gebräuchlich war (v. Pfister 216). Bei den /gv/- Formen mit /gve:ren/ als BT kann im Einzelfall Vermengung mit mhd. kürne, kürn, kurn st.f. ,Mühle‘ vorliegen (Lexer 1, 1794; vgl. Vilmar 309)
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 10
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Zwerch-Klinge: im Zuerren Clingen gelegen (Affolterbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/75095_im-zuerren-clingen-gelegen> (aufgerufen am 03.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
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