Pfuhl-Acker: im Pfulacker undt Wießen

Historischer Beleg aus Affolterbach  
Gemeinde
Wald-Michelbach
Landkreis
Bergstraße
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Pfuhl-Acker

Belegort

Belegtyp

historisch

Belegzeit

1613

Quelle

Staatsarchiv Darmstadt, C 2, Nr. 69/4.

Weitere Belege

Deutungen

Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Acker

Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker im Untersuchungsraum über zweitausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (z.B. Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (z.B. Steinacker), nach der Größe und Form des Geländes (z.B. Langacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (z.B. Mühlacker) usw. In den frühen Belegen ist die Grenze zwischen Appellativ und Name manchmal noch fließend. Selten taucht Acker als BT oder Simplex auf.

Pfuhl

Zu ahd. pfuol, mhd. phuol st. M. ‚Pfuhl, Sumpf, Suhle‘. Wie nhd. Pfuhl zumeist eine Bezeichnung für Wasserlachen und kleinere stehende Gewässer. In Verbindung mit -acker, -wiese weisen die Namen allgemein auf feuchte Bodenverhältnisse hin. Dabei geht die mundartliche Variante /poul/ auf monophthongiertes /uo/ in mhd. phuol zurück (mit weitergehender Diphthongierung /u:/ > /ou/).

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Acker

Zu ahd. ackar, mhd. acker st. M. ‚Acker, Feld‘. In FlN ist Acker in Südhessen über sechstausendmal belegt. Die sehr allgemeine Bedeutung (‚bebautes Land‘) erklärt die weite Verbreitung und das überwiegende Vorkommen als GT von Namenkomposita. Bei diesen sind hinsichtlich des namengebenden Motivs verschiedene Typen zu unterscheiden: die Benennung erfolgte nach dem Namen, Amt oder rechtlichen Status des Grundbesitzers (Wigantsacker, Schultheisenacker, Herrenacker), nach der Beschaffenheit und Nutzung des Bodens (Steinacker, Rübenacker), nach der Größe und Form des Geländes (Langacker, Krummacker), nach der relativen Lage zu bestimmten topographischen Punkten (Ackher beym drey dorn) usw. Die ältesten historischen Belege reichen bis ins 12. Jh. zurück (ad Langenacker, ad Obernacker CodLaur, Nr. 38 14), doch ist die Grenze zwischen Appellativ und Name in manchen frühen Belegen noch fließend (Raunheim 14. Jh. an der Herren Ackir). Relativ selten taucht Acker als BT, noch seltener als Simplex oder Diminutiv auf. Crumstadt weist die Kombination Acker + Furche auf; der GT in Groß-Bieberau/Ueberau (zusammengehörig) geht auf zersprochenes Rain (s. d.) zurück, da Au immer fem. ist.

Pfuhl

Zu ahd. pfuol, mhd. phuol st. M. ‚Pfuhl, Sumpf, Suhle‘. Wie nhd. Pfuhl zumeist eine Bezeichnung für Wasserlachen und kleinere stehende Gewässer. Daneben steht in Südhessen auch die Bedeutung ‚Jauche, Jauchetümpel‘. Die FlN sind aber fast immer auf die ursprünglichere Bedeutung bezogen. In Verbindung etwa mit -acker, -wiese weisen die Namen allgemein auf feuchte Bodenverhältnisse hin. Dabei geht die mundartliche Variante Pu(h)l auf monophthongiertes /uo/ in mhd. phuol zurück (mit weiter gehender Senkung zu Po(h)l). Für den Namen in Seeheim wird Herkunft aus einem PN Pühler, Püler vermutet1, doch spricht der älteste Beleg, mit hiatustilgendem /v/, eher für die Verbindung mit dem Appellativ Pfuhl und einer -er-Ableitung.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Pfuhl m.

1

Der Pfuhl, ahd. pful (Graff 3, 332) und pfuol (Weigand/Hirt 2, 417; Kluge/Mitzka 547), mhd. phuol st.m., Pl. phüele; md. phûl (Lexer 1, 268), mnd. pôl, pûl m. (Schiller/Lübben 3, 359) bezeichnet „im eigentlichen Sinne eine größere tiefere Pfütze“ (DWB 13 [VII], 1804). Für den Sprachgebrauch in Hessen stellt v. Pfister 212 fest: „In Niederhessen und südlich des Maines Puel, im Buchenlande Pôl, in den Lahngauen und der Wetterau Poul, gilt der Ausdruck meistens nicht sowol in schriftsprachlicher Bedeutung als ‚Sumpf, Lache, Pfütze‘, sondern eigens für die Jauche vom Viehe, wofür in nördlichem Lande doch mehr Adelsudde herschet.“ Das wird durch die Bedeutungsangaben in den rezenten hessischen Wörterbüchern gestützt (SHessWb 1, 813f.; HNassWb 2, 625; WaldWb (poul) 82), wenngleich heute südlich der Linie Biedenkopf-Staufenberg-Lauterbach-Gersfeld für ‚Jauche‘ Pfudel vorherrscht (HNassWb 3, 861f. und K. 31). In den hessischen FlN geht Pfuhl offensichtlich fast immer auf die ursprüngliche Bedeutung ‚Lache, Pfütze, kleiner Teich‘ (Dittmaier 228; Buck 206) zurück.

Die verschiedenen dialektalen Varianten von Pfuhl gehen aus von mhd. phuol, das teils zu /pu:l/, /po:l/, in Nordhessen stellenweise /pü:l/, monophthongiert wurde, teils in steigenden Diphthong [poul‚ paol] überging. Daneben gab es eine bereits mittelalterliche Nebenform mit kurzem Stammvokal /u/ am Mittelrhein und in der Wetterau (Weigand/ Hirt ebd.), die sich in heutigem mundartlichen /pul/, /pol/ erhalten hat. Außerdem kommt die Dialektvariante /pun/‚ /poin/ vor, deren /n/ entweder als Dissimilation oder aus dem Sg.Dat. zu erklären ist, falls neben dem in der Regel stark flektierten Pfuhl noch eine schwach reflektierte Nebenform anzusetzen ist: dafür sprechen Belege wie /em pi:len/ in 4722a2 Großenritte KSK u. a. (vgl. DWB 13 [VII], 1805). Auch die gelegentlich als FlN vorkommende Form Pudel (vgl. KehreinWb 313) ist vermutlich aus Pfuhl entstanden, indem älterem *pfuel ein /d/ eingeschoben wurde (DWB 13 [VII], 1804; Kluge/Mitzka ebd.; vgl. dagegen Dittmaier 236).

2

Identifizierungsschwierigkeiten ergeben sich vor allem bei der Variante /paul/, weil sie z. T. gleichlautend mit dem PN Paul ist. Belege mit /paul/ u. ä. als Simplex und GT wurden deshalb aufgenommen, /paul(s)-/ als BT hingegen nicht.

Im Bereich des Limes kann sich /po:l/ im Einzelfall auch auf den „Pfahlgraben“ beziehen. Vereinzelt scheint auch der Volksname der „Polen“ namengebend gewesen zu sein (z.B. „bei den toten Polen“ 4323a1 Gieselwerder KSK u. a.). Bei /poil/-Formen könnte gelegentlich /boil/ ‚Bühl‘ (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 71) zugrunde liegen.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 111

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Pfuhl-Acker: im Pfulacker undt Wießen (Affolterbach)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/75002_im-pfulacker-undt-wiessen> (aufgerufen am 03.11.2026)

Kurzform der URL für Druckwerke

https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/75002