Leise-Winkel: IM LEISEWINKEL [im loiswinkel]
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Leise
Entweder zum FamN Leise (s. Leisen) oder zu mhd. *liuzen ‚sich versteckt halten, lauern‘ (s. Läus-). Nicht auszuschließen ist auch mhd. lîse ‚leise, geräuschlos, sanft‘.
Winkel
Zu ahd. winkil, mhd. winkel st. M. ‚Winkel, Ecke, Ende, abseits gelegener Raum‘. Es handelt sich vielfach, insbesondere bei Komposita mit dem GT Winkel, um einen FormN für spitz zulaufende, von einer Weg- oder Flussbiegung oder einem Knick im Grenzverlauf begrenzte Flurstücke. Daneben tragen auch weit abgelegene oder verborgene Stellen häufig den Namen im Winkel. In drei Orten ist der FormN Winkelhaken bezeugt, der auf frühnhd. winkelhaken ‚aus zwei rechtwinklig miteinander verbundenen Linealen gebildetes Werkzeug aus Holz oder Metall‘ zurückgeht. Entsprechend auch Winkeleisen als FormN.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Winkel
Zu ahd. winkil, mhd winkel st. M. ‚Winkel, Ecke, Ende, abseits gelegener Raum‘. Es handelt sich vielfach, insbesondere bei Komposita mit dem GT Winkel, um einen FormN für spitz zulaufende, von einer Weg- oder Flussbiegung begrenzte Flurstücke. Daneben tragen auch weit abgelegene oder verborgene Stellen häufig den Namen Im Winkel. Die Belege aus Gernsheim, Langwaden und Rod(BGS) beziehen sich auf ein Waldgebiet bei Gernsheim, Kr. Groß-Gerau, wo der Winkelbach (s. d.) einen großen Winkel bildet. Zweimal bezeugt ist der FormN Winkelhaken (Ellenbach, Münster), der auf fnhd. winkelhaken ‚aus zwei rechtwinklig miteinander verbundenen Linealen gebildetes Werkzeug aus Holz oder Metall‘ zurückgeht.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Los n.
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Los in FlN bezieht sich in aller Regel auf ein Stück ehemaligen Gemeinlandes, das aufgeteilt und durch Los an die berechtigten Dorfgenossen ausgegeben wurde (Dittmaier 190), teils auf Dauer, teils auf Pacht (Stroh 37f.), manchmal auch auf den ‚dem Ortsbürger zufallende(n) Anteil Brennholz aus dem Gemeindewald‘ (SHessWb 4, 383) oder einen bei der Erbteilung durch Los gewonnenen Anteil (HNassWb 2, 166).
In den Los-Namen haben sich zwei etymologisch verwandte Varianten vermengt: l. ahd. lôz st.m.n. ‚Los, Schicksal; Spruch; Anteil; Stand‘ (Schützeichel 118), mhd. lôʒ (Lexer 1, 1973), das - im Hinblick auf die Namenentwicklung - stärker den Prozeß des Zuteilens betont; 2. ahd. hluz m. ‚Los, durch Los zugefallenes Grundstück‘ (Graff 4, 1124), mhd. luʒ st.m. (Lexer 1, 1999), das sich auf das Ergebnis der Zuteilung, das Landstück, bezieht (vgl. DWB 12 [VI], 1153-1155; Weigand/ Hirt 2, 83; Vollmann 70; Zink 138).
In den älteren hessischen Wörterbüchern wird Los nicht erwähnt, ist jedoch noch heute gebräuchlich (SHessWb, HNassWb ebd.).
Die beiden sprachhistorischen Formen haben sich durch die Senkung von mhd. /u/ > /o/ sowie durch die Hebung von mhd. /o:/ > /u:/, verbunden mit dem osthessischen Quantitätengesetz und mit hochsprachlichen Einflüssen, in den FlN so vermischt, daß eine Trennung von den heutigen Belegen her nicht mehr möglich ist. Nur die in Südhessen vorkommende Form /lise/ Lüssen (=Pl.) weist eindeutig auf mhd. luʒ, die die ältere Form zu sein scheint und die erst später durch /lo:s/ überlagert wurde (vgl. Ramge 1967, 201).
Sachentsprechend tritt Los in hessischen FlN, wenn nicht BT, meist im Plural auf.
Den gleichen Sachverhalt bezeichnet Teil, ein jüngerer Name, der gleichmäßig über ganz Hessen verteilt in FlN erscheint, nur in Südhessen selten ist, dort aber häufiger in der Form Teilung belegt ist.
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1. Der in Nordhessen mehrfach belegte FlN Liese ist nicht berücksichtigt, da er, bei unklarer Bedeutung, ersichtlich nicht mit Los/Lüssen in Verbindung zu bringen ist.
2. Auszuschließen sind ferner die -los-Namen, die auf den in Mittelund Osthessen verbreiteten SN-Typus zurückgehen, sowie die FlN, die mit den GewN der „Losse“ (re. der Fulda östl. Kassel) und der „Lusse“ (Zufluß zur Bieber bei 5425d6 Hofbieber FUL) zusammenhängen.
3. Umdeutungen und Zersprechungen scheinen nicht vorzuliegen, höchstens in der Büdinger „Luxweide“ (Stroh 37; Corvinus = HFB 22, 86).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 4
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Leise-Winkel: IM LEISEWINKEL (Großaltenstädten)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/74208_im-leisewinkel> (aufgerufen am 04.11.2026)
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