Horbach-Stutz: HORBACHER STUTZ [horwicher stutz]

Rezenter Beleg aus Neuses  
Gemeinde
Freigericht
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
AEC416D7-3050-4A60-B27E-A826B70B90DD

Beleg

Standard-Flurname

Horbach-Stutz

Belegort

Belegtyp

rezent

Deutungen

Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)

Stutz

Mit Stutz werden in Südhessen u. a. ein mit Gras bewachsener steiler Abhang und eine steil ansteigende Wegstrecke bezeichnet. Mhd. stuz, stutz st. M. ‚Stoß, Anprall‘ hat eine auf der Plötzlichkeit der Raumveränderung beruhende Konkretisierung erfahren. Der FlN in Wald-Erlenbach kann auch zu stützen gehören.

Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)

Flachs m. / Har-

Auf den Flachsanbau, vor allem aber auch auf die Weiterverarbeitungsanlagen (→ Roße K. 28), beziehen sich viele FlN, in denen teils das Wort Flachs, teils das Wort Har enthalten ist. (Das synonyme Wort Lein kommt in hessischen FlN nur vereinzelt und gestreut vor).

Der Flachs gehörte zu den Sonderkulturen, die ursprünglich meist in Beunen (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 15) und Gärten angebaut wurden (Bader 3, 98). Anbau und Verarbeitung des Flachses spielten bis ins 19. Jh. eine wichtige Rolle im bäuerlichen Wirtschaftssystem (Kammer 29-53; weitere Lit. über die Flachswirtschaft in Hessen s. Demandt 1, 625f.). Von den Arbeitsgeräten finden der Schwingstock und der Blauel (→ Hessischer Flurnamenatlas, Karte 59) als Formnamen ihren Niederschlag in hessischen FlN.

1A

Flachs, ahd. flahs, st.m. ‚Flachs, Docht‘ (Karg-Gasterstädt/Frings 3, 941), mhd. vlahs st.m., md. flas (Lexer 3, 385; DWB 3 [III], 1700f.) ist als Wort im Hessischen allgemein verbreitet und wird auch von E. Alberus verwendet (SHessWb 2, 759; Crecelius 376; Kammer 33 u.ö.). Im Waldeckischen ist flas neutr., entsprechend dem niederdt. Wortgebrauch (WaldWb 33; vgl. Kluge/Mitzka 201) < mnd. vIas (vlasch) n. (Lasch-Borchling 1, 739). In den mündlichen Namenformen stehen sich wie im Dialekt die Hauptvarianten /flags/ und /flas/ mit dem Lautwandel > (K. Wagner 1926, 30-46; 1927, 33-47; vgl. HSS K.204-206 und Textband 295-297) gegenüber.

1B

Mit Har- u.ä. gebildete Namen gehen auf ahd. haru, haro (Graff 4, 987), mhd. har st.m. ,Flachs‘ (Lexer 1, 1182; Kluge/ Mitzka 278) zurück. Das Wort ist noch im Oberdt. lebendig (DWB 10 [IV‚ II], 6); im Hessischen begegnet es nur in Namen (SHessWb 3, 129).

2

Während die Identifizierung der Flachs-Namen keine Schwierigkeiten bereitet, ist die Eingrenzung der Har-Belege außerordentlich unsicher, weil Har- sich in Namen mit von mhd. hor st.n. ,kotiger Boden, Kot, Schmutz‘ (Lexer 1, 1337) stammenden Herleitungen vermengt hat, die nach formalen Kriterien nicht auseinanderzuhalten sind. Um wenigstens einen Grundbestand an hinreichend sicheren Har-Namen herauszufiltern und damit ungefähr deren Verteilung in hessischen Namen herauszufinden, wurden einige Kombinationstypen ausgewählt: Ganz sicher sind davon die Bildungen Harras‚ Harres u.ä. (< Har-roße; vgl. Stroh 34; Dittmaier 102) und Harschwärze (in 4822d3 Maden SEK, 4921b6 Trockenerfurth SEK, 5117c1 Kernbach MBK, 5316b1 Bechlingen LDK), wo der Flachs zum schwärzenden Faulen ausgelegt war, sowie Harhechelwiese (in 5718d2 Rodheim v.d. Höhe WET). Höchst wahrscheinlich zu Har- gehören die Typen Harkaute, -acker, -feld‚ -garten (vgl. Dittmaier 101f.). Nur diese Kombinationstypen sind berücksichtigt.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 27

Stoß m. / Stutz m.

1A

Der Stoß, ahd. stôz st.m. (Schützeichel 185), mhd. stôz, st.m. (Lexer 2, 1217) ist Substantivierung zu stoßen (Weigand/Hirt 2, 980). In FlN haben sich - von der allgemeinen Bedeutung des ,(An-)Stoßens‘ ausgehend - zwei verschiedene Sonderbedeutungen niedergeschlagen: l. ‚jäher Abhang, Hügel‘ (Dittmaier 304; nach RheinWb 8, 762 auch ‚kurzer, steiler Weg, Anstieg‘), das sich auch im Wortgebrauch in Hessen restweise nachweisen läßt (HNassWb 3, 813). 2. ‚Stelle, wo Äcker aufeinanderstoßen‘ (Dittmaier ebd. nach KehreinNb 567), also sachentsprechend Anwender, Anthaupt (K. 8, 9) (DWB 19 [X, III], 475). Die Namenformen und Kombinationstypen sowie die Verbreitung der Namen machen es wahrscheinlich, daß die Hauptmasse der Namen auf die erste Bedeutung zurückgeht. Stoß, durchweg kurzvokalisch, weist neben der dialektal üblichen Hebung > /u/ (/ʃdus/‚ manchmal /ʃdu:s/) mitunter eine umgelautete Variante /ʃdös, ʃdes, ʃdis/ auf. Vereinzelt sind unverschobene Formen < mnd. stôt m. (Schiller/Lübben 4, 417) belegt.

1B

Der Stutz, mhd. stuz, stutz st.m. ‚Stoß, Anprall‘ (Lexer 2, 1283), ist eine Substantivierung zu stutzen ‚stoßen, hemmen, zögern, prangen, aufrecht stehen‘, einem Intensivum zu stoßen (Kluge/Mitzka 762). Das Wort ist in der Bedeutung ‚Stoß‘ und in der Redensart auf den Stutz ‚plötzlich, unerwartet‘ im Hessischen gebräuchlich (Crecelius 825; Vilmar 407; HNassWb 3, 892; vgl. DWB 20 [X, IV], 738). Aus der Bedeutungskomponente von stutzen ‚steil aufrecht stehen oder stellen‘ (DWB 20 [X, IV], 767) hat sich vor allem im Alemannischen Stutz ‚steiler Hang‘ herausgebildet (DWB 20 [X, IV]‚ 739), das auch im Odenwald und in Mainfranken verbreitet ist (Valtavuo 75-77). Mit diesem Sachbezug tritt auch der hessische FlN auf. Neben Stutz ist die gesenkte Form /ʃdods/ üblich.

2B

Bei Stutz ist in Einzelfällen Vermengung mit Stutzen m. ‚Stumpf, Stummel‘ (DWB 20 [X, IV], 755) nicht auszuschließen. Wahrscheinlich gehören die Belege in 5718d2 Rodheim v.d.H. WET, 6117b1 Pfungstadt DAD, 6217d1 Allmendfeld GRG eher zu Stutzen. Manchmal scheint Vermischung mit Sturz eingetreten zu sein, was von der Sache her mit ‚Bergabfall‘ erklärt werden kann.

Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 88

Nachnutzung

Rechtehinweise

Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0

Zitierweise

Empfohlene Zitierweise

„Horbach-Stutz: HORBACHER STUTZ (Neuses)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/735941_horbacher-stutz> (aufgerufen am 03.11.2026)

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