Lose-Mühle: vf der loisenn muln
Beleg
Standard-Flurname
Lose-Mühle
Belegort
Belegtyp
historisch
Belegzeit
1559/1565
Quelle
Fürstliches Archiv Büdingen, Stadt und Land, Fasz. 165, Nr. 1141c.
Deutungen
Mittelhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Mühle
Zu ahd. mulî, mulin ‚(mit Wasserkraft betrieben) Mühle, Mühlstein‘, mhd. mül, müle st. sw. F. ‚Mühle‘, einer Entlehnung aus gleichbedeutend lat. molina. Die mündlichen Formen haben oft die Form /me(:)n/, wobei das /n/ entweder aus der Flexion stammt: *an der müh(le)n oder durch /n/-/l/-Dissimilation entstanden ist. Namengebend waren meist Wassermühlen sowie die zu ihrem Betrieb notwendigen technischen Anlagen wie etwa Wassergräben und Stauwehre. Auf den Mühlwegen wurden Getreide und das gemahlene Mehl transportiert. Nur in einem Beleg steckt erkennbar ein FamN: Mühlhansenroth in Langd gehört zum PN Hans Mühl als ÜberN ‚der an/von der Mühle‘.
Südhessisches Flurnamenbuch (Hans Ramge)
Mühle
Zu ahd. mulî, mulin ‚(mit Wasserkraft betriebene) Mühle, Mühlstein‘, mhd. mül, müle st. sw. F. ‚Mühle‘, einer Entlehnung aus gleichbedeutend lat. molīna. Namengebend waren Wassermühlen sowie die zu ihrem Betrieb notwendigen technischen Anlagen wie etwa Wassergräben (Mühlgräben) und Stauwehre (Mühlwehr). Mühlwehr steckt möglicherweise auch in Müllwert (Biebesheim am Rhein). Millert, Müllert sind vermutlich wie Bangert aus Baum-garten Zusammenrückungen aus Mühl-garten. Auf den Mühlwegen wurden Getreide und das gemahlene Mehl transportiert. Müllenrad (in Nieder-Roden) gehört nicht zu Mühlrad, sondern ist zu den -rod-Namen mit PN als BT zu stellen. Unklar ist der GT des Belegs aus Winterkasten.
Hessischer Flurnamenatlas (Hans Ramge)
Los n.
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Los in FlN bezieht sich in aller Regel auf ein Stück ehemaligen Gemeinlandes, das aufgeteilt und durch Los an die berechtigten Dorfgenossen ausgegeben wurde (Dittmaier 190), teils auf Dauer, teils auf Pacht (Stroh 37f.), manchmal auch auf den ‚dem Ortsbürger zufallende(n) Anteil Brennholz aus dem Gemeindewald‘ (SHessWb 4, 383) oder einen bei der Erbteilung durch Los gewonnenen Anteil (HNassWb 2, 166).
In den Los-Namen haben sich zwei etymologisch verwandte Varianten vermengt: l. ahd. lôz st.m.n. ‚Los, Schicksal; Spruch; Anteil; Stand‘ (Schützeichel 118), mhd. lôʒ (Lexer 1, 1973), das - im Hinblick auf die Namenentwicklung - stärker den Prozeß des Zuteilens betont; 2. ahd. hluz m. ‚Los, durch Los zugefallenes Grundstück‘ (Graff 4, 1124), mhd. luʒ st.m. (Lexer 1, 1999), das sich auf das Ergebnis der Zuteilung, das Landstück, bezieht (vgl. DWB 12 [VI], 1153-1155; Weigand/ Hirt 2, 83; Vollmann 70; Zink 138).
In den älteren hessischen Wörterbüchern wird Los nicht erwähnt, ist jedoch noch heute gebräuchlich (SHessWb, HNassWb ebd.).
Die beiden sprachhistorischen Formen haben sich durch die Senkung von mhd. /u/ > /o/ sowie durch die Hebung von mhd. /o:/ > /u:/, verbunden mit dem osthessischen Quantitätengesetz und mit hochsprachlichen Einflüssen, in den FlN so vermischt, daß eine Trennung von den heutigen Belegen her nicht mehr möglich ist. Nur die in Südhessen vorkommende Form /lise/ Lüssen (=Pl.) weist eindeutig auf mhd. luʒ, die die ältere Form zu sein scheint und die erst später durch /lo:s/ überlagert wurde (vgl. Ramge 1967, 201).
Sachentsprechend tritt Los in hessischen FlN, wenn nicht BT, meist im Plural auf.
Den gleichen Sachverhalt bezeichnet Teil, ein jüngerer Name, der gleichmäßig über ganz Hessen verteilt in FlN erscheint, nur in Südhessen selten ist, dort aber häufiger in der Form Teilung belegt ist.
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1. Der in Nordhessen mehrfach belegte FlN Liese ist nicht berücksichtigt, da er, bei unklarer Bedeutung, ersichtlich nicht mit Los/Lüssen in Verbindung zu bringen ist.
2. Auszuschließen sind ferner die -los-Namen, die auf den in Mittelund Osthessen verbreiteten SN-Typus zurückgehen, sowie die FlN, die mit den GewN der „Losse“ (re. der Fulda östl. Kassel) und der „Lusse“ (Zufluß zur Bieber bei 5425d6 Hofbieber FUL) zusammenhängen.
3. Umdeutungen und Zersprechungen scheinen nicht vorzuliegen, höchstens in der Büdinger „Luxweide“ (Stroh 37; Corvinus = HFB 22, 86).
Aus: Hessischer Flurnamenatlas, Karte 4
Nachnutzung
Rechtehinweise
Hessisches Flurnamenarchiv – Prof. Dr. Hans Ramge, CC BY-SA 4.0
Zitierweise
Empfohlene Zitierweise
„Lose-Mühle: vf der loisenn muln (Hettersroth)“, in: Hessische Flurnamen <https://lagis.hessen.de/de/orte/hessische-flurnamen/alle-eintraege/718172_vf-der-loisenn-muln> (aufgerufen am 04.11.2026)
Kurzform der URL für Druckwerke
https://lagis.hessen.de/resolve/de/fln/718172